MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

Vaskulitiden – wenn Blutgefäße sich entzünden

Wie sich die schleichende Autoimmunerkrankung kontrollieren lässt

 

Hamburg (24. August 2010) – Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust, rheumatische Beschwerden und Blutarmut: Die ersten Symptome einer entzündlichen Gefäßerkrankungen sind häufig uncharakteristisch und vielfältig. Eine Vaskulitis, so der medizinische Name, kann in vielfältiger Form auftreten, schreibt der Rheumatologe Dr. Keihan Ahmadi-Simab in der aktuellen Ausgabe der Asklepios-Ärztezeitschrift medtropole. Doch starke immununterdrückende Medikamente können die Krankheit stoppen und den Betroffenen ein weitgehend normales Leben ermöglichen, so der Chefarzt der Abteilung für Rheumatologie, Klinische Immunologie, Nephrologie und Physikalische Therapie in der Asklepios Klinik Altona.

 

Bei sorgfältiger körperlicher Untersuchung können sich auch die direkten Zeichen der Vaskulitis finden, die als Folge der Gefäßschädigung anzusehen sind. Die endgültige Diagnose ergibt sich aber erst aus der Betrachtung der äußeren Symptome, dem Ergebnis von Blutwerten sowie einer Gewebeuntersuchung. Denn im Gegensatz zu anderen Erkrankungen gibt es keinen Marker, der allein eine Vaskulitis beweist. Deshalb werden zahlreiche Laborparameter bestimmt. Häufen sich Warnzeichen wie Fieber und Gewichtsverlust, ist ein Besuch beim Arzt angeraten, um die verlässliche Diagnose stellen zu können. Weitere diagnostische Untersuchungen sind gegebenenfalls erforderlich, um den möglichen Befall von Organen wie Herz, Lunge oder Nieren abzuklären, da diese durch den Blutstrom infiziert werden können. Auch die Hauptschlagader (Aorta) kann durch die Vaskulitis geschädigt werden, so dass sich gefährliche Aussackungen (Aneurysmen) bilden, die früher oder später platzen können.

Das therapeutische Vorgehen richtet sich nach Ausdehnung, Schädigung der Organe und Aktivität der Erkrankung sowie nach der Prognose. Primäre Vaskulitiden, also Gefäßentzündungen, die nicht auf andere Erkrankungen zurückzuführen sind, werden mit immununterdrückenden Mitteln behandelt. Dies geschieht unter enger ärztlicher Kontrolle, da gerade in der Anfangsphase einige Nebenwirkungen auftreten können. Innerhalb von drei bis sechs Monaten bekommen Rheumatologen die entzündlichen Erscheinungen oft in den Griff, so dass sie auf mildere Medikamente umsteigen können, die häufig noch einige Jahre verabreicht werden müssen. Die Behandlung der sekundären Vaskulitis mit ihren höchst unterschiedlichen Organbeteiligungen richtet sich nach den ebenso unterschiedlichen Verlaufsformen der Krankheit. Im Allgemeinen sind die Aussichten gut, bei schweren Verläufen werden generell stark immununterdrückende Mittel eingesetzt, um einen Rückgang der Symptome zu erwirken.


Hintergrund

Vaskulitiden sind chronisch entzündliche Erkrankungen der Blutgefäße. Man unterscheidet primäre systemische Vaskulitiden mit unklarer Ursache und sekundäre Vaskulitiden, die in Verbindung mit anderen chronisch entzündlichen und autoimmunen Erkrankungen auftreten. Die sekundären Vaskulitiden lassen sich in drei Gruppen unterteilen: Granulomatöse Vaskulitis, Immunkomplexvaskulitis und ANCA-assoziierte Vaskulitis. Bei den granulomatösen Vaskulitiden greifen körpereigene Immunzellen, die Granulozyten, die Gefäßwand an. Die Ursachen dafür sind unklar. Ähnliches passiert bei der Immunkomplexvaskulitis, bei der die Gefäßwände durch eine immunologische Reaktion angegriffen werden. Die ANCA-assoziierten Vaskulitiden betreffen hauptsächlich die kleinen und feinsten Gefäße. Die Abkürzung ANCA bezieht sich auf eine bestimmte Gruppe von Autoantikörpern. Man vermutet hier eine genetische Veranlagung. In einem komplexen Prozess kommt es dabei unter anderem zur Freisetzung von Eiweiß abbauenden Enzymen in den Zellen der Gefäßwände, so dass diese beschädigt werden.


Weitere Informationen

 

http://www.medtropole.de

http://www.asklepios.com

 

 


Quelle: Pressemitteilung der Asklepios Kliniken Hamburg vom 24.08.2010 (tB).

MEDICAL NEWS

Meeting highlights from the Committee for Medicinal Products for Human…
Using face masks in the community: first update – Effectiveness…
Difficulties to care for ICU patients caused by COVID-19
Virtual post-sepsis recovery program may also help recovering COVID-19 patients
‘Sleep hygiene’ should be integrated into epilepsy diagnosis and management

SCHMERZ PAINCARE

Projekt PAIN2020: Wir nehmen Schmerzen frühzeitig ernst. Jetzt für alle…
Wechselwirkung zwischen psychischen Störungen und Schmerzerkrankungen besser verstehen
Lisa Olstein: Weh – Über den Schmerz und das Leben
Wie ein Schmerz den anderen unterdrückt
Opioidtherapien im palliativen Praxisalltag: Retardierte Analgetika zeigen Vorteile

DIABETES

Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…
Neue Studie will Entstehung von Typ-1-Diabetes bei Kindern verhindern
Toujeo®: Ein Beitrag zu mehr Sicherheit für Menschen mit Typ-1-Diabetes
Diabetes: Neue Entdeckung könnte die Behandlung künftig verändern
Für Menschen mit Typ-2-Diabetes: Fixkombination aus Basalinsulin und GLP-1-Analogon

ERNÄHRUNG

Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…
Fast Food, Bio-Lebensmittel, Energydrinks: neue Daten zum Ernährungsverhalten in Deutschland

ONKOLOGIE

Konferenzbericht: Aktuelle Daten aus der Hämatologie vom ASH 2020
Anzeige: Aktuelle Daten zur Therapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
Aktuelle Daten zu Apalutamid und Abirateron in der Therapie des…
Forschende entwickeln neuen Ansatz, um Krebs der Bauchspeicheldrüse zu erkennen
Blasenkrebs: Wann eine Chemotherapie sinnvoll ist – Immunstatus erlaubt Abschätzung…

MULTIPLE SKLEROSE

Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose
Multiple Sklerose: Immuntherapie erhöht nicht das Risiko für schweren COVID-19-Verlauf
Empfehlung zur Corona-Impfung bei Multipler Sklerose (MS)
Fallstudie: Beeinflusst SARS-CoV-2 Infektion die Multiple Sklerose?
Multiple Sklerose: Novartis’ Siponimod verzögert Krankheitsprogression und Hirnatrophie bei aktiver…

PARKINSON

Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…
Putzfimmel im Gehirn
Parkinson-Patienten in der Coronakrise: Versorgungssituation und ein neuer Ratgeber