Ergebnisse sprechen für zielgerichtete Therapien

Bevacizumab und Erlotinib beim fortgeschrittenen NSCLC

 

Dresden (7. April 2011) – Die bis dato akkumulierten Daten  zu Bevacizumab (Avastin®) und Erlotinib (Tarceva®) bestätigen den hohen Stellenwert der beiden zielgerichteten Therapien beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC). So führt die Kombination einer platinhaltigen Chemo­therapie mit Bevacizumab in der First-Line-Therapie zum bisher längsten medianen Gesamtüberleben von mehr als 14 Monaten bei Patienten mit Adenokarzinom. Der Einsatz von Erlotinib nach einer initialen platinhaltigen Chemotherapie verbessert sowohl in der Erhaltungs­therapie als auch in der Second-Line-Therapie signifikant die Prognose der Patienten – unabhängig vom EGFR-Mutationsstatus.

 

Die Empfehlung in den aktuellen S3-Leitlinien beweist: Die zielgerichtete Therapie mit dem VEGF-Antikörper Bevacizumab und dem EGFR-Inhibitor Erlotinib ist im Praxis­alltag angekommen [1]. Die bislang gesammelten Er­fahrungen sowie Ergebnisse neuer Studien geben Sicherheit im Umgang mit beiden Substanzen und zeigen neue Therapie­optionen auf.

 

 

First-line: Bevacizumab bis zur Progression geben

 

Die Zugabe von Bevacizumab zu einer Standard-Chemotherapie führte bei Patienten mit Adenokarzinom zum bisher längsten, in einer Phase-III-Studie nachgewiesenen, medianen Gesamtüberleben (Overall Survival, OS) von 14,2 Monaten (vs. 10,3 Monate unter alleiniger Chemotherapie) [2]. Zwei große Phase-IV-Studien, SAiL (Safety of Avastin in Lung) und ARIES (Avastin Regimens: Investigation of Treatment Effects and Safety), bestätigen dieses Ergebnis. In den Beobachtungsstudien lag das mediane OS bei allen Patienten – darunter 86 % bzw. 69 % Patienten mit Adeno­karzinomhistologie – bei 14,6 bzw. 13,3 Monaten [3, 4].

 

Eine aktuelle Subgruppenanalyse der SAiL-Studie sowie eine retrospektive Analyse elektronischer Kranken­unterlagen einer US-amerikanischen Datenbank legen nahe, dass Patienten, die Bevacizumab bis zur Tumorprogression erhalten, noch deutlicher profitieren. In der SAiL-Studie verlängerte sich die mediane Zeit bis zur Tumor­progression (TTP) von 4,5 auf 8,9 Monate, das OS stieg von 8,3 auf 18,8 Monate, wenn Bevacizumab als Erhaltungstherapie gegeben wurde [5]. Das beobachtete mediane OS der 403 analysierten US-amerikanischen Patienten verdoppelte sich, wenn Bevacizumab bis zur Progression gegeben wurde (20,9 vs. 10,2 Monate) [6, 7].

 

 

Second-line: Erlotinib so wirksam wie eine Chemotherapie

 

Für Patienten, die nach einer First-Line-Chemotherapie progredient sind, wurde erst kürzlich in der TITAN (Tarceva In Treatment of Advanced NSCLC)-Studie gezeigt, dass die Therapie mit dem EGFR-Inhibitor Erlotinib ebenso wirksam ist wie eine Chemotherapie mit Docetaxel oder Pemetrexed. Das mediane Gesamtüberleben (OS) war im Erlotinib-Arm (n = 203) und Chemotherapie-Arm (n = 221) vergleichbar (5,3 vs. 5,5 Monate) und wurde für alle Subgruppen und somit unabhängig von prädiktiv und prognostisch relevanten Parametern, wie Geschlecht, Raucherstatus und Tumorhistologie sowie Krankheitsstadium, Allgemeinzustand und ethnischem Hintergrund gezeigt. Patienten mit nicht mutiertem EGF-Rezeptor profitierten mit einem OS von 6,6 Monaten mindestens so stark von Erlotinib wie das Gesamtkollektiv (OS Erlotinib vs. Chemotherapie: HR 0,85; 95 %-KI 0,59-1,22) [8].

 

Der Vorteil einer Erlotinib-Therapie lag dabei in der besseren Verträglichkeit: Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse waren im Erlotinib-Arm seltener (10,2 %) als im Chemotherapie-Arm (14,6 %). Hämatologische Toxizitäten traten unter Erlotinib nicht auf, wohingegen diese im Chemotherapie-Arm bei 3,8 % der Patienten beobachtet wurden. Die häufigsten mit Erlotinib in Verbindung gebrachten Nebenwirkungen waren überwiegend leichte bis moderate Fälle von Rash und Diarrhoe [8].

 

 

Erlotinib-Erhaltungstherapie bei Krankheitsstabilisierung

 

Parallel zur TITAN-Studie wurde die SATURN (Sequential Tarceva in Unresectable NSCLC)-Studie durchgeführt, die dazu führte, dass Erlotinib im Frühjahr 2010 zur First-Line-Erhaltungs­therapie bei Patienten mit Krankheitsstabilisierung zugelassen wurde. Im SATURN-Studienkollektiv befanden sich Patienten, die nach einer initialen platinhaltigen Chemo­therapie mit einer kompletten oder partiellen Remission oder Krankheits­stabilisierung angesprochen hatten. Alle Patienten erhielten nach Abschluss der First-Line-Chemotherapie randomisiert entweder Erlotinib (n = 438) oder Placebo (n = 451). Mit einem signifikant verringerten Progressionsrisiko von 29 % sowie einer signifikanten Verlängerung des medianen OS um einen Monat profitierten alle Patienten, die Erlotinib erhielten. Sehr viel deutlicher war dieser Vorteil für Patienten mit Krankheits­stabilisierung: Bei ihnen verringerte sich das Mortalitätsrisiko um 28 % (HR 0,72, p = 0,0019), das mediane OS erhöhte sich von 9,6 auf 11,9 Monate [9].

 

Der positive Effekt von Erlotinib war unabhängig vom EGFR-Mutations­status. Patienten mit Krankheits­stabilisierung, ohne Mutationen im EGFR-Gen wiesen ein OS von 12,4 Monaten auf (vs. 8,7 Monate unter Placebo). Das Sterberisiko reduzierte sich um 35 % (HR 0,65, p = 0,0041) [9].

 

 

Quellen 

  1. Goeckenjan G et al., Pneumologie 2010; 64: S23-S155
  2. Sandler A et al., J Thorac Oncol 2010; 5: 1416-1423
  3. Crinò L et al., Lancet Oncol 2010; 11: 733-740
  4. Wozniak A et al., J Clin Oncol 2010; 28 (7s): Abstract/Poster 7618
  5. Dansin E et al., ESMO 2010; 428P
  6. Ravelo A et al., ESMO 2010; 431P
  7. Nadler E et al., Oncologist 2011; Mar 25. [Epub ahead of print]
  8. Ciuleanu T et al., Chicago Multidisciplinary Symposium in Thoracic Oncology 2010; LBOA5
  9. Cappuzzo F et al., Lancet Oncol. 2010; 11(6): 521-529



Quelle: Pressekonferenz der Firma Roche Pharma zum Thema „Aktuelle Therapie des NSCLC“ am 07.04.2011 in Dresden (medical relations) (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung