Neue Daten zur Häufigkeit einer Vorstufe des Typ-2-Diabetes

Jede fünfte Frau mit Normalgewicht hat eine Insulinresistenz

 

Berlin (7. Februar 2011) – Mit zunehmendem Körpergewicht steigt das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Aber auch vor dem Auftreten einer diabetischen Stoffwechselstörung haben Übergewichtige signifikant häufiger eine Insulinresistenz, die eine Facette des sogenannten metabolisch-vaskulären Syndroms ist. An einer Insulinresistenz können aber auch normalgewichtige, anscheinend gesunde Menschen erkranken. Darauf weist die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) anlässlich einer kürzlich veröffentlichten Studie des Instituts für Präventive Medizin in Berlin hin.

 

Bereits bekannt ist, dass diese die Blutgefäße schädigen kann, und bei Betroffenen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Durch die Bestimmung von Blutzucker und Insulin in einem Glukosebelastungstest und die Berechnung spezieller Indizes ist die Insulinresistenz frühzeitig diagnostizierbar. Gesunde Ernährung sowie Bewegung können die Sensitivität der Körperzellen für Insulin wieder verbessern und somit das Risiko von Folgeerkrankungen verringern.

 

An der Studie beteiligten sich 289 normalgewichtige Frauen zwischen 17 und 56 Jahren, die keine Medikamente zu sich nahmen. An ihnen wurde ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) mit Messung der Blutzuckerwerte und des Insulins durchgeführt. Das Ergebnis: Keine Teilnehmerin hatte Typ-2-Diabetes, jedoch 22,5 Prozent eine Insulinresistenz. Bei dieser sind die Blutzuckerwerte auf nüchternen Magen nicht erhöht. Der Körper benötigt jedoch mehr Zeit, um nach einer Mahlzeit den Zucker zu verwerten. „Es ist noch genügend Insulin im Blut vorhanden“, erläutert PD Dr. med. Rainer Lundershausen, Pressesprecher der DDG. „Doch seine Wirkung an den glukoseverwertenden Zellen hat nachgelassen.“

 

Bereits bekannt ist, dass nicht nur Diabetes mellitus, sondern auch eine Insulinresistenz die Blutgefäße schädigen kann und sich das Risiko für Folgeerkrankungen erhöht: Dazu gehören insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Es ist deshalb sinnvoll, diese Vorstufe des Typ-2-Diabetes frühzeitig zu erkennen und mit einer Ernährungsumstellung sowie ausreichend Bewegung die Folgen zu verhindern, so die DDG.

 

Die Ergebnisse belegen, dass  – neben dem Übergewicht – auch andere Risikofaktoren für eine Insulinresistenz eine wichtige Rolle spielen: Bei den normal gewichtigen Frauen könnten die genetische Veranlagung, ein Schwangerschaftsdiabetes der Mutter, ein niedriges Geburtsgewicht oder hormonelle Faktoren die Insulinresistenz verursacht haben, vermuten die Autoren. Auch das Alter spielt eine Rolle: Die über 50-Jährigen hatten in der Untersuchung häufiger eine Insulinresistenz als die unter 50-Jährigen.

 

Gewissheit gibt ein oGTT mit Glukose- und Insulinbestimmung. Die aktuellen Erkenntnisse zeigen, dass bei entsprechender Prädisposition dieser Test unabhängig von Körpergewicht und Alter sinnvoll sein kann.

 

 

Quellen

 

  • L. Moltz, R. W. Holl
    Primäre und sekundäre Insulinresistenz:
    Konzentrationen von Glukose und Insulin bei normgewichtigen, anscheinend gesunden Probandinnen
    Diabetologie 2010; 5: 372-378
    DOI 10.1055/s-0030-1262712

 

  • L. Moltz, R. W. Holl
    Primäre und sekundäre Insulinresistenz
    Konzentrationen von Glukose und Insulin bei übergewichtigen bzw. adipösen Patientinnen
    Diabetologie 2010; 5: 379-385
    DOI 10.1055/s-0030-1262713

 

 


Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), 07.02.2011 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung