Hypertriglyceridämie und Atherosklerose von der Pathophysiologie zur Therapie

 

Von Prof. Dr. med. Klaus G. Parhofer, München

 

Mannheim (18. April 2009) – Fettstoffwechselstörungen spielen bei der Initiierung und Unterhaltung des Atheroskleroseprozesses eine zentrale Rolle. Lange Zeit fokussierte dabei das pathophysiologische aber auch therapeutische Interesse auf dem LDL‑Partikel, bzw. dem LDL‑Cholesterin. In den vergangenen Jahren rückten jedoch weitere Lipidfraktionen (Triglyceride, HDL‑Cholesterin, Lipoprotein(a)) ins Zentrum des Interesses. So konnte gezeigt werden, dass erhöhte Triglyceridwerte einen unabhängigen kardiovaskulären Risikofaktor darstellen (relatives Risiko 1,7). Den meisten Hypertriglyceridämien, vor allem im Rahmen des Metabolischen Syndroms und bei Typ 2 Diabetes, liegt eine vermehrte Produktion triglyceridreicher Lipoproteine aus der Leber zugrunde.

 

Diese vermehrte Produktion triglyceridreicher Lipoproteine ist eng an einen beschleunigten Abbau von HDL‑Partikeln gekoppelt, woraus sich erklärt, warum Hypertriglyceridämien sehr häufig mit erniedrigtem HDL‑Cholesterinspiegel vergesellschaftet sind. Weiterhin sind erhöhte Triglyceridspiegel oft mit Veränderungen im LDL‑Stoffwechsel verknüpft, so dass bei Patienten mit Hypertriglyceridämie kleine, dichte, also besonders atherogene LDL‑Partikel vorherrschen. Therapeutisch steht allerdings auch bei diesen Patienten das LDL‑Cholesterin im Vordergrund, wenn es um die Prävention/Behandlung der Atherosklerose geht. Allerdings erscheint es sinnvoll, über spezifische Maßnahmen auch die erhöhten Triglyceride anzugehen. Hierbei spielen Lebensstilmaßnahmen (Vermeidung von Alkohol, Reduktion schnell verstoffwechselbarer Kohlenhydrate, Steigerung der körperlichen Aktivität) eine zentrale Rolle.

 

An medikamentösen Maßnahmen kommen hochkonzentrierte Omega 3Fettsäuren, Fibrate und Niacin in Betracht. So zeigen neue Studien, dass hochkonzentrierte Omega 3‑Fettsäuren auch in der Kombination mit Statinen eine sichere und effektive Therapieoption zur Triglyceridsenkung sind und die Triglyceride bei Simvastatin‑vorbehandelten Patienten um ca. 30 % absenken können. Ob und gegebenenfalls welche medikamentöse Strategie bei Patienten mit Hypertriglyceridämie zum Einsatz kommen soll, muss individuell entschieden werden. Es gibt aber vielversprechende Daten, dass eine konsequente Behandlung dieser Dyslipoproteinämie zu einer Risikoreduktion führt. Dies ist insbesondere unter dem Gesichtspunkt wichtig, dass auch durch eine sehr starke LDL‑senkende Therapie das relative Risiko allenfalls um 40‑50 % reduziert werden kann.

 


 

Quelle: Symposium der Firma Trommsdorff anlässlich des Deutschen Kardiologenkongresses 2009 zum Thema „Klinische Bedeutung von hochdosierten Omega-3-Fettsäuren in der Behandlung atherogener Hypertriglyceridämien un in der Sekundärprävention nach Herzinfarkt und Herzinsuffizienz“ am 18.04.2009 in Mannheim (Medical Consulting Group-MCG).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung