Stärkung für die Sepsis-Forschung in Jena

 

Jena (27. Oktober 2010) – Am Universitätsklinikum Jena (UKJ) wird das "Center for Sepsis Control and Care" (CSCC) aufgebaut. Das von Intensivmedizinern, Internisten, Chirurgen und Neurologen getragene Zentrum zielt auf die Verringerung der Sepsiserkrankungen und eine Verbesserung der Akut- und Nachsorgebehandlung. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum fünf Jahre lang mit insgesamt 23 Millionen Euro gefördert.

 

Jena (27.10.10) 31 Bewerbungen erhielt die Leitung des Zentrums auf die gleich nach dem Start im August ausgeschriebenen 20 Stellen. Für das neue Forschungs- und Behandlungszentrum wurden sowohl Doktoranden, als auch Ärzte, die ein Forschungsjahr absolvieren wollen, und Leiter von Nachwuchsgruppen gesucht. „Für die Umsetzung unseres anspruchsvollen Forschungsprogramms brauchen wir engagierte Ärzte und Naturwissenschaftler. Ihnen wollen wir neue Karriereperspektiven in der klinischen Forschung bieten“, so Professor Michael Bauer, Sprecher des CSCC.

 

Hauptziel ist die Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten der Sepsis und ihrer Folgen. Jährlich erkranken allein in Deutschland etwa 150 000 Menschen an dieser aus dem Ruder laufenden Abwehrreaktion des Körpers gegen eine Infektion, die die Organe schädigt, so zu deren Versagen und in fast einem Drittel der Fälle zum Tode führen kann. „Sepsis tötet unabhängig von Alter, ethnischer Herkunft, Heimat und Zugang zu medizinischer Versorgung“, mahnt Professor Konrad Reinhart, der der Global Sepsis Alliance vorsteht. In der Öffentlichkeit ist Sepsis wenig bekannt, und auch unter den Ärzten und bei medizinischem Personal fehlt das Fachwissen zu dieser Erkrankung. „Deshalb brauchen wir weitere große klinische Studien, um die Wirksamkeit der bekannten Therapiemaßnahmen zu evaluieren, neue Diagnose– und Therapieverfahren zu testen und um Risikopatienten und -situationen identifizieren und entsprechende Präventionsmaßnahmen einleiten zu können.“

 

Das CSCC will maßgeblich hierzu beitragen. Ein Kernprojekt ist eine klinikumsweite Hygienekampagne und –studie, die über mehrere Jahre insgesamt 25.000 Patienten einschließen soll. Dabei wird der Umgang mit Kathetern als Infektionsrisiko und die Händedesinfektion auf Normalstationen genauso erfasst wie das Beatmungsmanagement auf Intensivstationen. „Zu unseren Forschungsvorhaben zählen die Verbesserung der Diagnosemöglichkeiten durch molekularbiologische Tests, die Untersuchung der Mechanismen, die zum Organversagen bei Sepsis führen, neue Therapieansätze bei chronischen Entzündungsprozessen und die Entwicklung neuer Wirkstoffe“, zählt Professor Bauer auf. Weitere Themen sind das Qualitätsmanagement der intensivmedizinischen Behandlung von Sepsispatienten und medizin-ethische Aspekte der Versorgung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Erforschung der neurologischen, neuropsychologischen und psychosomatischen Langzeitfolgen der Sepsis, zu denen es noch sehr wenige Untersuchungen gibt.

 

Die Projektgruppen können dabei auf zentrale Infrastrukturen wie ein klinisches Studienzentrum und  die Sepsis-Biomaterialbank des UKJ zurückgreifen, die für die Anforderungen des CSCC erweitert werden. In einem „Aktionsbündnis Sepsis“ wird das Zentrum mit Krankenhäusern, Reha- Kliniken und niedergelassenen Ärzten der Region zusammenarbeiten, um Früherkennung und Versorgung zu verbessern und Nachsorgekonzepte zu entwickeln.

 

Das CSCC schafft völlig neue Strukturen für die klinischen Forschung und die Universitätsmedizin. „Effektive interdisziplinäre Zusammenarbeit in dieser Größenordnung ist nur bei flachen Hierarchien möglich“, betont PD Dr. Cornelia Platzer, Geschäftsführerin des Zentrums, „die Organisationsstruktur unseres Forschungs- und Behandlungszentrums hat hier Modellcharakter“.

 

Im Zentrum werden Ärzte und Wissenschaftler von über zwanzig Kliniken und Instituten arbeiten, 17 allein am Universitätsklinikum Jena. Ca. 100 Mitglieder wird das Zentrum in gut einem Jahr haben. „Der Start des CSCC ist ein wesentlicher Beitrag zur Profilierung des Universitätsklinikums und zur Stärkung des Sepsisschwerpunktes in Jena“, freut sich Professor Benndorf, Dekan der Medizinischen Fakultät und Wissenschaftlicher Vorstand des UKJ.

 

 


Quelle: Universitätsklinikum Jena, Center for Sepsis Control and Care, 27.10.2010 (tB).

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