Maßnahmen zur Vermeidung alkohol- und tabakbedingter Schäden in der Schwangerschaft

 

Köln (22. Juni 2011) – Alkohol- und Tabakkonsum in der Schwangerschaft rücken zunehmend in den Fokus der Präventionsforschung. In Deutschland wurde dieses Forschungsfeld bisher eher vernachlässigt, obwohl hier jährlich ca. 3.000 – 4.000 Kinder mit alkoholbedingten Schädigungen geboren werden.

 

Die Konsequenzen für das alkoholexponierte Kind sind erheblich: Die schwerste Form aller Schädigungen ist das Fetale Alkholsyndrom, auch FAS genannt. Hierbei treten z.B. prä- und postnatale Wachstumsverzögerungen, geistige Behinderung, emotionale Störungen, Schädigungen des Nervensystems, schmale Lidspalten. Auch der Tabakkonsum in der Schwangerschaft birgt ernste gesundheitliche Gefahren für das Kind: Frühgeburten, Plazentaablösung, ein niedriges Geburtsgewicht, die Anfälligkeit zu akuten und chronischen Atemwegserkrankungen und plötzlicher Kindstod sind als Konsequenzen bekannt. Die Folgen des Suchtmittelkonsums wären durch Konsumstopp und -reduzierung vermeidbar. Aber wie erreicht man betroffene Frauen und motiviert sie an ihrem Konsumverhalten etwas zu verändern?

 

 

Aktuelle Präventionsbemühungen

 

Aktuell konzentrieren sich die Präventionsbemühungen hinsichtlich des Alkohol- und Tabakkonsums in der Schwangerschaft überwiegend auf die Verbreitung psychoedukativer Materialien in Arztpraxen, Schwangerschaftsberatungsstellen, etc. Das Hilfesystem der professionellen Suchtberatung wird von schwangeren Frauen mit problematischen Alkohol- bzw. Tabakkonsum nur äußerst selten aufgesucht. Außerdem gelingt die Vermittlung von betroffenen Schwangeren z.B. durch Ärzte/-innen oder die Schwangerschaftsberatungsstellen in Einrichtungen der Suchthilfe selten. Insbesondere gynäkologische Praxen, Geburtsvorbereitungskurse und Schwangerschaftsberatungsstelle wären ideale Settings problematischen Alkohol- und Tabakkonsum zu thematisieren. Aber hier fehlen Methodenkenntnisse, wie betroffene Frauen adäquat angesprochen werden könnten. Meistens beschränken sich hier die Interventionen auf kurze Empfehlungen zur Konsumreduzierung oder zur Abstinenz.


Erschweren kommt hinzu, dass Schwangere häufig ihren Substanzkonsum verschweigen, da sie Schuldgefühle haben oder negative Konsequenzen befürchten. Darüber hinaus kann ein soziales Umfeld, in dem riskanter Substanzkonsum zum Alltag gehört, die eigenen Abstinenzbemühungen schwangerer Frauen erheblich erschweren.

 

 

Neues FAS-Projekt soll Prävention optimieren

 

In diesem Gemeinschaftsprojekt von DISuP, SkF und SKM wird eine bessere Vernetzung der Anlaufstellen für schwangere Frauen und für Menschen mit problematischem Substanzkonsum erprobt. Von zentraler Bedeutung sind hierbei die Suchthilfe und die Schwangerschaftsberatungsstellen. Das primäre Ziel des Projekts ist es bei schwangeren Frauen problematischen Alkohol- und Tabakkonsum rechtzeitig zu erkennen, damit ihnen adäquate Hilfe ermöglicht wird ohne sie zu stigmatisieren oder zu verurteilen. Sowohl die Suchthilfe als auch die Schwangerschaftsberatungsstellen bieten den Betroffenen die Möglichkeit Einzel- oder auch Gruppenangebote in Anspruch zu nehmen. Es wird dabei berücksichtigt, welche Hilfen notwendig und gewünscht sind. Darüber hinaus werden im Projekt neue Wege der Angehörigenberatung (ins. für Partner) sowie der Unterstützung der Erziehungskompetenzen für Mütter mit Kindern mit evtl. Schädigungen durch den Alkoholkonsum in der Schwangerschaft entwickelt und angeboten. Bereits in früheren Forschungsprojekten untersuchte und erprobte das DISuP ähnliche Konzepte.

Das DISuP ist primär an der Entwicklung, Implementierung und Evaluation der eingesetzten Methoden beteiligt. Erste Evaluationsergebnisse werden im ersten Halbjahr 2012 vorliegen.

Dieses Projekt zählt zu den sieben Projekten, die bundesweit ausgewählt wurden neue Präventionsansätze zur Vermeidung und Reduzierung von Suchtmittelkonsum in Schwangerschaft und Stillzeit zu entwickeln und zu erproben. Die Förderung erfolgt durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

 

 


Quelle: Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen, 22.06.2011 (tB).

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