Impfmüdigkeit durchs Internet

 

Erfurt (13. März 2009) – Am vergangenen Wochenende (5. – 7. März 2009) fand in Mainz in Folge der Gesundheitsministerkonferenz die erste Nationale Impfkonferenz statt. Die Tagung unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler verfolgte das Ziel, Konzepte für die Umsetzung und Erfolgskontrolle von Präventionsmaßnahmen zu diskutieren. Auf großes Interesse stieß dabei eine Studie Erfurter Wissenschaftler, die mit dem Posterpreis der Konferenz geehrt wurde.

 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO kritisiert in Deutschland eine allgemeine Impfmüdigkeit. Präventionsziele, beispielsweise die Ausrottung der Masern bis 2010 in Europa, sind nicht unwesentlich durch deutsche Impfgegner bedroht. Besonders in Internet werden kontroverse Diskussionen zu Impfrisiken geführt. Die Wissenschaftler vom Zentrum zur empirischen Analyse gesellschaftlich relevanter Fragestellungen aus dem Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (CEREB) der Universität Erfurt haben in einer Studie den Zusammenhang von Impfkritik im Internet und Impfverhalten untersucht. Das Internet ist ein verfügbares, immer häufiger auch zur Suche nach medizinischen Informationen genutztes Medium.

 

Verschiedene Publikationen machen u.a. das Internet für einen Rückgang von Impfquoten verantwortlich. Daher sollte diese Studie untersuchen, inwiefern der Besuch impfkritischer Internetseiten die Wahrnehmung von Risiken des Impfens und des Nicht-Impfens beeinflusst. Über einen Zeitraum von einem Monat wurde eine Online-Studie durchgeführt, bei der über 300 Probanden impfkritische und neutrale Kontrollseiten besuchten. Anschließend wurde die Risikowahrnehmung und Impfintention der Teilnehmer erfasst. Die Psychologen Dr. Cornelia Betsch, Dr. Frank Renkewitz, Professor Tilmann Betsch und Corina Ulshofer kommen zu dem Schluss, dass bereits eine kurze Suche auf impfkritischen Seiten im Internet zu einer erheblichen Veränderung in der Risikowahrnehmung führen kann.

 

Besonders persönliche Elternberichte über (angebliche) negative Folgen des Impfens, wie man sie in Internetforen oder auf impfkritischen Seiten finden kann, beeinflussen die Risikowahrnehmung. "Die Intention, dem eigenen Kind vier der empfohlenen Impfungen zukommen zu lassen (sechsfach, MMR, Windpocken, Meningokokken), sanken nach der Suche auf der impfkritischen Seite signifikant ab", so Dr. Cornelia Betsch. Ihre psychologisch und methodisch fundierte Grundlagen- und Anwendungsforschung will die Gruppe fortsetzen, um der aktuellen Tendenz zur Impfmüdigkeit entgegenzuwirken. Zur Durchführung gemeinsamer Forschungsvorhaben suchen sie nach Partnern.

Im Mitarbeitergebäude 1 auf dem Campus in der Nordhäuser Straße 63 (Hochhaus; 2. Etage; vor Raum 213) wird derzeit eine Ausstellung gezeigt, in der auf 10 Postern Befunde zum Thema aus studentischen und Arbeiten von Dr. Cornelia Betsch zu sehen sind.


 

Quelle: Pressemitteilung der Universität Erfurt vom 13.03.2009.

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung