Möglichkeiten der Kombinationstherapie

 

Professor Dr. med. Rainer Düsing

 

Wiesbaden (11. April 2010) – Die arterielle Hypertonie mit ihrer hohen Rate an kardiovaskulären Komplikationen stellt den aggressivsten bisher bekannten kardiovaskulären Risikofaktor dar. Medikamentöse Blutdrucksenkung vermag die Prognose von Hypertoniepatienten zu bessern, wobei die überwiegende Mehrzahl aller Hypertoniepatienten zur Blutdrucknormalisierung einer Therapie mit =2 Medikamenten bedarf. Insbesondere aus Gründen der langfristigen Therapietreue empfehlen Fachgesellschaften übereinstimmend die Verwendung sog. „fixer“ Kombinationen zur Vereinfachung des Therapieschemas. Welche Kombinationen eingesetzt werden sollten, wird derzeit teilweise noch kontrovers bewertet. So empfehlen die US-amerikanischen Leitlinien von 2003 (JNC 7), dass Diuretika üblicherweise („usually“) Bestandteil einer Kombinationsbehandlung sein sollten.

 

Die „Avoiding Cardiovascular Events through Combination Therapy in Patients Living with Systolic Hypertension“ (ACCOMPLISH) Studie konnte im Jahre 2008 allerdings zeigen, dass eine Kombinationstherapie mit ACE-Hemmer und Kalziumantagonist (Amlodipin) zumindest bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Gesamtrisiko günstigere prognostische Wirkungen entfaltet als eine ACE-Hemmer/Diuretikum-Kombination. Diese Studie stellt damit die routinemäßige Eskalation einer Therapie mit RAS-Blockern (ACE-Hemmern und AT1Antagonisten) durch die Kombination mit Diuretika in Frage. Die neue Datenlage ist teilweise bereits in aktualisierten Leitlinien zur Hypertoniebehandlung abgebildet. So spricht z.B. die National Heart Foundation of Australia eine eindeutige Empfehlung für die Bevorzugung von RAS-Blocker/Kalziumantagonist-Kombinationen bei der Hypertoniebehandlung aus. Entsprechend den aktualisierten Leitlinien der ESC/ESH sind in Bezug auf Zweier-Kombinationen RAS-Blocker oder Kalziumantagonisten plus Diuretika oder RAS-Blocker plus Kalziumantagonisten zu präferieren. Die Europäischen Leitlinien gehen also von einem differentialtherapeutischen Umgang mit der Alternative RAS-Blocker/Diuretikum vs. RASBlocker/Kalziumantagonist aus.

 

Für ein Diuretikum als Erweiterung eines RAS-Blocker basierenden Therapiekonzepts sprechen eine begleitende Herzinsuffizienz oder eine eingeschränkte linksventrikuläre Funktion, eine instabile Angina pectoris oder ein kürzlich durchgemachter Myokardinfarkt. Auch sollten Patienten mit Ödemen unterschiedlichster Ätiologie eine Therapieeskalation mit dem Diuretikum erhalten. Patienten ohne die genannten Comorbiditäten bzw. Begleitumstände sollten aufgrund der Ergebnisse der ACCOMPLISH-Studie allerdings als Kombination mit einem RAS-Blocker einen Kalziumantagonisten erhalten.

 

Autor

 

Professor Dr. med. Rainer Düsing

Innere Medizin

Medizinische Klinik und Poliklinik 1

Universitätsklinikum Bonn

 


 

Quelle: Satellitensymposium der Firma Berlin-Chemie zum Thema „Hypertonietherapie 2010 – auf dem Weg in ein neues Jahrzehnt“ am 11.04.2010 in Wiesbaden (Fleishman Hillard) (tB).

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