Die steigende Prävalenz von chronischen Nierenerkrankungen wird gesundheitsökonomisch zu einem wachsenden Problem


Prof. Dr. G. London, Präsident der ERA-EDTA

 

München (25. Juni 2010) – The ERA-EDTA (European Renal Association – European Dialysis and Transplant Association) ist eine an Mitgliedern wachsende medizinische Fachgesellschaft, deren Ziel es ist, Fortschritte in den Bereichen klinische Nephrologie, Dialyse- und Transplantationsmedizin und benachbarter Fachgebiete zu forcieren und bekannt zu machen. Im Moment zählt diese nephrologische Fachgesellschaft 4.339 Vollmitglieder und 1.187 assoziierten Mitgliedern (Stand Januar 2010). Deutschland ist mit 437 Mitgliedern besonders gut vertreten, aber auch Polen mit 351, Griechenland mit 314 und UK mit 299 Mitgliedern sind in der Fachgesellschaft stark repräsentiert.

 

Die Nephrologie ist noch immer eins in seiner Bedeutung unterschätztes Fach. Dabei werden immer mehr Menschen mit der Diagnose CKD konfrontiert und die steigende Inzidenz und Prävalenz stellt die europäischen Länder auch in gesundheitsökonomischer Hinsicht vor eine große Herausforderung. Wie sehr die Zahl von nierenkranken Patienten, die einer Nierenersatztherapie bedürfen ansteigt, zeigt das ERA-EDTA Register. Dieses Register fasst die nationalen Register zusammen und gibt so ein umfassendes Bild über die Nierenersatztherapie in Europa und ermöglicht auch Vergleiche zwischen den Ländern hinsichtlich Inzidenz, Prävalenz oder Einsatz verschiedener Dialyseverfahren bzw. Transplantation. Leider führt nicht jedes europäische Land ein Nierenregister, besonders bedauern wir, dass Deutschland seit 2007 keine Daten mehr erfasst.

 

Um den Anstieg der Prävalenz und Inzidenz zu illustrieren, möchte ich ein paar wenige Zahlen des 5-Jahres-Vergleichs zwischen 2007 (das sind derzeit die jüngsten publizierten Daten, die Daten von 2008 werden in Kürze erwartet) und 2002.

 

Die Inzidenz ist in den meisten Ländern innerhalb dieser fünf Jahre1 gestiegen, wie die adjustierte Inzidenzrate pmp (pro million population) folgender Beispiele zeigt.

 

Österreich

2002: 131,2 pmp

2007: 145,8 pmp

 

Griechenland

2002: 152,6 pmp

2007: 163,5 pmp

 

Niederlande

2002: 107,7 pmp

2007: 117,0 pmp

 

UK

2002: 96,7 pmp

2007: 108,1 pmp

 

Interessanterweise gibt es aber auch Länder, in denen die Inzidenz-Rate stagniert bzw. sogar leicht gesunken ist, wie z.B. Island (2002: 90,1 pmp; 2007: 83,6 pmp) oder Finnland. Hier muss analysiert werden, welche strukturellen Maßnahmen zu diesem erfreulichen Effekt geführt haben (z.B. Screenings, Disease Management Programme, präventionsfördernde Maßnahmen wie Kampagnen, Anstieg der Transplantationen etc.). Diese erfreuliche Trend in den genannten Ländern führte aber dennoch nicht zur Entspannung der Lage: Die Prävalenz ist dort dennoch gestiegen (Finnland: 3302 vs. 3943, Island 126 vs. 159). Grundsätzlich ist das ein gutes Zeichen für die Nephrologie, denn es bedeutet auch, dass die Menschen an der Dialyse länger überleben.

 

Aber auch das trägt zu einem gesundheitsökonomischen Problem bei: Die Prävalenz ist in allen Ländern deutlich gestiegen. Der sprunghafte Anstieg – allein in den fünf Jahren zwischen 2002 und 2007 – wird in jedem europäischen Land sichtbar, siehe Beispiele anbei:

 

  • Österreich: 6.300 vs. 7.738: Anstieg ca. 22 %
  • Belgien (Flandern): 5.279 vs. 6.586: Anstieg ca. 24%
  • Dänemark: 3.820 vs. 4.511: Anstieg ca. 18%
  • Schweden: 6.777 vs. 7.969: Anstieg ca. 17,5%
  • Niederlande: 10.618 vs. 13.163: Anstieg ca. 24%
  • England und Wales: 22.697 vs. 40.694: Anstieg ca. 80%

 

Die steigende Prävalenz von chronischen Nierenerkrankungen wird auch gesundheitsökonomisch zu einem wachsenden Problem. Die Jahreskosten, die für einen Dialysepatienten in Europa anfallen, werden auf ca. 50-60.000 € geschätzt.

 

Die einzigen Möglichkeiten, die Dialysepopulation zu reduzieren oder zumindest dauerhaft konstant zu halten, liegt unser Erachten darin, die Transplantation zu fördern und die Früherkennung von chronischen Nierenerkrankungen zu verbessern. Besonders in der Früherkennung sehen wir ein großes Potenzial, da bei einer rechtzeitig diagnostizierten CKD das Fortschreiten der Erkrankung verhindert bzw. zumindest verlangsamt werden kann. Die europäischen Gesellschaften unternehmen daher große Anstrengungen in der CKD-Prävention.

 

 

Anmerkung

 

 


 

Quelle: XLVII ERA-EDTA Congress – DGfN Congress, München, 25.06.2010 (albersconcept) (tB).

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