Intensive Lipidsenkung hält Herzklappen-Verengung nicht auf

 

Europäischer Kardiologenkongress: SEAS-Studie gibt vorläufige Entwarnung bei Verdacht eines erhöhten Krebsrisikos

 

München (2. September 2008) – Eine Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) lässt sich durch eine intensive LDL-Cholesterinsenkung mit einer Simvastatin-Ezetimib-Kombination nicht aufhalten. Positive Effekte zeigte die Behandlung aber auf das Ausmaß von Gefäßverengungen (Atherosklerose) und deren Folgen wie die Notwendigkeit von Bypass-Operationen. Der Verdacht, durch die Behandlung ein erhöhtes Krebsrisiko zu erzeugen, scheint sich nicht zu bestätigen. Das ergab die bereits im Vorfeld heftig diskutierte und heute beim Kongress der European Society of Cardiology (ESC) präsentierte SEAS-Studie. Der Europäische Kardiologenkongress mit mehr als 30.000 Teilnehmern findet vom 30. August bis 3. September in München statt. Der ESC-Kongress ist die größte Mediziner-Tagung Europas und die größte kardiologische Veranstaltung weltweit.

 

Die SEAS-Studie sollte der Frage nachgehen, ob eine besonders aggressive lipidsenkende Therapie das Fortschreiten einer Aortenklappenstenose bremsen kann. Dies bestätigte sich nicht: Obwohl sich mit der Kombinationstherapie Simvastatin-Ezetimib die LDL-Werte um beeindruckende 61 Prozent mehr senken ließen als unter Placebo, hatte dies keinen Einfluss auf die Herzklappenerkrankung und ihre Folgen. "Möglicherweise hat das damit zu tun, dass hier die Lipidsenkung einfach zu spät im Krankheitsverlauf einsetzt, um noch eine positive Wirkung erzielen zu können", sagte Studienleiter Prof. Dr. Terje Pedersen (Oslo).

Beim sekundären Endpunkt der Studie, nämlich durch Atherosklerose bedingte Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Bypass-Operationen oder Katheter-Interventionen, kam es unter Simvastatin-Ezetimib insgesamt zu einer 22 Prozent niedrigeren Häufigkeit gegenüber Placebo. "Das ist ein Effekt der Cholesterinsenkung, wie wir ihn aus zahlreichen Statin-Studien kennen", so Prof. Pedersen.

 

 

Sorge um Krebshäufigkeit

Ein Befund der SEAS-Studie hatte bereits im Vorfeld der heutigen Präsentation für Aufregung gesorgt. Prof. Pedersen und seine Kollegen hatten ein vermehrtes Auftreten von Krebsdiagnosen in der mit Simvastatin und Ezetimib behandelten Gruppe beobachtet – 105 Fälle versus 70 in der Placebo-Gruppe. Um dem Verdacht eines möglichen Zusammenhangs nachzugehen, analysierten Epidemiologen der Universität Oxford die SEAS-Daten gemeinsam mit den Daten aus zwei anderen, noch laufenden Studien (SHARP und IMPROVE) mit der Ezetimib-Simvastatin-Kombination. Prof. Pedersen: "Die Metaanalyse der drei Studien hat bisher den Verdacht auf ein erhöhtes Krebsrisiko nicht bestätigt. Für diese Einschätzung spricht auch, dass eine Häufung bestimmter Tumoren fehlt. Die Krebsrate in SEAS dürfte also ein Zufallsprodukt sein."

"Derzeit läuft noch eine andere Studie, in der der Effekt einer Statintherapie auf die Aortenstenose überprüft wird. Sollte auch diese keine Wirkung zeigen, werden wir in der Forschung zur medikamentösen Behandlung dieser Erkrankung wohl einen anderen Weg gehen müssen. Derzeit bleibt jedenfalls die Operation der Behandlungsstandard", kommentierte Prof. Dr. Eckart Fleck, Kardiologie-Chef am Deutschen Herzzentrum Berlin und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie die Diskussion auf dem ESC-Kongress zu SEAS.

"Die gute Nachricht aus dieser Studie ist, dass die Rate der kardiovaskulären Ereignisse durch die LDL-Senkung zurückgeht", so Prof. Fleck. "Damit zeigt sich erneut, dass die LDL-Senkung Atherosklerose wirksam bremst. Allerdings war das Ausmaß von 22 Prozent weniger atherosklerotischer Folgen bei 60 Prozent LDL-Cholesterinsenkung etwas enttäuschend."

Für die Therapieentscheidung in der Praxis zieht Prof. Fleck den Schluss: "Wir haben keine neue Gewissheit, dass es zusätzlichen Nutzen über die Statintherapie hinaus bringt, die Simvastatin-Ezetimib-Kombinationstherapie einzusetzen, aber auch keine Argumente, bei darauf eingestellten Patienten das Medikament abzusetzen. Um eine endgültige Schlussfolgerung für den Behandlungsalltag zu ziehen, müssen wir die noch laufenden Studien abwarten."

 


 

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. vom 02.09.2008.

 

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