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Die Mistel bringt Lebensqualität in die Onkologie

 

Dr. Harald Matthes

 

Stuttgart (2. Dezember 2009) – Die Mistel wurde von R. Steiner, dem Begründer der anthroposophischen Medizin,  Anfang des letzten Jahrhunderts für die Behandlung von Krebs in die Medizin eingeführt. Aufgrund des holistischen Medizinansatzes der anthroposophischen Medizin mit Außenseitercharakter blieb auch die Mistel zunächst auf ärztlicher Seite ein sog. Alternativpräparat. Auf Patientenseite stellt die Mistel bereits seit über 25 Jahren das häufigste eingesetzte Onkologikum in Deutschland dar [1].

Die Grundlagenforschung zur Mistel erbrachte in den letzten Jahren umfangreiche Daten zu ihrer Wirkung und Wirksamkeit. Analysen der Inhaltsstoffe zeigen hochwirksame Viscotoxine, die analog von Chemotherapeutika, einen zytotoxisch/zytopathischen Effekt besitzen (ca. Faktor 1.000 zu dem Vincaalkaloid Vincristin), ebenso wie Mistellektine, die neben einer extremen Immunstimulation auch einen zytopathischen und apoptose-induzierenden Effekt besitzen. Polysaccaride und Membranlipide der Mistel weisen immunmodulierende und –stimulierende Effekte auf. Ferner zeigt sich ein deutlich überadditiver Effekt des Mistelgesamtextraktes gegenüber seinen Einzelkomponenten. Insgesamt stellt der Mistelgesamtextrakt ein Substanzgemisch aus mehr als 1.000 Einzelkomponenten dar, deren Hauptkomponenten wesentliche antitumoröse und gleichzeitig ruborierende und stimulierende Effekte für den Organismus besitzen (Übersicht bei[2]).

 

 

Die Datenlage zur Misteltherapie

 

Klinische Daten zum Einsatz von Mistelgesamtextrakten liegen bei verschiedenen Tumorentitäten vor. 43 prospektiv vergleichende Studien untersuchten den Einfluss der Misteltherapie auf die Tumorerkrankung, davon sind 26 randomisierte Studien (RCT) und 17 nicht-randomisierte Studien. In den 26 RCT Studien wurden 3210 Patienten in den 17 N-RCTs 3974 Patienten untersucht. 32 Studien untersuchten dabei die Überlebenszeit (n=32), die Tumorremission oder die Tumorrezidivrate (n=11). Bei den Studien mit den Endpunkten einer Beeinflussung der Lebensqualität  (n=14) zeigten 12 Studien eine Verbesserung der Lebensqualität unter Misteltherapie. Eine 2004 publizierte prospektive, multizentrisch, randomisierte und kontrollierte Studie von Piao et al. zeigte dabei den eindrucksvollsten positiven Effekt auf die Lebensqualität und die Reduktion von unerwünschten Arzneimittelwirkungen bei Standardchemotherapie, wenn die Mistel adjuvant zu einer Chemotherapie bei Mamma-, Ovarial- oder nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom s.c. appliziert wurde [3].

 

Der klinische Einsatz von Mistelgesamtextrakten kann aufgrund der Metaanalysen und der systematischen Reviews für solide Tumoren als gesichert in seiner Wirksamkeit auf Überleben und vor allem für die Lebensqualität auf dem EBM Level Ia/Ib gelten.

 

 

Die Mistel bringt Lebensqualität in die Onkologie

 

Seit der Einführung der Misteltherapie in die Onkologie war deren Einsatz und Wertigkeit unter Ärzten umstritten. Dabei ging es meist weniger um Sachverhalte der Mistel selbst, als um einen Stellvertreterkrieg der medizinischen Systeme von reduktionistischer versus holistischer Medizin. Dies führte häufig zu sequentiellen Therapien in der Onkologie. Zunächst wurde konventionell chemotherapeutisch therapiert und später eine Misteltherapie durchgeführt.

 

Die umfangreichen Studien der letzten Jahre zur Lebensqualität in der Onkologie erbrachten eindrucksvolle Ergebnisse für die Mistel. Dabei zeigte die Mistel positive Effekte auf das Fatigue-Syndrom bei onkologisch erkrankten Patienten, wie auch auf Coping-Verhalten (Selbstregulation), Schlafqualität, Stimmungsaufhellung und Aktivitätssteigerung im Alltag. Am eindrucksvollsten sind jedoch die Effekte der Mistel auf die Lebensqualität bei gleichzeitiger Gabe der Mistel während einer Radio- / Chemotherapie. Hierbei kann die Misteltherapie bis zu 2/3 aller chemotherapiebedingten unerwünschten Arzneimittel-wirkungen verhindern bzw. reduzieren. In der Piao-Studie [3] wurde mit Helixor® gezeigt, wie bei Mamma-, Ovarial- oder Bronchialkarzinom die Lebensqualität durch Verhinderung der chemotherapiebedingten unerwünschten Arzneimittelwirkungen hoch signifikant gesteigert wurde. Dies ist auf den immunprotektiven Effekt und der Fähigkeit der Mistel zu einem erhöhten DNA-Repairmechanismus (Erhöhung der Schwester-Chromtidaustauschrate) wahrscheinlich zurückzuführen. Daher stellt die Misteltherapie heute einen integrativen Bestandteil in der Onkologie gerade auch in Hinblick auf die Lebensqualität der Patienten dar und wird in Disease Management Programme (DMP-Brustkrebs Nordrhein) in Deutschland empfohlen.

 

 

Literatur

 

  1. Rostock, M., Misteltherapie: Ihr aktueller Stellenwert bei der Behandlung von Tumorerkrankungen. Phytopharmaka VI, 167-180, ed. Norbert Rietbrock et. al. Vol. VI. 2000, Darmstadt: Steinkopff Verlag. 167 – 180.
  2. Kienle, G.S. and H. Kiene, Die Mistel in der Onkologie. 2003, Stuttgart, New York: Schattauer Verlag. 1 – 749.
  3. Piao, B.K., et al., Impact of complementary mistletoe extract treatment on quality of life in breast, ovarian and non-small cell lung cancer patients. A prospective randomized controlled clinical trial. Anticancer Res, 2004. 24(1): p. 303-9.
  4. Matthes, H., Onkologische Misteltherapie (Viscum album (L.) aus klinisch-anthroposophischer Sicht, in Die Mistel in der Tumortherapie; Grundlagenforschung und Klinik, R. Scheer, et al., Editors. 2001, KVC Verlag Essen: Essen. p. 253-274.

 


 

Quelle: Präsentation „Hörbuch Krebs – Ich sage ‚ja’ zum Leben“ am 02.12.2009 in Stuttgart (B+S Pharma Consulting) (tB).

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