Flexibilität trainieren und die Magersucht überwinden?

Medizinische Universitätsklinik Heidelberg sucht Studienteilnehmerinnen für neues Behandlungsprogramm

 

Heidelberg (15. Dezember 2011) – Ein neues Therapiekonzept für Magersüchtige haben Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg entwickelt: Ein systematisches Training in flexiblem Verhalten soll die Voraussetzungen dafür schaffen, die schädlichen Essgewohnheiten zu überwinden. Die Therapie wird ab sofort im Rahmen einer Studie angeboten; dafür werden noch Studienteilnehmerinnen im Alter zwischen zwölf und 65 Jahren gesucht.

 

Magersüchtige Patienten schränken ihre Nahrungszufuhr extrem ein, was zur lebensgefährlichen Abmagerung führen kann. Häufig sind sie nicht in der Lage, ihr Verhalten zu ändern, selbst wenn sie dies wollen. Das neue Behandlungsprogramm soll Betroffenen die Verhaltensänderung erleichtern.

Das Training besteht aus insgesamt 30 Einheiten in einem Zeitraum von ca. einem Monat und ist sehr spielerisch gestaltet: In neun Treffen mit einem Trainer und ansonsten daheim am Computer üben die Teilnehmerinnen zuvor erlernte Verhaltensweisen, z.B. das Lösen leichter Aufgaben nach einem bestimmten Muster, kurzfristig abzuändern. Jede Einheit dauert ca. 50 Minuten.

Weitere Übungen sind in den Alltag der Teilnehmerinnen integriert: „Dabei geht es zunächst einmal darum, ganz kleine Änderungen alltäglicher Gewohnheiten auszuprobieren, wie z.B. die Armbanduhr auf der anderen Seite zu tragen“, erklärt Diplom-Psychologe Timo Brockmeyer, Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, der die Studie begleitet. „Viele Magersuchtkranke verunsichert es sehr, sich außerhalb ihrer Alltagsroutinen und Rituale zu bewegen. Das muss in kleinen Schritten trainiert werden.“

 

Die Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine schwere Essstörung, die mit anhaltenden psychischen Beschwerden einhergeht. Trotz intensiver Behandlung nimmt die Erkrankung bei 20 bis 30 Prozent der Magersüchtigen einen schweren und chronischen Verlauf; rund 10 Prozent sterben daran. Betroffene berichten, dass es ihnen im Verlauf der Erkrankung zunehmend schwerer fällt, sich auf veränderte Lebensbedingungen einzustellen sowie eingeübte Verhaltensweisen, Rituale und Denkmuster aufzulösen. Diese verminderte Flexibilität erschwert es den Magersüchtigen, aus ihrem selbstzerstörenden Verhalten auszubrechen.

 

 

MRT-Untersuchungen prüfen Änderungen in der Gehirnaktivität

 

Wissenschaftler um Privatdozent Dr. Hans-Christoph Friederich, Leitender Oberarzt der Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, zeigten 2009, dass bei den Erkrankten Veränderungen im Gehirn den Wechsel eingeübter Routinen wie dem Essverhalten erheblich erschweren. Dazu untersuchten sie 30 junge Frauen mit oder ohne Anorexie. In einem Test, der die Fähigkeit zu einem flexiblen Verhaltenswechsel aus einem kurzfristig eingeübten Verhalten prüft, hielten Magersuchtkranke häufiger als gesunde Frauen an der vertrauten Verhaltensantwort fest. Gleichzeitig waren bei ihnen bestimmte Gehirnareale vermindert aktiv, die bei flexiblem Verhalten eine entscheidende Rolle spielen.

Auf Grundlage dieser Ergebnisse entwickelte das Team das neue Behandlungsprogramm, das nun im Rahmen der aktuellen Studie auf seine Wirksamkeit hin überprüft wird. Ob das Programm auch Änderungen in der Gehirnaktivität bewirkt, sollen Untersuchungen der Teilnehmerinnen mit dem Magnetresonanz-Tomographen (MRT) vor und nach dem Training zeigen. „Das Programm könnte die Erfolgsaussichten anschließender psychotherapeutischer Interventionen verbessern, indem es die Patientinnen auf die nötigen Veränderungsprozesse vorbereitet“, so Dr. Friederich.

 

Interessenten wenden sich bitte an Katrin Ingenerf (Tel.: 06221 / 56 37401, E-Mail: katrin.ingenerf@med.uni-heidelberg.de) oder Timo Brockmeyer (Tel.: 06221 / 56 37153, E-Mail: timo.brockmeyer@med.uni-heidelberg.de), Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik Heidelberg. Die Teilnehmerinnen erhalten eine finanzielle Aufwandsentschädigung.

 

 


Quelle: Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg, 15.12.2011 (tB).

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