Neue Fixkombination Telmisartan + Amlodipin: Mehr als die Summe zweier Blutdrucksenker?“

Prof. Dr. med. Peter Trenkwalder

Frankfurt am Main (9. September 2010) – Bluthochdrucktherapie: Worauf es in der Praxis ankommt Da ein Großteil der Hypertoniker eine Kombinationstherapie benötigt, um den gewünschten Zielblutdruck zu erreichen, bieten sich Fixkombinationen aus zwei Wirkstoffen an. Bei geringerer Dosierung der Einzelwirkstoffe ermöglichen sie – bei einmal täglicher Einnahme – eine effektivere Blutdruckkontrolle als Monotherapien.

Die im Jahr 2009 neubewerteten Leitlinien der ESH (European Society of Hypertension) sehen den primären Einsatz der Kombinationstherapie dementsprechend bei Patienten mit hohem oder sehr hohem kardiovaskulärem Risiko. Dazu zählen Patienten mit Diabetes Typ II, Niereninsuffizienz und auch Patienten mit schwerer Hypertonie Grad 2 oder 3 (≥ 160/100 mmHg) [1].

Um den Blutdruck bei diesen Patienten zu normalisieren, bedarf es Wirkstoffe mit hohem antihypertensiven Potenzial. Eine der stärksten Blutdrucksenkungen, die bisher in Studien gezeigt wurden, wird durch eine Kombination aus Telmisartan und Amlodipin erreicht. Die Kombination reduziert den systolischen Blutdruck bei schwerer Hypertonie im Durchschnitt um annähernd 50 mmHg [2]. Dabei zeichnet sich die Kombination auch durch hohe Responderraten aus: 82,7 Prozent der Patienten erreichten damit ihr 24-h-Blutdruck-Ziel – im Vergleich zu 37,9 Prozent der Patienten mit Amlodipin-Monotherapie [3].

Hinzu kommt die sehr gute Verträglichkeit der Kombination aus Telmisartan und Amlodipin. Die Nebenwirkungsrate von Telmisartan bewegt sich auf Placebo-Niveau [4]. Ein Problem der Amlodipin-Monotherapie, vor allem in der Dosierung 10 mg, ist das gehäufte Auftreten von peripheren Ödemen. Durch einen synergistischen Wirkmechanismus kommt es in der Kombination mit Telmisartan zu einer deutlichen Reduktion von peripheren Ödemen gegenüber Amlodipin alleine: Unter Telmisartan 40 bis 80 mg plus Amlodipin 5 mg zeigte sich eine Reduktion von 17,8 Prozent auf 1,7 Prozent und unter Telmisartan 40 bis 80 mg plus Amlodipin 10 mg auf 5,2 Prozent [5].

Neben dem Auftreten von Nebenwirkungen können eine hohe Tablettenzahl, ein kompliziertes Therapieschema und eine lange Therapiedauer die Compliance negativ beeinflussen. Auch die Europäische Kardiologie-Gesellschaft (ESC) hat das Problem erkannt und empfiehlt nun, wegen der Compliance-fördernden Wirkung Fixkombinationen einzusetzen, wann immer dies möglich ist.

Bluthochdruck geht mit einer hohen kardio- und zerebrovaskulären Komplikationsrate einher – Bluthochdrucktherapie ist damit immer auch kardiovaskuläre Protektion. Der typische hypertone Patient weist zusätzlich zum Bluthochdruck meist weitere Risikofaktoren und häufig Begleiterkrankungen (Diabetes Typ II, Niereninsuffizienz) auf, die sein individuelles kardiovaskuläres Risiko erhöhen können. Bei der Wahl des geeigneten Antihypertensivums spielt daher auch die kardiovaskuläre Schutzwirkung der Substanzen eine wichtige Rolle.

Für Amlodipin konnte in zahlreichen Studien ein hohes kardiovaskuläres Schutzpotenzial belegt werden (CAMELOT, ASCOT-BPLA, ALLHAT). Telmisartan gehört zu den am meisten in Mortalitäts- und Endpunkt-Studien untersuchten ARBs und ist die einzige Substanz dieser Klasse mit der Indikation der kardiovaskulären Prävention bei Risikopatienten (Patienten mit manifester atherothrombotischer kardiovaskulärer Erkrankung oder Typ II Diabetes mellitus mit dokumentiertem Endorganschaden) [6].

Die neue Fixkombination Telmisartan plus Amlodipin wird in vier verschiedenen Dosierungen zur Verfügung stehen, so dass eine individuell angepasste Therapie für jeden Patienten möglich ist.

Literatur

  1. Mancia G, et al. Reappraisal of European guidelines on hypertension management: A European Society of Hypertension Task Force Document. J Hypertens 2009;27:2121-58
  2. Joel M. Neutel, et al. Single-Pill Combination Therapy for the Treatment of Severe Hypertension. Presented at the Annual Meeting of the European Society of Hypertension. June 2010, Oslo, Norway
  3. White WB et al. Effects of telmisartan and amlodipine in combination on ambulatory blood pressure in stages 1-2 hypertension. Blood Press Monit 2010;15: 205-212
  4. SchumacherH, Mancia G. The safety profile of telmisartan as monotherapy or combined with hydrochlorothiazide: a retrospective analysis of 50 studies.Blood Press 2008;17(Suppl 1):32-40
  5. Littlejohn J, et al. Results of Treatment with Telmisartan-Amlodipine in Hypertensive Patients. The Journal of Clinical Hypertension 2009; vol 11 Issue 4:207-213.
  6. Telmisartan Fachinformation

Autor

Prof. Dr. med. Peter Trenkwalder

Chefarzt der Medizinischen Klinik

am Klinikum Starnberg


Quelle: Pressegespräch der Firma Boehringer Ingelheim zum Thema „Neue Fixkombination Telmisartan + Amlodipin: Mehr als die Summe zweier Blutdrucksenker?“ am 09.09.2010 in Frankfurt am Main (3K-Agentur für Kommunikation) (tB).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung