Neuartiger Biochip soll Darmkrebs früher erkennen

 

Forschungskonsortium aus Lübeck, Jena, Heidelberg und der Industrie

 

Lübeck (8. Oktober 2008) – Die Universität zu Lübeck, das Universitätsklinikum Jena und das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg arbeiten gemeinsam mit Randox Laboratories GmbH an einer neuen Methode zur Früherkennung des Darmkrebses. Ein Biochip soll auf der Basis von zwölf Tumormarkern im Blut eine effiziente Ergänzung zu anderen Früherkennungsmaßnahmen wie beispielsweise der Darmspiegelung sein. Der Einsatz einer solch wirksamen Screening-Methode kann sowohl die Mortalität durch Darmkrebs als auch die Häufigkeit des Darmkarzinoms in der Bevölkerung senken und ist daher ein wichtiges Instrument im Kampf gegen das kolorektale Karzinom.

 

Der Dickdarmkrebs ist die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Jährlich werden 70.000 neue Fälle diagnostiziert. Trotz der zur Verfügung stehenden Screening-Verfahren wie der Untersuchung von okkultem Blut im Stuhl (FOB Test) oder der Spiegelung des Darms haben rund 70 Prozent der Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose bereits ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium erreicht.

Wichtig ist die Erkennung von Darmkrebs im Frühstadium deshalb, weil die Heilungschancen trotz der Anwendung von Operationen (Chirurgie), Strahlentherapie, Chemotherapie und humanen Antikörpern mit fortgeschrittenem Krankheitsstadium stark sinken. Für die Früherkennung eignet sich die Koloskopie in besonderem Maße, weil sie gleichzeitig die Möglichkeit bietet, Gewebeproben zu entnehmen oder Polypen direkt während des Eingriffs zu entfernen. Die Koloskopie erfordert allerdings eine Darmvorreinigung und ist als invasives Verfahren mit Risiken behaftet. Der FOB-Test als nicht-invasiver Test auf verdecktes Blut im Stuhl hingegen gilt als relativ unspezifisch.

Ideal wäre daher ein weniger aufwändiges, nicht-invasives, aber sehr zuverlässiges alternatives Screening-Verfahren. Die Wissenschaftler der vier Forschungs-institutionen entwickeln daher ein Screening-Verfahren, welches auf der Messung von zwölf spezifischen Tumormarkern im Blut mittels eines Biochips basiert. In einer Studie soll der neuartige Biochip entwickelt, erprobt und validiert werden, um eine weitere und sichere Alternative zu den bereits eingesetzten Verfahren in der Diagnostik und Vorsorge des Darmkrebses zu bieten. Das gemeinschaftliche Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,47 Millionen Euro über drei Jahre gefördert.

Mit diesem Projekt rundet die Lübecker Klinik für Chirurgie (Direktor: Prof. Dr. Hans-Peter Bruch) als Kompetenz- und Referenzzentrum für Koloproktologie ihre Forschungsausrichtung zum kolorektalen Karzinom ab. Die Projektkoordination liegt bei Dr. Dr. Jens K. Habermann, Leiter des Chirurgischen Forschungslabors an der Klinik für Chirurgie. Die Mitarbeiter des Projektes am Campus Lübeck sind Dr. Dr. Uwe J. Roblick, Dr. Britta Fritzsche, Dr. Elisabeth Oevermann, Dipl.-Biol. Stefanie Bünger, M.Sc. Timo Gemoll und Katja Klempt-Gießing.

Über die Universität zu Lübeck

Die Universität mit ihrem Labor für Chirurgische Forschung (Leitung: Dr. Dr. Jens K. Habermann) ist verantwortlich für die Koordinierung der Studie, die klinische Validierung der Früherkennungsmethode und für den Transfer der Biochip-Untersuchung in die klinische Praxis. Die Universität zu Lübeck wurde als Medizinische Akademie im Jahre 1964 gegründet und zeichnet sich durch hervorragende translationale Krebsforschung und akademische Lehre aus.

Über das Universitätsklinikum Jena in der Friedrich Schiller Universität (FSU)

Das Universitätsklinikum Jena mit der Abteilung Core Unit Chip Application (CUCA, Leitung: Priv. Doz. Dr. Ferdinand von Eggeling) ist für die klinische Validierung der Früherkennungsmethode und für den Transfer der Biochip-Untersuchung in die klinische Praxis zuständig. Die Friedrich Schiller Universität befindet sich in der Universitätsstadt Jena in Thüringen. Jena ist "Stadt der Wissenschaft 2008" und die FSU Jena feiert in diesem Jahr ihren 450. Geburtstag.

Über das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg

Das Zentrum mit seiner Abteilung für Klinische Epidemiologie und Alternsforschung (Leitung: Prof. Dr. Hermann Brenner) ist verantwortlich für die Bereitstellung von klinischen Proben und Daten aus einer großen Anzahl an erfassten Personen, sowie für die statistische Bewertung und Validierung der Biochip-Untersuchung. Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg beschäftigt sich mit der systematischen Untersuchung der Mechanismen der Krebsentstehung und der Identifizierung von Risikofaktoren im Hinblick auf die Entwicklung neuer Ansätze zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Krebs.

Über Randox Laboratories GmbH

Randox ist ein internationales Unternehmen, das Diagnostik entwickelt, produziert und die klinischen Diagnose-Produkte weltweit vertreibt. Randox ist der Industriepartner im Konsortium und ist verantwortlich für die Entwicklung des Biochips. Randox entwickelt und fertigt den Biochip zur Früherkennung von Darmkrebs, der auf der Messung spezifischer Tumormarker im Blut basiert.


 

Quelle: Pressemitteilung der Universität zu Lübeck vom 08.10.2008.

 

MEDICAL NEWS

New guidance to prevent the tragedy of unrecognized esophageal intubation
Overly restrictive salt intake may worsen outcomes for common form…
COVID-19 vaccines are estimated to have prevanented 20 million deaths…
Novel sleep education learning modules developed for nurse practitioners
Scientists discover how salt in tumours could help diagnose and…

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Menschen mit Diabetes während der Corona-Pandemie unterversorgt? Studie zeigt auffällige…
Suliqua® zur Therapieoptimierung bei unzureichender BOT
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Kaltplasma bei diabetischem Fußsyndrom wirkt via Wachstumsfaktoren
Typ-1-Diabetes: InRange – auf die Zeit im Zielbereich kommt es…

ERNÄHRUNG

Gesunde Ernährung: „Nicht das Salz und nicht das Fett verteufeln“
Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?

ONKOLOGIE

Nahrungsergänzungsmittel während der Krebstherapie: Es braucht mehr Bewusstsein für mögliche…
Fusobakterien und Krebs
Fortgeschrittenes Zervixkarzinom: Pembrolizumab verlängert Leben
Krebspatienten unter Immuntherapie: Kein Hinweis auf erhöhtes Risiko für schwere…
Aktuelle Kongressdaten zum metastasierten Mammakarzinom und kolorektalen Karzinom sowie Neues…

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Analysen aus Münster erhärten Verdacht gegen das Epstein-Barr-Virus
Aktuelle Daten zu Novartis Ofatumumab und Siponimod bestätigen Vorteil des…
Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…