"The Lancet" kürt europäische Schlaganfall-Studie zur weltweit wichtigsten medizinischen Veröffentlichung des Jahres 2008

 

Wissenschaftliche Arbeit im "New England Journal of Medicine" unter Federführung des Heidelberger Neurologen Professor Dr. Werner Hacke eröffnet neue Chancen in der Akut-Therapie

 

Heidelberg (26. Januar 2009) – Die Herausgeber der führenden internationalen medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" haben eine europäische Studie unter Federführung von Professor Dr. Werner Hacke, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, zur wichtigsten medizinischen Veröffentlichung des Jahres 2008 gewählt. Dies ist in der aktuellen Ausgabe von "The Lancet" bekannt gegeben worden.

Die ECASS3 (European Cooperative Acute Stroke Study) war am 25. September 2008 im "New England Journal of Medicine" publiziert worden. Professor Hacke und seine Kollegen – vielen von ihnen aus Deutschland – konnten zeigen, dass die Therapie des akuten Schlaganfalls durch den Verschluss einer Gehirnarterie mit dem biotechnologisch hergestellten Enzym Alteplase auch noch 3 bis 4,5 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome wirksam und sicher ist. Bislang war dies nur für ein Zeitfenster von 3 Stunden gesichert, weshalb viele Patienten von der Therapie ausgeschlossen werden mussten, die zu spät in eine spezialisierte Klinik eingeliefert wurden.

Allein in Deutschland könnten tausende Patienten profitieren

Der Schlaganfall weltweit ist die Hauptursache für schwere Langzeitbehinderungen. Die Thrombolyse, die Auflösung des Blutgerinnsels im Gehirn, ist die einzige zugelassene medikamentöse Option zur Akut-Therapie des Schlaganfalls.

"Von diesem Studienergebnis könnten alleine in Deutschland mehrere tausend Patienten jährlich profitieren", betonte Professor Hacke. "ECASS3 hat nicht nur das Zeitfenster für die Thrombolyse erweitert, sondern gibt uns auch neues Vertrauen, dass wir den Schlaganfall tatsächlich bekämpfen können." Nach wie vor gelte jedoch, dass Patienten bei Symptomen eines Schlaganfalls so schnell wie möglich den Notruf 112 wählen sollten, um sofort in ein spezialisiertes Zentrum zu gelangen: "Je früher wir lysieren können, desto besser ist das Ergebnis", so Hacke: "Jede Minute zählt!" Bislang ist die Thrombolyse auch nur im 3-Stunden-Zeitfenster zugelassen.

Am 19. Dezember 2008 hatte "The Lancet" eine Auswahl von sechs internationalen Studien unterschiedlicher medizinischer Forschungsbereiche auf der Website der Zeitschrift zur Wahl gestellt. In 25 Tagen gaben Mediziner und Leser aus der ganzen Welt insgesamt 21.556 Stimmen für die Finalisten ab und wählten die Arbeit von Hacke et al. unter die drei "klaren Favoriten". Die Herausgeber des "Lancet" kürten sie dann zum "Paper of the Year 2008" (Editors‘ Choice). Dies ist besonders bemerkenswert, da ECASS3 im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde, und auch mehrere Publikationen aus dem "Lancet" zur Wahl standen.

Ausgezeichnet: Methodisch gute Studien, von denen die Bevölkerung profitiert

In seiner Bewertung der Ergebnisse betont einer der Herausgeber des "Lancet", William Summerskill, dass die medizinische Gemeinschaft offenbar besonders solche Studien schätze, die methodisch einwandfrei durchgeführt werden und von deren Ergebnissen große Teile der Bevölkerung profitieren. Auch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hebt den besonderen Stellenwert von ECASS3 hervor und bezeichnet die Arbeit als größten Durchbruch in der Schlaganfall-Forschung der vergangenen zwölf Jahre.

Die beiden anderen TOP-Veröffentlichungen im Lancet-Ranking befassen sich mit neuen Strategien zur Senkung der hohen Neugeborenen-Sterblichkeit in Bangladesh und dem wirksamen Einsatz des schleimlösenden Medikamentes Carbocystein zur Behandlung von Lungenerkrankungen in China.

 

Literatur


Summerskill W: Paper of the year 2008: results. The Lancet; 2009; 373: 283-4

Hacke W et al. for the ECASS investigators. Thrombolysis with alteplase 3 to 4.5 h after acute ischemic stroke. N Engl J Med; 2008; 359: 1303-09


 

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg vom 26.01.2009.

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