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Aktuelle EORTC Guidelines zu G‑CSF und die Bedeutung für die Praxis

 

Von PD Dr. med. Marcel Reiser,

Klinik I für Innere Medizin, Klinikum der Universität zu Köln

 

München (4. Juli 2007) – Seit Jahren werden Granulozyten‑Kolonien stimulierende Wachstumsfaktoren (G‑CSF) zur Vermeidung Chemotherapie‑induzierter febriler Neutropenien (FN) während der Therapie hämatologisch‑onkologischer Neoplasien eingesetzt. Die FN ist eine schwerwiegende Komplikationen bei Tumorerkrankungen, die häufig Dosisreduktionen und Zyklusverschiebungen der Chemotherapie verursacht, was sich negativ auf den Gesamtverlauf und das Therapieergebnis auswirken kann.

 

Die Vielzahl an publizierten Daten zum Einsatz von G‑CSF wird dabei regelmäßig bewertet und die Erkenntnisse als Konsensusempfehlungen zum Einsatz in der Praxis publiziert. Für G‑CSF liegen jetzt neben einer amerikanischen Empfehlung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) eine neue bzw. aktualisierte Empfehlung der European Organization for Research an Treatment of Cancer (EORTC) vor. (Aapro MS, et al: Eur J Cancer 2006; 42:2433‑2453)

 

Die Autoren empfehlen hierin ab dem ersten Zyklus einer Chemotherapie zur Primärprophylaxe der FN eine Gabe von G‑CSF bereits bei einer erwarteten Rate an FN von > 20 % (die ASCO-Guidelines von 2002 hatten noch > 40 % als Grenze festgelegt). Bei einem Risiko für eine FN von 10‑20 % sollte eine G‑CSF ‑ Gabe bei Vorliegen zusätzlicher Risikofaktoren, wie Alter > 65 Jahre, FN in der Anamnese, reduzierter Allgemeinzustand, Anämie sowie Leber‑, Nieren‑ und Herzkreislauferkrankungen erwogen werden. Bei einem Risiko für eine FN < 10 % ist eine Primärprophylaxe mit G‑CSF nicht indiziert.

Es sollte jedoch bei nachfolgenden Zyklen eine Re‑Evaluation des G‑CSF Einsatzes zu Beginn jedes neuen Zyklus erfolgen.

 

Zum therapeutischen Einsatz bei soliden Tumoren und FN sollte G‑CSF dagegen nur in speziellen Situationen (fehlendes Ansprechen auf antibiotische Therapie und bei lebensbedrohenden Infektionen) kommen.

 

Die EORTC Guidelines empfehlen darüber hinaus den Einsatz von G‑CSF bei Patienten mit so genannten dosisdichten oder dosisintensivierten Chemotherapien. Hier muss eine G‑CSF ‑ Gabe routinemäßig in jedem Zyklus erfolgen, um die vorgesehen Therapieintervalle einzuhalten.

 


 

Quelle: 9. Müchener Fachpresseworkshop zum Thema „Supportivtherapie in der Onkologie – Unverzichtbarer Bestandteil in der modernen Tumortherapie“ am 04.07.2007 (POMME-med).

 

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