MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

Ebola

Hamburger Ebola-Patient überlebt schwere Komplikationen nur dank intensivmedizinischer Versorgung

 

Hamburg (22. Oktober 2014) – Nach fünf Wochen auf der Sonderisolierstation konnte das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) einen mit dem Ebola-Virus infizierten WHO-Mitarbeiter Anfang Oktober geheilt entlassen. Wie die betreuenden Ärzte und Infektiologen des UKE, des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) nun im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlichen, hatte der Patient mit schweren Komplikationen zu kämpfen – auch als die zwischenzeitlich sehr hohe Viruslast selbst bereits wieder abnahm.


Neben einem schwerwiegenden Flüssigkeitsmangel infolge der Ebola-Infektion machte eine bakterielle Blutvergiftung weitere intensivmedizinische Maßnahmen notwendig.

Der WHO-Mitarbeiter arbeitete als Epidemiologe in einem Ebola-Behandlungszentrum in Sierra Leone. Er infizierte sich mit großer Wahrscheinlichkeit bei einem Kollegen, mit dem er eng zusammenarbeitete und der an Ebola verstarb. Zehn Tage später brach die Krankheit bei ihm selbst aus. Weitere zehn Tage später wurde der Patient nach Hamburg auf die Sonderisolierstation des UKEs überführt. Die Herausforderungen bei seiner Behandlung waren von Beginn an groß. „Der Flüssigkeitshaushalt des Patienten war stark gestört, das Verdauungssystem angegriffen. Die Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr war ausschließlich über Infusionen möglich. In den ersten drei Tagen benötigte der Patient bis zu zehn Liter pro Tag, um sich zu stabilisieren“, erklärt Dr. Benno Kreuels, Arzt an der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE und Erstautor der NEJM Veröffentlichung.

Während typische Symptome der Ebola-Infektion wie Durchfall und Erbrechen nach wenigen Tagen erfolgreich behandelt waren, verschlechterte sich der Zustand des Patienten erneut ab Krankheitstag 13 aufgrund einer schweren Blutvergiftung – verursacht durch Bakterien, die sich gegen verschiedenste Antibiotika als resistent erwiesen. Das Überleben des Patienten, zu diesem Zeitpunkt mit ausgeprägten Bewusstseinsstörungen und zunehmend eingeschränkter Lungenfunktion, konnte mit einer gezielten Antibiotikatherapie und einer nicht-invasiven Beatmung gesichert werden. „Nur die intensivmedizinische Betreuung rettete unseren Patienten, der unter äußerst ernsthaften Sekundärkomplikationen litt. So lange keine hinreichend wirksamen und sicheren Ebola-spezifischen Therapien zur Verfügung stehen, scheint es für die Überlebenswahrscheinlichkeit besonders wichtig, dass die erkrankten Menschen schnell über Infusionen mit Flüssigkeit versorgt werden können und eine optimal unterstützende Therapie gegeben wird“, resümiert Dr. Stefan Schmiedel, für die Behandlung verantwortlicher Tropenmediziner an der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik, den Krankheitsverlauf.

In Absprache mit den lokalen und nationalen Gesundheitsbehörden wurde der WHO-Mitarbeiter am Tag 40 nach Ausbruch der Infektion entlassen. Zu diesem Zeitpunkt konnten bereits seit mindestens 20 Tagen aus keiner der genommenen Proben (Blut, Speichel, Tränenflüssigkeit, Bindehautabstrich, Stuhl, Urin oder Schweiß) des Patienten lebensfähige, und damit infektiöse Ebola-Viren isoliert werden. „Durch die engmaschige Diagnostik konnten wir viel über das Virus und den Verlauf der Viruserkrankung lernen. So isolierten wir beispielweise noch infektiöse Ebola-Viren aus Urin, während im Blutplasma schon Tage zuvor keine Viruspartikel mehr nachweisbar waren“, sagt Prof. Dr. Marylyn Addo, leitende Ärztin der Sektion Tropenmedizin an der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik und Professorin für Emerging Infections im DZIF.

Prof. Dr. Ansgar Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE, sieht Deutschland auch weiterhin in der Verantwortung: „Die wichtigste Maßnahme im Kampf gegen die Ebola-Epidemie ist eine verbesserte Gesundheitsvorsorge vor Ort. Doch es ist auch richtig und gut, dass wir in unseren hochspezialisierten Isolierstationen internationale Helfer versorgen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um den Kranken in der Krisenregion zu helfen. Hierdurch unterstützen wir indirekt die Hilfe in Westafrika. Außerdem zeigt dieser Fall, was durch die sorgfältige klinisch-wissenschaftliche Beobachtung gelernt werden kann, und – im Einverständnis mit dem Patienten –freuen wir uns, dieses Wissen nun auch an andere weitergeben zu können.“


Publikation

 

  • Kreuels B, Wichmann D, Emmerich P, Schmidt-Chanasit J, de Heer G, Kluge S, Abdourahmane S, Renné T, Günther S, Lohse AW, Addo MM, Schmiedel S. (2014). A case of severe Ebola virus infection complicated by gram-negative septicemia. New England Journal of Medicine (online first release on October 22, 2014; DOI: 10.1056/NEJMbr1411677).

 


Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 22.10.2014 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen

ONKOLOGIE

WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…
Stellungnahme zur 3. Impfung gegen SARS-CoV2 bei Personen mit MS
NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…