MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

Fortschritte der Lungenkrebstherapie durch die molekularbiologische Forschung

Sichtweise der Schweizer Arbeitsgruppe für Klinische Krebsforschung (SAKK)

 

Von Prof. Dr. med. Richard Herrmann, Basel

 

Dresden (5. Oktober 2008) – Lungenkrebs ist bei Männern und bei Frauen die am häufigsten zum Tode führende bösartige Erkrankung und damit ein sehr wichtiges Thema für das Gesundheitswesen. Im Gegensatz zu verschiedenen anderen Krebsarten waren die Fortschritte in der Behandlung des Lungenkrebses über viele Jahre nur bescheiden.

In den vergangenen 10 bis 15 Jahren wurden in der Molekularbiologie zahlreiche Erkenntnisse gewonnen, die uns helfen die Mechanismen zu verstehen, die für die maligne Entartung von Organen und Geweben verantwortlich sind. Hierbei handelt es sich um molekulargenetische Veränderungen, z.B. in Form von Deletionen, Mutationen, Translokationen und Amplifikationen, welche dazu führen, dass das betroffene Gewebe sich der normalen Wachstumsregulation entzieht und gegenüber dem gesunden Gewebe einen Wachstumsvorteil gewinnt. In aller Regel ist die maligne Entartung die Folge einer Summe von derartigen Veränderungen, die z.B. auch dazu führen, dass maligne Zellen in umgebendes Gewebe eindringen und über den Blut- oder Lymphweg Metastasen an anderer Stelle im Organismus induzieren können.

 

Hiermit ergeben sich auch Möglichkeiten für neue Therapieansätze. Seit vielen Jahren wird Lungenkrebs nach seinem Aussehen unter dem Mikroskop klassifiziert. Vom Standpunkt der medikamentösen Therapie war es notwendig kleinzellige von nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen zu unterscheiden.

 

Inzwischen wissen wir jedoch, dass es auf der Grundlage der molekularen Veränderungen eine Reihe von weiteren Unterscheidungen geben muss. Für den individuellen Patienten und den ihn betreuenden Arzt sind natürlich besonders diejenigen Veränderungen von Bedeutung, die durch Medikamente blockiert werden können.

 

Weiterhin spielen bei der medikamentösen Therapie die Chemotherapie und die gezielten Medikamente (Targeted Therapies) die wichtigste Rolle. Im Moment ist jedoch ein eindeutiger Trend zu erkennen für Individualisierung der Therapie auf der Basis sogenannter Biomarker. Dies sind bestimmte molekulargenetische Veränderungen oder deren Folgen, messbar z.B. als spezifisch im Tumorgewebe nachweisbare Eiweißmoleküle. Sie können helfen, für den individuellen Tumor die wirksamste Therapie zu wählen. In einzelnen Fällen können sie auch die Unwirksamkeit einer Therapie vorhersagen und damit dem Patienten unnötige Nebenwirkungen ersparen.

 

Für die klinische Forschung erzwingt diese Entwicklung allerdings eine Neuausrichtung. Nur mit Hilfe großer internationaler Konsortien können bei der Vielzahl der durch Biomarker definierten Subruppen des Lungenkrebses aussagekräftige klinische Studien realisiert werden.

 

 

Download

 

Folien zum Vortrag von Prof. Dr. med. Richard Herrmann.pdf Prof. Dr. med. Richard Herrmann.pdf (471.58 KB)

 


 

Quelle: Pressekonferenz anlässlich des International Thoracic Oncology Congress Dresden (ITOCD) am 5. Oktober 2008 in Dresden (V3-publicrelations).

MEDICAL NEWS

Perinatal patients, nurses explain how hospital pandemic policies failed them
Johns Hopkins Medicine expert creates comprehensive guide to new diabetes…
An amyloid link between Parkinson’s disease and melanoma
Ultrasensitive, rapid diagnostic detects Ebola earlier than gold standard test
Paranoia therapy app SlowMo helps people ‘slow down’ and manage…

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…
Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…
Neue Studie will Entstehung von Typ-1-Diabetes bei Kindern verhindern
Toujeo®: Ein Beitrag zu mehr Sicherheit für Menschen mit Typ-1-Diabetes
Diabeloops Ziel: Baldige Marktpräsenz mit ​individuellen Lösungen zum Diabetes-Management für​ verschiedene…

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie
Wie neuartige Erreger die Entstehung von Darmkrebs verursachen können
Onkologische Pflegekräfte entwickeln Hörspiel für Kinder: Abenteuer mit Alfons
Krebsüberleben hängt von der Adresse ab

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung
Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose
Multiple Sklerose: Immuntherapie erhöht nicht das Risiko für schweren COVID-19-Verlauf
Empfehlung zur Corona-Impfung bei Multipler Sklerose (MS)
Fallstudie: Beeinflusst SARS-CoV-2 Infektion die Multiple Sklerose?

PARKINSON

Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit
Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…