MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

Angststörung als häufige Komorbidität bei Epilepsie

 

Von Prof. Dr. med. Bernd Pohlmann-Eden

 

Basel, Schweiz (18. Mai 2007) – Psychische Störungen bei Epilepsie werden in bis zu zwei Dritteln aller Epilepsiepatienten gesehen und sind meist das Ergebnis oder Spiegelbild eines „Mosaiks" ätiologischer Faktoren (Anfaliskorrelat, Grunderkrankung, Medikamentennebenwirkung, psychosoziales Reaktionsmuster).

Angststörungen sind neben Depressionen und Psychosen die häufigsten psychischen Auffälligkeiten bei Menschen mit Epilepsieerkrankungen. Sie sind etwa zweimal so häufig wie in der Normalbevölkerung (15 – 25 %) und werden in ihrer Prävalenz wohl noch unterschätzt, da sie oft maskiert und / oder somatisiert sind und der Arzt oft nicht dafür sensibilisiert ist.

 

In Bezug auf eine Anfallsassoziation werden idealtypisch die Subgruppen „Iktale Angst", „Periiktale Angst" und „Interiktale Angst" differenziert. Iktale Angst wird besonders bei Temporallappenepilepsien beobachtet, vor allem wenn diese rechtsseitig generiert werden, pharmakoresistent und chronisch sind und die Amygdala mitbetroffen ist. Sensititive strukturelle MRT-Untersuchungen sind frühzeitig in der Differentialdiagnose einzusetzen, da „iktale Angst" erscheinungsbildlich von nichtepileptischen Panikattacken oft nicht klar zu differenzieren (massives Panikgefühl, Herzjagen, Schwitzen, etc.) ist. Neurobiologisch wird der Amygdala eine zentrale Rolle bei der Angstentstehung zugeschrieben: Die Amygdala hat eine hohe Konnektivität zu Nachbarstrukturen wie dem limbischen System, Hypothalamus, Hirnstamm und den Basalganglien, deren funktionelle Einbeziehung sich durch affektive, autonome, kognitive und endokrine Komponenten der „Angst“ äußert (Beyenburg und Schmidt, 2005). Aktuelle Bildgebungsstudien bemühen sich mittels funktioneller MRT unterschiedliche Netzwerkprozesse für ätiologisch abgegrenzte Angststörungen (z.B. Panikattacke versus iktale Angst) zu identifizieren.

 

Die bio- und neurochemische „Verwandtschaft" der Störungen Angst und Epilepsie mit gemeinsamen Zielpunkten und Botenstoffen (GABAA-Rezeptoren, Serotonin, Noradrenalin) wird therapeutisch genutzt: So kommen unter den Antidepressiva vor allem selektive Serotonin- (und Noradrenalin-), Reuptake‑Hemmer zum Einsatz. Zusätzlich zeichnet sich ab, dass Antiepileptika, die über GABA-Rezeptoren ihre Wirkung entfalten, gleichfalls deutliche anxiolytische Effekte haben; hier ist vor allem das Antiepileptikum Pregabaiin zu nennen, das sich in großen doppelblinden, plazebokontrollierten Studien als wirksam sowohl gegen generalisierte Angststörung, wie auch soziale Phobien erwiesen hat.

 

Literatur

Beyenburg S., Schmidt D., Epitepsiepatienten mit Angsterkrankungen. Nervenarzt 2005; 76: 1077‑1091

 


Quelle: Symposium der Firma Pfizer zum Thema „Komorbiditäten in der Epilepsie – Aus der Praxis für die Praxis“ am 18.05.2007 in Basel (MCG – Medical Consulting Group).

 

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Aktuelle Versorgungssituation der Opioidtherapie im Fokus
Individuelle Schmerztherapie mit Opioiden: Patienten im Mittelpunkt
Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…

DIABETES

Suliqua®: Überlegene HbA1c-Senkung  im Vergleich zu Mischinsulinanalogon
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern

ERNÄHRUNG

Mangelernährung gefährdet den Behandlungserfolg — DGEM: Ernährungsscreening sollte zur klinischen…
Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen

ONKOLOGIE

WHO veröffentlicht erste Klassifikation von Tumoren im Kindesalter
Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose durch das Epstein-Barr-Virus – kommt die MS-Impfung?
Neuer Therapieansatz für Multiple Sklerose und Alzheimer
„Ich messe meine Multiple Sklerose selbst!“ – Digitales Selbstmonitoring der…
Stellungnahme zur 3. Impfung gegen SARS-CoV2 bei Personen mit MS
NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen

PARKINSON

Alexa, bekomme ich Parkinson?
Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…