Rheumatologische Erkrankungen:

Neue Therapiestrategien mit TNFα-Blockern

 

Wiesbaden (31. März 2008) – Die Einführung der TNFα-Inhibitoren bedeutete einen Durchbruch in der Behandlung chronisch-entzündlicher Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Spondylitis ancylosans. TNFα-Hemmer wie Infliximab (REMICADE®) bewirken eine rasche und anhaltende Entzündungskontrolle und verhindern bei einem Großteil der Patienten das Fortschreiten der Erkrankung. Je früher sie indikationsgerecht eingesetzt werden, umso günstiger scheint dies den Krankheitsverlauf zu beeinflussen, so dass für einen Teil der Patienten Remission heute zu einem erreichbaren Therapieziel geworden ist. Darauf weisen zunehmend verfügbare Langzeitergebnisse aus klinischen Studien hin. In einem von essex pharma veranstalteten Symposium im Rahmen des 114. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) am 31. März 2008 in Wiesbaden berichtete Prof. U. Müller-Ladner (Bad Nauheim) über den aktuellen Stand und neue therapeutische Strategien bei rheumatologischen Erkrankungen.

 

Das proinflammatorische Zytokin Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNFα) spielt eine Schlüsselrolle in der Pathogenese chronisch-entzündlicher Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis (RA) oder ankylosierende Spondylitis (AS; Morbus Bechterew). TNFα-Hemmer wie der monoklonale Antikörper Infliximab (REMICADE®) inaktivieren TNFα und greifen dadurch sehr zielgerichtet in den pathogenetisch bedeutsamen Entzündungsprozess ein. Wie Müller-Ladner erläuterte, bindet Infliximab sowohl an Rezeptor- und Membran-gebundene als auch lösliche Formen des Zytokins.

 

Rheumatoide Arthritis: Arzneimittelfreie Remission als erreichbares Therapieziel

In der Behandlung der RA sind TNFα-Hemmer mittlerweile ein fester Bestandteil des Therapiekonzepts. Daten aus klinischen Studien weisen zunehmend darauf hin, dass mit den TNFα-Inhibitoren das Therapieziel der Remission – also ein vollständiger Stillstand der Entzündungsaktivität und damit der gelenkzerstörenden Prozesse – bei einem großen Teil der Patienten tatsächlich zu erreichen ist. Dies belegen Daten der niederländischen BeSt-Studie1, über die Müller-Ladner berichtete. In der randomisierten, einfach verblindeten Multizenterstudie wurden verschiedene Strategien zur frühzeitigen Behandlung der RA miteinander verglichen: 508 Patienten erhielten initial entweder eine sequenzielle Monotherapie mit Basistherapeutika, eine Step-up-Kombinationstherapie mit Basis­therapeutika, eine Kombinationstherapie aus Basistherapeutika und Prednison oder die Kombination von Infliximab mit Methotrexat (MTX). Der Therapieerfolg wurde anhand der Krankheitsaktivität alle drei Monate überprüft. Lag diese über einem gewissen Wert (DAS 44 > 2,4), erfolgte eine Anpassung der Therapie auf die nächste Behandlungsstufe, so dass in allen Behandlungsstrategien letztlich eine Umstellung auf Infliximab und MTX möglich war. (1)

 

Die kürzlich publizierten 4-Jahresdaten zeigen, dass die Patienten von einer initialen Therapie mit Infliximab + MTX am meisten profitierten: Nach vier Jahren hatten 51 % der Patienten aus dieser Gruppe die Infliximab-Therapie beendet und 18 % benötigten auch kein MTX mehr.2 Diese Patienten hatten damit eine DMARD-freie Remission erreicht. Die durchschnittliche Dauer der DMARD-freien Zeit betrug 11 Monate.(2) Beim Vergleich der Gruppe mit initialer Infliximab-Therapie mit Patienten, die erst später – nach Versagen mehrerer Basistherapeutika – auf Infliximab umgestellt worden waren, zeigte sich in mehrfacher Hinsicht eine signifikante Überlegenheit der initialen Infliximab-Therapie: Diese führte in den ersten zwei Jahren zu einer signifikanten Zunahme an Lebensqualität bzw. Reduktion der Krankheitsaktivität. Zudem konnten nach zwei Jahren signifikant mehr Patienten Infliximab absetzen (56 %), während sie weiterhin in Remission blieben, als bei später einsetzender Infliximab-Therapie (15 %; p < 0,001).(3)

 

Ankylosierende Spondylitis: Patienten profitieren von frühzeitiger Therapie mit TNFα-Hemmern

Auch bei der AS gibt es aus klinischen Studien zunehmend Hinweise darauf, dass eine Therapie mit TNFα-Hemmern bei Patienten im frühen Erkrankungsstadium erfolgversprechend ist. Hierfür ist eine frühezeitige Diagnose der Erkrankung notwendige Voraussetzung. Wie Müller-Ladner berichtete, wurden anlässlich des Jahreskongresses des American College of Rheumatology (ACR) im November 2007 Daten einer randomisierten, Plazebo-kontrollierten Studie(4) vorgestellt, in der 40 Patienten mit sehr früher (mittlere Krankheitsdauer 15,3 Monate) axialer Manifestation einer AS eine Infliximab-Therapie oder Plazebo erhielten. Die Patienten litten unter entzündlichen Rückenschmerzen, waren HLA-B27-positiv und zeigten im MRT ein Knochenmarködem. Im Vergleich zur Plazebo-Gruppe ließen sich bei den mit Infliximab behandelten Patienten nach 16 Wochen signifikant stärkere Verbesserungen von klinischen und MRT-Befunden beobachten, die auf eine rasche Reduktion der Krankheitsaktivität hinweisen. Hierbei handelt es sich um die erste Studie, in der eine Wirkung eines TNFα-Hemmers auf im MRT erkennbare entzündliche Veränderungen einer AS im Frühstadium nachgewiesen wurde.(4)

 

 

Quellen

  1. Goekoop-Ruiterman Y.P. et al. Arthritis Rheum 2005; 52: 3381-3390
  2. Van der Kooij S.M. et al. ACR 2007, Abstract 697
  3. Van der Kooj S.M. et al. ACR 2007; Abstract 256
  4. Barkham N. et al. ACR 2007, Abstract L11 (Poster)

 


 

Quelle: Symposium der Firma essex pharma  im Rahmen des 114. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin DGIM zum Thema „TNF-alpha-Blocker in der Therapie von chronisch-entzündlichen Erkrankungen – sind wir up to date?“ am 31.03.2008 in Wiesbaden (Medizin und Markt GmbH).

 

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