MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

Frühe Kriterien für den schweren  Morbus Crohn

 

Von Prof. Dr. med. Andreas Stallmach

 

Berlin (2. Oktober 2008) – Der Verlauf beim Morbus Crohn ist in der Regel durch den Wechsel zwischen Phasen mit hoher Krankheitsaktivität und Phasen der Remission gekennzeichnet. Das klinische Spektrum reicht dabei von leichten Beschwerden (z. B. wenige breiige Stuhlentleerungen) bis hin zum fulminanten Schub mit vitaler Bedrohung. Ca. 50 % der Patienten mit Morbus Crohn müssen wegen ihrer Erkrankung nie mit systemisch-wirkenden Steroiden behandelt werden (1). Verlaufsuntersuchungen zeigen, dass bei einem Großteil der Patienten der Krankheitsverlauf relativ „benigne“ ist und nur selten Rezidive auftreten (2). Bei diesen Patienten reicht es, beim Auftreten eines akuten Schubes eine symptom-orientierte Basistherapie einzuleiten; langfristige Behandlungsstrategien sind entbehrlich. Wir wissen aber auch, dass bei einer anderen Gruppe von Patienten mit Morbus Crohn, insbesondere jungen Patienten, die im akuten Schub mit Steroiden behandelt werden müssen, einen ungünstigen Verlauf aufweisen. Bei diesen Patienten mit kompliziertem Morbus Crohn bestehen zwei Probleme: zum Einen muss im akuten Schub eine effektive Behandlung zum raschen Erreichen einer Remission gefunden werden, zum Anderen sollte eine effektive Rezidivprophylaxe den Rückfall langfristig verhindern. Wie erkennen wir nun diese Patienten frühzeitig? Gibt es sichere prädiktive Parameter für den individuellen Verlauf?

 

Grundsätzlich ist es von klinischer Bedeutung, dass das Ergebnis eines potentiellen prädiktiven Testes zeitnah zur Verfügung steht, objektivierbar ist und in die klinische Entscheidung eingehen kann. Auch ist wichtig, dass eine klare Differenzierung zwischen den beiden Gruppen „Ansprechen“ bzw. „Nicht-Ansprechen“ möglich ist. Weiterhin berücksichtigt ein effektives Patienten-, aber auch Ressourcen-orientiertes Management den Schweregrad des akuten Schubes, die Wahrscheinlichkeit des Ansprechens auf die gewählte Therapieform sowie deren potentielle Nebenwirkungen und Kosten. Die Notwendigkeit für prädiktive Parameter, die das Ansprechen auf die gewählte Therapieform sensitiv und spezifisch vorhersagen, ergibt sich insbesondere bei Therapieformen, die nur im begrenzten Umfang eine Remission induzieren, aber mit hohen Kosten und/oder potentiellen Nebenwirkungen verbunden sind.

 

Einfache klinische Parameter können Aussagen über das Nichtansprechen auf eine Therapie, z. B. auf Steroide (die so genannte Steroidrefraktärität), ermöglichen: so sind ein Zustand nach Resektionsoperation, ein perianaler Befall oder eine hohe Krankheitsaktivität als prädiktiver Parameter zu verstehen (3). Die Notwendigkeit für eine Prognoseabschätzung ergibt sich bei den „Biologicals“. So ist das Ansprechen auf eine Anti-TNFα-Therapie aufgrund klinischer, serologischer, immunologischer oder genetischer Befunde in verschiedenen Untersuchungen geprüft worden. Patienten mit einem erhöhten CRP-Wert haben eine deutlich höhere Ansprechrate auf eine Anti-TNF-Therapie als Patienten mit niedrigen oder normalen Werten (4). Andere serologische Marker wie z.B. p-ANCA, ASCA oder TNF-Genpolymorphismen ermöglichen keine Vorhersage des individuellen Ansprechens auf die Therapie (5). Untersuchungen zur Höhe der TNF-Transkripte in der entzündlich veränderten Darmmukosa sind hoch prädiktiv für das Ansprechen auf eine Therapie mit Infliximab und auch pathophysiologisch interessant; werden sich aber im klinischen Alltag nicht durchsetzen (6). Klinisch relevanter sind unter Umständen Ergebnisse aus Untersuchungen genetischer Veränderungen von Apoptose-regulierenden Genen (SNPs), die mit einfachen klinischen Parametern kombiniert und in eine prädiktive Modellrechnung eingebracht werden. Hier können Patienten mit einer niedrigen Wahrscheinlichkeit des Ansprechens (<20 % Remissionswahrscheinlichkeit) von Patienten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit des Ansprechens (>80 % Remissionswahrscheinlichkeit) differenziert werden (7).

 

Literatur

1.         Faubion et al., Gastroenterology. 2001; 121: 255-60

2.         Wolters et al., Gut 2006; 55: 1124-30

3.         Gelbmann et al., Am J Gastroenterol. 2002; 97: 1438-45

4.         Louis et al., Scand J Gastroenterol. 2002; 37:818-24

5.         Taylor et al., Gastroenterology. 2001;120: 1347-55

6.         Schmidt et al., Inflamm Bowel Dis. 2007; 13: 65-70

7.         Hlavaty et al., Inflamm Bowel Dis. 2007; 13: 372-9

 

 

Referent

Prof. Dr. med. Andreas Stallmach

Direktor der Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie,

Klinik für Innere Medizin II,

Universitätsklinikum der Friedrich-Schiller Universität Jena

 


 

Quelle: Pressegespräch der Firma Abbott Immunology im Rahmen der 63. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten zum Thema „Versorgung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) in Deutschland – Wo stehen wir?“ am 02.10.2008 in Berlin (Weber Shandwick).

MEDICAL NEWS

Perinatal patients, nurses explain how hospital pandemic policies failed them
Johns Hopkins Medicine expert creates comprehensive guide to new diabetes…
An amyloid link between Parkinson’s disease and melanoma
Ultrasensitive, rapid diagnostic detects Ebola earlier than gold standard test
Paranoia therapy app SlowMo helps people ‘slow down’ and manage…

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…
Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…
Neue Studie will Entstehung von Typ-1-Diabetes bei Kindern verhindern
Toujeo®: Ein Beitrag zu mehr Sicherheit für Menschen mit Typ-1-Diabetes
Diabeloops Ziel: Baldige Marktpräsenz mit ​individuellen Lösungen zum Diabetes-Management für​ verschiedene…

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie
Wie neuartige Erreger die Entstehung von Darmkrebs verursachen können
Onkologische Pflegekräfte entwickeln Hörspiel für Kinder: Abenteuer mit Alfons
Krebsüberleben hängt von der Adresse ab

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung
Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose
Multiple Sklerose: Immuntherapie erhöht nicht das Risiko für schweren COVID-19-Verlauf
Empfehlung zur Corona-Impfung bei Multipler Sklerose (MS)
Fallstudie: Beeinflusst SARS-CoV-2 Infektion die Multiple Sklerose?

PARKINSON

Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit
Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…