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Signalmoleküle bei der Entstehung von weißem Hautkrebs

 

München (8. Januar 2009) – Plattenepithelkarzinome der Haut gehören zu den häufigsten Tumoren. Sie entstehen bevorzugt auf chronisch UV-Licht-exponierter Haut hellhäutiger Menschen und zeigen eine deutlich zunehmende Häufigkeit. Bei der Entstehung dieser Tumoren spielt der Transkriptionsfaktor NF-kB, der wichtige zelluläre Prozesse wie Proliferation, Apoptose und Seneszenz reguliert, eine entscheidende Rolle. In dem geplanten Projekt werden Komponenten dieses Signalweges untersucht. Die hierbei erwarteten neuen Erkenntnisse zur Pathogenese epithelialer Tumoren der Haut sollen zu künftigen gezielten Therapien beitragen.

 

Plattenepithelkarzinome der Haut sind mit einer Inzidenz von 25 bis 30 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner (mit steigender Tendenz) die zweithäufigsten Tumoren hellhäutiger Menschen. Sie entstehen meist auf chronisch UV-Licht-exponierter Haut. Für die Entstehung von Plattenepithelkarzinomen spielen Fehlregulationen von Wachstum und Differenzierung der Keratinozyten eine entscheidende Rolle.

 

Zur genauen Charakterisierung dieser pathologischen Ereignisse sind Kenntnisse der unter physiologischen Bedingungen in der Oberhaut (Epidermis) stattfindenden Regulationsprozesse und Reparaturmechanismen von Keratinozyten auf schädigende Einflüsse von entscheidender Bedeutung. Der Epidermis kommt als Kontaktorgan zur Umwelt eine essentielle Schutzfunktion zu. Der dauernde Kontakt zu exogenen Noxen wie dem UV-Licht erhöht das Risiko einer DNA-Schädigung der Epithelzellen und macht die lebenslange kontinuierliche Erneuerung der Epidermis erforderlich. Dieser Erneuerungsvorgang der menschlichen Epidermis nimmt ungefähr 4 Wochen in Anspruch und erfordert ein exaktes Gleichgewicht zwischen terminaler Differenzierung von Keratinozyten mit nachfolgender Abschilferung als Hornschuppen und der kontinuierlichen Erneuerung der Epidermis aus regenerationsfähigen Keratinozyten.

 

Die Regulation dieses Übergangs von der Proliferation basaler Keratinozyten bis zur terminalen Differenzierung ist ein komplexer Prozess, welcher bei Entzündungen sowie bei der Pathogenese epithelialer Tumoren, wie beispielsweise Plattenepithelkarzinomen, gestört ist. Beeinflusst wird dieses Gleichgewicht von verschiedenen Wachstumsfaktoren und Signalmolekülen. Als zentraler Regulator in diesem Prozess konnte der Transkriptionsfaktor NF-kB (nuclear factor-kappa B) identifiziert werden. NF-kB war bislang hauptsächlich als wichtiger Regulator von Mediatoren der Entzündung bei Immunreaktionen bekannt. Erst in den letzten Jahren wurde sein Einfluss bei wichtigen zellulären Prozessen wie Proliferation, Apoptose (programmierter Zelltod) und Seneszenz (Zellalterung) erkannt, die ihrerseits für die Entstehung bösartiger Tumoren eine entscheidende Rolle spielen. Je nach Zelltyp und Situation kann NF-kB sowohl als Tumorpromotor oder als Tumorsuppressor wirken. In früheren Studien konnten wir zeigen, dass NF-kB innerhalb der Epidermis zytoplasmatisch in der proliferierenden Basalzellschicht exprimiert wird. In suprabasalen, nicht proliferierenden Zellen hingegen transloziert NF-kB in den Zellkern. Diese Aktivierung von NF-kB führt in der Epidermis – im Gegensatz zu vielen anderen Geweben – zu einem Wachstumsstillstand und leitet damit die terminale Differenzierung ein.

 

In dem geplanten Projekt sollen molekulare Mechanismen, die diesen Prozess steuern, identifiziert wurden. Insbesondere ist geplant, die Rolle von NF-kB und einzelner Komponenten seines Signalweges bei der Entstehung epithelialer Tumoren der Haut (weißer Hautkrebs) genauer zu untersuchen. Erkenntnisse zu Regulationsmechanismen in normalen und bösartigen Hautzellen könnten zur Entwicklung antitumoraler Therapien beitragen, die gezielt in wichtige Überlebensprozesse von Tumorzellen eingreifen.

Kontakt: Dr. med. Cornelia S. Seitz / Prof. Dr. med. Michael P. Schön, Abteilung für Dermatologie und Venerologie, Universitätsmedizin Göttingen, Von-Siebold-Str. 3, 37075 Göttingen, Tel: 0051-39-6800, Fax: 0051-39-6841, E-mail: cseitz@med.uni-goettingen.de, michael.schoen@med.uni-goettingen.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 170.000 €.
Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist. Weitere Informationen zur Stiftung: www.sanst.de


 

Quelle: Presseinformation der Wilhelm Sander-Stiftung vom 8. Januar 2009 (tB).

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