Europäischer Kardiologenkongress (ESC)

Herzrisiko: Gleiche Präventionsempfehlungen für alle sind nicht zielführend

 

München (27. August 2012) – Bei den meisten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist es ungünstiger, in einem Land mit hohem Einkommen zu leben oder innerhalb eines Landes einer höheren Einkommensschicht anzugehören. Ausnahmen sind das Rauchverhalten und ein ausreichender Konsum von Obst und Gemüse. Das sind einige Eckdaten einer internationalen Vergleichsstudie, die heute auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München präsentiert wurde. Von 25. bis 29. August treffen Herzspezialisten aus aller Welt zum international größten Kongress in der Herzmedizin zusammen.

 

Aus den früheren Studien INTERHEART und INTERSTROKE ist bekannt, dass weltweit drei Risikofaktoren für 50 bis 60 Prozent des gesamten Herz-Kreislauf-Risikos verantwortlich sind: Ungünstige Ernährung, zu wenig Bewegung und Rauchen. In der neuen PURE-Studie (Prospective Urban Rural Epidemiology) gingen die Forscher der Frage nach, welche sozioökonomischen Faktoren dieses Risikoverhalten beeinflussen. Erhoben wurden dafür das Ernährungs- und Bewegungsverhalten sowie die Rauchgewohnheiten von insgesamt 154.000 Personen aus 17 Ländern, alle Kontinente außer Australien waren vertreten. Ein Fazit, so Hauptautor Prof. Dr. Salim Yusuf (McMaster University und Hamilton Health Science, Hamiltorn, Canada): Je niedriger das Bruttonationalprodukt (BNP) eines Landes und je niedriger innerhalb eines Landes das Haushaltseinkommen, desto weniger Obst und Gemüse werden konsumiert und desto mehr wird geraucht. Letzteres gilt jedenfalls für Männer, das Rauchverhalten von Frauen ist weniger eindeutig, weil kulturelle Faktoren eine große Rolle spielen.

Bei allen anderen für die Herzgesundheit wichtigen Lebensstilfaktoren sind Menschen in den wohlhabenden Ländern der Welt beziehungsweise in den höheren Einkommensschichten im Nachteil: Je höher das BNP oder je höher das Haushaltseinkommen, desto höher ist der Fettkonsum und die Aufnahme ungesättigter Fettsäuren. Das gilt auch für den Verzehr von Fleisch. Umgekehrt ist es mit dem Anteil von Kohlehydraten an der Gesamtkalorienmenge, er nimmt mit sinkendem BNP und Haushaltseinkommen zu. Das Ausmaß köperlicher Bewegung nimmt mit zunehmendem Wohlstand dramatisch ab, beobachtet Prof. Yusuf: „Das wird auch nicht durch Freizeitaktivitäten ausgeglichen, die im Wohlstand naturgemäß weiter verbreitet sind. Die Differenz zwischen den ärmsten und reichsten Ländern bei der täglichen Bewegung entspricht dem Äquivalent von drei Stunden Jogging.“

Eine wichtige Konsequenz der Untersuchung, so der Experte, sei es, dass Präventionspolitik viel stärker derartige sozioökonomische Unterschiede berücksichtigen müssten. „Wir subventionieren in Nordamerika oder Europa die Fleisch- und Milchproduktion. Das ist kontraproduktiv, weil in den reichen Ländern davon ohnehin viel zu viel konsumiert wird. Besser wäre es, die Herstellung gesunder Lebensmittel zu fördern und sie damit leichter zugänglich zu machen.”

„Präventionsstrategien müssen die spezifischen, ungleich verteilten Ursachen berücksichtigen und können deshalb nicht generalisiert empfohlen werden. Das ist eine wichtige Folgerung aus dieser Untersuchung“, so Prof. Dr. Eckart Fleck (Deutsches Herzzentrum Berlin), Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

 

Quelle

 

  • ESC Abstract 395 PURE: Patterns of risk factor prevalence for CVD globally by urbanization, gender, and economic status of countries and individuals: The Prospective Urban Rural Epidemiologic (PURE) Study of 153,996 people from 628 communities in 17 countries.

 


 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V., 27. August 2012 (tB).

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