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Epilepsietherapie: Neue Leitlinien Zusatztherapie

Hintergründe, Empfehlungen und eine erste Standortbestimmung von Lacosamid

 

 

Rostock (22. Mai 2009) – Die Therapie der Epilepsie hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Vor allem die Verfügbarkeit neuer, innovativer Antiepileptika hat hierzu beigetragen. Mit dem neuen Wirkstoff Lacosamid (Vimpat®) steht seit August 2008 in Deutschland ein hoch effektives Antiepileptikum zur Zusatztherapie fokaler epileptischer Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisie­rung bei Patienten ab 16 Jahren zur Verfügung. Über aktuelle As­pekte der Therapie diskutierten Experten jetzt auf der 6. Gemeinsa­men Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizeri­schen Sektionen der Internationalen Liga gegen Epilepsie in Rostock.

 

Wie Professor Christian E. Elger von der Klinik für Epileptologie in Bonn ausführte, hätten die moderne Genetik, neuere bildgebende Verfahren sowie elektrophysiologische Untersuchungen dazu beige­tragen, die Ursachen der verschiedenen Epilepsie-Formen näher zu charakterisieren. Das bessere Ursachenverständnis der Epilepsie hat schließlich zu einem Paradigmenwechsel in der Therapie der Erkran­kung geführt. „Das moderne Konzept besteht darin, dass der Nach­weis einer epileptogenen Ursache und eines Anfalles ausreicht, um die Diagnose Epilepsie zu stellen und eine Therapieempfehlung aus­zusprechen“, sagte Elger. Mittlerweile, so Elger weiter, ist erwiesen, dass die Wahl des ersten Medikamentes und auch das langfristige Therapiemanagement entscheidend sind. Denn etwa zwei Drittel aller Epilepsiepatienten sind auf eine lebenslange Therapie angewiesen. Vor diesem Hintergrund sind antiepileptisch wirksame Medikamente ohne Enzyminduktion den klassischen Substanzen wie Carbama­zepin, Phenytoin oder Phenobarbital vorzuziehen. Aus klinischem Blickwinkel ist darüber hinaus folgender Gesichtspunkt besonders wichtig: Bei etwa jedem zweiten Patienten ist bereits das erste Medi­kament erfolgreich, so dass die Therapiewahl genauestens überdacht werden sollte. „Bei der Therapieentscheidung oder bei der Medika­mentenentscheidung stehen die Bedürfnisse des Patienten ganz im Vordergrund“, so der Epileptologe.

 

Moderne Diagnoseverfahren sichern die Diagnose

Wie Elger in seinem Vortrag weiter ausführte, stünden heute mo­derne bildgebende Verfahren (Magnetresonanztomographie) zur Ver­fügung, die allerdings von einem erfahrenen Untersucher beurteilt und ausgewertet werden sollten. Denn allzu oft werden die subtilen epileptogenen Läsionen übersehen oder fehlgedeutet. Im therapeuti­schen Management steht die operative Therapie ganz am Ende. Dies steht in gewissem Gegensatz zu den Erfolgen moderner epilepsiechi­rurgischer Eingriffe. Vor allem den ‚leichten’ epilepsiechirurgischen Kandidaten sollte daher so früh wie möglich eine Operation angebo­ten werden. Wenn ein chirurgischer Eingriff nicht erfolgversprechend erscheint, lohne es sich durchaus, die zur Verfügung stehenden Me­dikamente – auch in Kombination – auszuprobieren. Dies gelte auch für neuere Substanzen, so Elger abschließend.

 

Pharmakologisches Kurzprofil von Lacosamid

Professor Bernhard J. Steinhoff aus Kork ging in seinem Vortrag insbesondere auf die pharmakologischen Charakteristika des seit Au­gust 2008 erhältlichen Antiepileptikums Lacosamid ein. Wie der Experte sagte, handele es sich bei Lacosamid um eine funktiona­lisierte Aminosäure, die keine Ähnlichkeit mit anderen Antiepileptika aufweist. Aus präklinischen Untersuchungen mit der neuen Substanz weiß man, dass Lacosamid zwei unterschiedliche Wirkmechanismen aufweist: Einerseits verstärkt Lacosamid die langsame Inaktivierung spannungsabhängiger Natriumkanäle. Dieser Mechanismus unter­scheidet sich von dem herkömmlicher Natriumkanalblocker wie Carbamazepin, Phenytoin oder Lamotrigin. Darüber hinaus bindet Lacosamid an das Collapsin-Response-Mediatorprotein (CRMP-2); inwieweit dies eine klinische Bedeutung hat, ist zurzeit unbekannt.

 

Lacosamid weist günstige Pharmakokinetik auf

Wie Steinhoff weiter ausführte, wird Lacosamid schnell und vollstän­dig resorbiert und weist eine annähernd 100%ige Bioverfügbarkeit auf. Maxi­male Plasmakonzentrationen werden nach 0,5 – 4 Stunden erreicht. Klinisch wichtig ist die Tatsache, dass Lacosamid nicht extensiv metabolisiert wird und keine klinisch relevanten Effekte auf den CYP P450-Soffwechsel oder p-Glykoproteine beobachtet worden sind. Darüber hinaus hat Lacosamid keinen signifikanten Einfluss auf die Plasmakonzentrationen von Carbamazepin, Phenytoin, Gaba­pentin, Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazapin oder Zonisamid. Umgekehrt wird aber auch die Plasmakonzentration von Lacosamid durch diese Medikamente nicht klinisch relevant beeinflusst, betonte Steinhoff. Klinisch bedeutsam ist aber auch die Tatsache, dass in Studien keine signifikanten Interaktionen mit häufig verordneten Medikamenten wie Digoxin, Metformin, Omeprazol oder Ethinyl­östradiol und Levonorgestrel-haltigen oralen Kontrazeptiva beo­bachtet wurden. Lacosamid ist in einer Tageshöchstdosis von 400 mg zugelassen. In drei kontrollierten klinischen Studien wurde das neue Antiepileptikum in der Zusatztherapie bei erwachsenen Patienten mit fokalen Epilepsien im placebokontrollierten Studiendesign untersucht. Wie sich hier zeigte, waren Tagesdosen von 400 mg und 600 mg (außerhalb des aktuellen Zulassungsbereichs) hinsichtlich der me­dianen prozentualen Anfallsreduktion und der Responderraten der Placebogabe statistisch signifikant überlegen. Für 200 mg Lacosamid ließ sich in einer Studie eine signifikant reduzierte mediane pro­zentuale Anfallsfrequenz nachweisen, ansonsten war die Über­legenheit gegenüber Placebo im Trend klar, aber nicht statistisch sig­nifikant. Die Verträglichkeit von Lacosamid war insgesamt gut, die häufigsten unerwünschten Wirkungen waren zentralnervöse Effekte wie Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Koordinationsstörungen, Nystagmus, Diplopie und Verschwommensehen. Insgesamt, so das Resümee Steinhoffs, steht mit Lacosamid eine sehr effektive, gleich­wohl gut verträgliche neue Substanz in der Epilepsie-Therapie zur Verfügung.

 

 

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Quelle: 6. Gemeinsame Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Sektionen der Internationalen Liga gegen Epilepsie: Satellitensymposium der Firma UCB zum Thema „Neue Leitlinien Zusatztherapie – Hintergründe, Empfehlungen und eine erste Standortbestimmung von Lacosamid“ am 22.05.2009 in Rostock (Medizin und PR Gesundheitskommunikation) (tB).

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