Eisenüberladung bei myelodysplastischen Syndromen (MDS)

Eisenchelat-Therapie verlängert signifikant das mediane Gesamtüberleben

 

  • Analyse des Düsseldorfer MDS-Registers belegt: Mediane Gesamtüberlebenszeit durch Eisenchelat-Therapie um 26 Monate verlängert (p=0,002)
  • MDS sind die häufigsten Knochenmarkserkrankungen bei älteren Menschen
  • Viele MDS-Patienten erhalten regelmäßig Bluttransfusionen; bereits 20 Transfusionseinheiten können eine Eisenüberladung und damit potenziell lebensbedrohliche Organschädigungen zur Folge haben

 

Berlin (26. Februar 2010) – Eine aktuelle Analyse des Düsseldorfer MDS-Registers belegt eine signifikante Verlängerung des medianen Gesamtüberlebens, wenn MDS-Patienten mit Eisenüberladung eine Eisenchelat-Therapie erhalten1. Die mediane Gesamtüberlebenszeit in der Eisenchelat-Therapie-Gruppe betrug 75 Monate vs. 49 Monate in der Gruppe ohne Chelation (p=0,002). Die Daten dieser retrospektiven Matched-Pair-Analyse wurden im Dezember 2009 auf dem weltgrößten Hämatologie- Kongress der American Society of Hematology (ASH) in New Orleans, USA, vorgestellt.

 

„Myelodysplastische Syndrome – MDS – haben in Deutschland eine Inzidenz von ca. 4/100.000 pro Jahr2, die im Alter stark zunimmt. Sie sind die häufigsten Knochenmarkserkrankungen älterer Menschen. Insbesondere MDS-Patienten mit niedrigem Risiko sind langfristig auf regelmäßige Bluttransfusionen angewiesen und entwickeln nach vielfachen Transfusionen eine Eisenüberladung“, sagt Professor Dr. Ulrich Germing, Universitätsklinikum Düsseldorf. „Unsere Daten aus dem Düsseldorfer MDS-Register bestätigen andere internationale Ergebnisse3,4 und zeigen, dass eine Eisenchelat-Therapie das Überleben dieser Patienten verlängern kann.“

 

Im Zentrum der MDS-Therapie steht für viele Betroffene die supportive Behandlung mit Bluttransfusionen. Bereits nach 20 Transfusionseinheiten kann eine Eisenüberladung auftreten: Das überschüssige Eisen wird in Organen wie Leber, Herz und endokrinen Organen gespeichert und kann zu lebensbedrohlichen Schädigungen führen. Standardtherapie für diese Patienten ist die Gabe eines Eisenchelators2, beispielsweise des oral verfügbaren Deferasirox (Exjade®).

 

 

Überlebensvorteil durch Eisenchelat-Therapie – internationale Daten

 

Die Transfusionsabhängigkeit bei MDS-Patienten geht laut einer spanischen Studie3 mit einer signifikant verkürzten Gesamtüberlebenszeit einher. Auch ein Serumferritin-Wert von >1.000 ng/ml wurde als unabhängiger Prognosefaktor für ein verkürztes Gesamtüberleben nachgewiesen.

 

Eine deutliche Verlängerung des Gesamtüberlebens durch eine Eisenchelat-Therapie konnte eine retrospektive Analyse aus Frankreich4 mit 170 polytransfundierten MDS-Patienten belegen: Die chelierten Patienten hatten im Vergleich zu nicht-chelierten Patienten einen signifikanten Gesamtüberlebensvorteil von 64 Monaten, also mehr als 5 Jahre.

 

„Die Daten der aktuellen Analyse aus Deutschland zeigen eindrucksvoll, dass polytransfundierte MDS-Patienten von der Therapie mit einem Eisenchelator profitieren können. Novartis Oncology wird seine starke Hämatologie-Expertise auch in Zukunft einsetzen, damit Patienten mit einer Eisenüberladung mit innovativen Wirkstoffen wirksam behandelt werden können“, betont Dr. Ulrike Haus, Medizinische Direktorin Onkologie, Novartis Pharma GmbH.

 

 

Matched-Pair-Analyse des Düsseldorfer MDS-Registers

 

Ziel der retrospektiven Analyse war es, den Effekt einer Eisenchelat-Therapie auf das mediane Gesamtüberleben polytransfundierter MDS-Patienten mit einer Eisenüberladung zu ermitteln. In die Matched-Pair-Analyse wurden 186 Patienten mit verschiedenen MDS-Typen (nach WHO) und International Prognostic Scoring System (IPSS)-Risikogruppen eingeschlossen. Die Mehrheit der Patienten zählte zu den IPSS-Risikogruppen „low“ (37 %) und „intermediate-1“ (46 %). Aus der Gesamtzahl der Patienten wurden 93 Paare auf Basis von Alter zum Zeitpunkt der Diagnose, Geschlecht, MDS-Typ sowie IPSS-Risikogruppe gebildet: Jedem der 93 langfristig chelierten Patienten wurde ein ausschließlich mit Supportivtherapie behandelter Partner aus dem Düsseldorfer MDS-Patientenregister zugeordnet. Von den Patienten, die eine langfristige Eisenchelat-Therapie erhielten, bekamen 53 Deferoxamin, 47 Deferasirox, 14 Deferoxamin gefolgt von Deferasirox und 3 Deferiprone gefolgt von Deferoxamin.1

 

Die mediane Gesamtüberlebenszeit in der Eisenchelat-Therapie-Gruppe betrug 75 Monate vs. 49 Monate in der Supportivtherapie-Gruppe (p=0,002)1. Diese Ergebnisse belegen, dass eine Eisenchelat-Therapie das Gesamtüberleben polytransfundierter MDS-Patienten signifikant verlängern kann.

 

 

Über Eisenüberladung bei MDS-Patienten

 

MDS sind die häufigsten Knochenmarkserkrankungen bei älteren Menschen5. Die meisten Patienten benötigen im Verlauf ihrer MDS-Erkrankung Bluttransfusionen. Mit jeder Transfusionseinheit wird dem Körper rund das Hundertfache der täglich aus der Nahrung aufgenommenen Eisenmenge zugeführt. Da der menschliche Körper über keinen physiologischen Mechanismus zur Ausscheidung überschüssigen Eisens verfügt, ist die Folge eine Speicherung in Leber, Herz und endokrinen Organen. Eisenüberladung kann zu permanenten Schädigungen dieser Organe führen, was ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende gesundheitliche Probleme und einen vorzeitigen Tod zur Folge haben kann6. Bereits 20 Transfusionseinheiten können zu einer Eisenüberladung führen. Über eine mögliche Eisenüberladung geben eine Messung des Serumferritinspiegels und der Transferrinsättigung Aufschluss. Die aktuellen Therapieleitlinien der MDS-Foundation7 sehen eine Eisenchelat-Therapie für polytransfundierte MDS-Patienten der IPSS-Risikogruppen „low“ und „intermediate-1“ und den MDS-Typen RA, RARS und 5q- (nach WHO) vor, die einen Serumferritinwert von >1.000 ng/ml aufweisen und eine Lebenserwartung von mindestens einem Jahr haben7.

 

 

Literatur 

  1. Fox et al. Posterpräsentation, ASH 2009, New Orleans, USA, Poster #1747.
  2. Gattermann, Dtsch Arztebl Int. 2009, 106(30): 499-504.
  3. Sanz et al. Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2008, 112: Abstract #640.
  4. Rose et al. Blood (ASH Annual Meeting Abstracts) 2007, 110: Abstract #249.
  5. Aul et al. Int J Hematol. 2001, 73(4): 405-410.
  6. Cappellini et al. Chapter 5: Iron Overload. In: Guidelines for the Clinical Management of Thalassaemia:
  7. Thalassaemia International Federation 2000: 21-35.
  8. Bennett et al. Am J Hematol. 2008, 83(11): 858-861.

 


 

Quelle: Pressekonferenz der Firma Novartis zum Them „Eisenüberladung bei MDS: Verlängerung des Gesamtüberlebens durch Eisenchelat-Therapie“ am 26.02.2010 in Berlin (Hill and Knowlton) (tB).

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