Neuer Typ-II-Antikörper GA101 erzielt eindrucksvollen Therapieerfolg bei typischen CLL-Patienten

 

Grenzach-Wyhlen (15. Januar 2014) – Mit GA101 (Obinutuzumab) erreicht erstmals ein neuer Typ-II-Anti-CD20-Antikörper eine signifikante Überlegenheit gegenüber MabThera (Rituximab). In der multizentrischen Phase III-Studie CLL11 führte die Gabe von GA101 in Kombination mit Chlorambucil in der Erstlinientherapie bei typischen, d. h. älteren und komorbiden Patienten mit chronisch-lymphatischer Leukämie (CLL), zu einem um 61% reduzierten Risiko für Krankheitsprogression oder Tod gegenüber der Kombination von MabThera, dem bisherigen Therapiestandard für B-Zell-Lymphome, und Chlorambucil. Präsentiert wurden die Daten der CLL11-Studie in der Plenary Scientific Session der 55. Jahres-tagung der American Society of Hematology (ASH), die Anfang Dezember 2013 in New Orleans stattfand [1].

 

In der von Roche und der Deutschen CLL-Studiengruppe (DCLLSG) durchgeführten CLL11-Studie konnte durch GA101 in Kombination mit Chlorambucil erstmals das progressionsfreie Überleben (PFS) im direkten Head-to-Head-Vergleich gegenüber MabThera und Chlorambucil signifikant verlängert werden. Die von Dr. Valentin Goede, Leiter der klinischen Prüfung, Universitätsklinik Köln, vorgestellten Ergebnisse der Stage-II-Analyse dokumentieren eindrucksvoll, dass typische CLL-Patienten unter GA101 plus Chlorambucil um nahezu ein Jahr länger ohne Progression blieben (26,7 vs. 15,2 Monate; Hazard Ratio = 0,39; 95%-Konfidenzintervall 0,31-0,49; p < 0,0001). Die Rate an Komplettremissionen war im GA101-Arm verglichen mit dem MabThera-Arm drei Mal so hoch (21% im Vergleich zu 7%). Auch die Gesamtansprechrate war unter der Chemoimmuntherapie mit GA101 deutlich höher (78% vs. 65%).


Herausragende Remissionsqualität

Wie die Bestimmung der minimalen Resterkrankung (MRD) belegt, wurde durch die Behandlung mit GA101 eine herausragende Qualität des Ansprechens erzielt. Der MRD-Status gilt als unabhängiger Prädiktor für progressionsfreies und Gesamtüberleben (OS). „Am Ende der Behandlung hatten im GA101-Arm verglichen mit Rituximab mehr als zehnmal so viele Patienten im Blut einen MRD-negativen Status erreicht, d.h. bei diesen Patienten konnte auch mit hochempfindlichen Messmethoden im Blut keine Erkrankung mehr nachgewiesen werden“, erklärte Dr. Valentin Goede, DCLLSG, der die Daten in der Plenary Scientific Session präsentierte. „Der neue Typ-II-Antikörper GA101 bewirkt also nicht nur signifikant mehr klinische Remissionen, sondern verbessert auch effektiv deren Qualität.“

Die Ergebnisse der CLL11-Studie schließen laut Goede eine wesentliche Datenlücke zur CLL-Therapie: Sie zeigen, dass auch unbehandelte ältere, komorbide Patienten von einer Chemoimmuntherapie profitieren. Für diese stand bislang lediglich die Chemotherapie mit dem Zytostatikum Chlorambucil zur Verfügung. „GA101 plus Chlorambucil bedeutet nach den Ergebnissen der CLL11-Studie eine signifikante Verbesserung der Therapie für diese typische Gruppe von CLL-Patienten, deren Wirksamkeit die von Rituximab plus Chlorambucil deutlich übertrifft“, so Goede.


Gute Verträglichkeit von GA101

GA101 zeigte auch bei älteren und komorbiden Patienten ein gutes Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil. Die häufigsten Nebenwirkungen unter der Behandlung waren Neutropenien und infusionsbedingte Reaktionen vom Grad 3-4, die aber nur während der ersten Infusion auftraten und vermutlich als Hinweis der außerordentlichen Wirksamkeit der Therapie gewertet werden können. Der Grund dafür könne in der schnellen Zerstörung vieler Tumorzellen durch GA101 liegen, durch die eine Zytokin-Freisetzung ausgelöst werde, so Dr. Goede.


Update Stage-I-Analyse

Eine Aktualisierung der Ergebnisse der Stage-Ia-Analyse ergab eine signifikante Verlängerung nicht nur des progressionsfreien, sondern bereits jetzt sogar des Gesamtüberlebens unter der Kombination aus GA101 und Chemotherapie im Vergleich zu Chlorambucil alleine (Hazard Ratio = 0,41; 95%-KI 0,23-0,74; p = 0,002). Die Medianwerte des Gesamtüberlebens wurden – aufgrund der medianen Beobachtungsdauer von 23 Monaten – noch nicht erreicht.


CLL11-Studie

Die in Zusammenarbeit mit der Deutschen CLL-Studiengruppe (DCLLSG) durchgeführte Phase III-Studie CLL11 prüft, ob auch Patienten mit unbehandelter chronisch-lymphatischer Leukämie (CLL) und ausgeprägten Komorbiditäten von der Therapie mit MabThera oder dem neuen Anti-CD20-Antikörper GA101 (Obinutuzumab) profitieren. In der dreiarmigen Studie erhielt ein Teil der Patienten das Chemotherapeutikum Chlorambucil alleine, bei den übrigen wurde es entweder mit MabThera oder dem neuen Typ-II-Anti-CD20-Antikörper GA101 kombiniert. Primärer Endpunkt der Phase-III-Studie war das PFS, zentrale sekundäre Endpunkte waren die Gesamtansprechrate (ORR), das Gesamtüberleben und die MRD-freien Remissionsraten. In die Stage-II-Analyse waren 663 Patienten eingeschlossen, davon hatten 333 GA101 und Chlorambucil und 330 MabThera und Chlorambucil erhalten.


Über GA101

GA101 ist ein neuer monoklonaler Typ-II-Anti-CD20-Antikörper, dessen Zuckeranteil durch Glycoengineering modifiziert wurde, um die Wechselwirkung zwischen dem Antikörper und den körpereigenen Immunzellen zu verbessern. GA101 tötet einerseits die CD20-positiven Krebszellen direkt ab und stimuliert andererseits das Immunsystem effektiv zu ihrer Bekämpfung. Der neue Typ-II-Antikörper wird derzeit in einem breiten Studienprogramm im direkten Vergleich mit dem bisherigen Therapiestandard MabThera geprüft – neben der CLL auch bei indolenten Non-Hodgkin-Lymphomen (iNHL) und dem diffus-großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL).

Als weltweit erstes Medikament wurde von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) GA101 der Status eines „Therapiedurchbruchs“ („Breakthrough Therapy Designation“) zugesprochen. Der Antikörper wurde daher in den USA in einem beschleunigten Verfahren für Patienten mit nicht vorbehandelter CLL zugelassen. Auf Basis der CLL11-Studie wurde außerdem bereits die Zulassung bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA (European Medicines Agency) beantragt.


Quelle

 

  1. Goede V et al., DOI: 10.1056/NEJMoa1313984.
    http://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMoa1313984

 


Quelle: Roche Pharma, 15.01.2014 (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung