Aktuelles von der 45. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN)

Mehr Sicherheit in der kardiologischen Diagnostik durch Myokardszintigrafie

 

Hannover (26. April 2007) ‑ Kardiovaskuläre Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in den westlichen Industrieländern. Im Jahr 2005 war die Herzerkrankung Angina pectoris die häufigste Hauptdiagnose für einen stationären Kankenhausaufenthalt. Die rechtzeitige Erkennung der koronaren Herzkrankheit (KHK) bestimmt Erkrankungsverlauf und Prognose entscheidend. Auf einer Pressekonferenz betonte Professor Rainer Zimmermann, Pforzheim, Sprecher der Arbeitsgruppe „Nuklearkardiologie" der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, dass die Myokardszintigrafie hier ein zuverlässiges Diagnoseverfahren biete. Sie ist ein gut evaluiertes, verbreitetes und sowohl von gesetzlichen als auch von privaten Krankenkassen erstattungsfähiges Verfahren in der nicht‑invasiven Diagnostik der KHK. In den vergangenen Jahren wurde es hinsichtlich methodischer Aspekte und klinischer Anwendungen bedeutsam weiterentwickelt. Die Myokardszintigrafie liefert neben einer individuellen Risikound Prognoseeinstufung auch evidenzbasierte Entscheidungshilfen für die Behandlungsstrategie hinsichtlich Risikofaktorbehandlung, medikamentöse Therapie und Revaskularisation.

 

Im Hinblick auf die Evidenz der aktuellen Studien- und Datenlage zu Prognose und Therapiemanagement hebe sich die Myokardszintigrafie von anderen nicht-invasiven Verfahren ab, so Zimmermann. Mit der Myokardszintigrafie, insbesondere mit der erweiterten EKG getriggerten (gated) SPECT (Single-Photon-Emissions-Tomografie), können innerhalb einer einzigen Untersuchung die Herzparameter Blutvolumen, Perfusion und Vitalität dargestellt und zusätzlich zuverlässige Aussagen zur Prognoseabschätzung getroffen werden. Bei Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung oder bei bekannter KHK liefert die Myokardszintigrafie wertvolle Beiträge. Ausdehnung und Schweregrad einer szintigrafisch nachgewiesenen Perfusionsstörung sind eng mit der Häufigkeit der Ereignisse Herztod und nichttödlicher Herzinfarkt verbunden.

 

Direkter Partner für die Nuklearmediziner ist der überweisende Hausarzt oder Facharzt. Eine enge Zusammenarbeit ermöglicht hier eine schnelle und vor allem eindeutige Befundung und erleichtert somit dem behandelnden Arzt die weitere Entscheidungsfindung. Die Ergebnisse der Myokardszintigrafie können unmittelbar in die Therapieplanung integriert werden. Insbesondere für den Patienten ist dies letztendlich Gewinn bringend. Liegen keine oder nur geringe Durchblutungsstörungen vor, ist tendenziell eine medikamentöse Therapie mit grundlegender Risikofaktorminimierung anzustreben. Erst bei Durchblutungsstörungen über 10‑12 % profitiert der Patient von gezielten Maßnahmen wie einer Ballonerweiterung mit Stent (Gefäßstütze) oder einer Bypass-OP. In einer repräsentativen Studie* erhielten insgesamt 10.647 Patienten wegen Verdachts auf eine koronare Herzerkrankung eine Myokardszinti­grafie. Von diesen 10.647 Patienten hatten 88 % Durchblutungsstörungen von unter 10‑12 %. Somit waren keine weiteren Interventionen notwendig. Lediglich bei 12 % der Patienten waren weiterführende Maßnahmen, wie z.B. eine Herzkatheterunter­suchung, erforderlich.

 

Insgesamt ist die Myokardszintigrafie aufgrund der breiten Verfügbarkeit, der akzep­tablen Kosten und der hohen Zuverlässigkeit ein Meilenstein in der kardiologischen Ischämiediagnostik und gewinnt daher weltweit zunehmend an Bedeutung. Obwohl kardiovaskuläre Erkrankungen bereits an der Spitze aller Todesursachen stehen, weisen aktuelle Untersuchungen darauf hin, dass Herzkrankheiten in den nächsten 20 Jahren in Europa und den USA sogar noch dramatisch ansteigen werden. Ziel sei es, diesem Trend entgegenzuwirken und den Einsatz der Myokardszintigrafie weiter auszubauen, schloss Zimmermann seinen Ausblick in die Zukunft.

 

* Hachamovitch et al., Comparison of the Short‑Term Survival Benefit Associated With Revascularization Compared With Medical Therapy in Patients With No Prior Coronary Artery Disease Undergoing Stress Myocardial Perfusion Single Photon Emission Computed Tomography. Circulation 2003; 107: 2900-2906.

 


Quelle: Presseroundtable zum Thema “Myokardszintigrafie auf dem Vormarsch: Status Quo und Ausblick 2007, anlässlich der 45 Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) am 26.04.2007 in Hannover (Ogilvy Healthworld).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung