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Virale Hepatitis: gesundheitliche Belastung steigt europaweit

Nord-Süd-Gefälle und Anstieg von Leberzellkrebs

 

Essen (4. April 2011) – Rund 25 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben erhöhte Leberwerte. Das sieht in anderen Ländern Europas ähnlich aus. Ein solcher erhöhter Wert kann auf eine Lebererkrankung, wie zum Beispiel eine Infektion mit Hepatitisviren, hinweisen. „Diese Infektionen können dauerhaft (chronisch) werden und dann zu Leberzirrhose und Leberzellkrebs führen“, sagte Prof. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung anlässlich der Internationalen Lebertagung EASL in Berlin. (30.3. bis 3.4.2011)

 

Weltweit sind nach Expertenschätzungen rund 500 Millionen bereits chronisch mit dem Hepatitis B (HBV) oder Hepatitis C Virus (HCV) infiziert. In Deutschland sind es je rund 500.000 Menschen, die mit HBV oder HCV infiziert sind. Viele wissen nicht um ihre mögliche Erkrankung, weil eine kranke Leber nicht schmerzt und erst spät relativ unspezifische Symptome zeigt.Falsche Ernährung, Übergewicht und die damit oft verbundene Fettleber gelten heute als eine der Hauptursachen für eine Leberentzündung. Aber auch Alkoholmissbrauch und eine Infektion mit Hepatitis-Viren sind für einen großen Teil der Erkrankungen verantwortlich. Eine kleinere, aber wichtige Rolle spielen Autoimmun- Erkrankungen der Leber, genetisch bedingte Erkrankungen wie die Eisenspeicherkrankheit, Nebenwirkungen von Medikamenten oder andere Infektionen der Leber, beispielsweise durch Bakterien. In rund 40 Prozent der Fälle waren Alkohol oder Übergewicht die Ursache für den Leberkrebs. In weniger als zehn Prozent der Fälle lagen andere Ursachen vor. Jährlich sterben weltweit etwa 1,5 Millionen Menschen an chronischer viraler Hepatitis B oder C.

 

In Europa liegen vor allem hohe Infektionszahlen mit viralen Hepatiden aus Südosteuropa, dem Balkan, Spanien, Süditalien sowie der Türkei und der ehemaligen Sowjetunion vor. Experten schätzen, dass z.B. in Skandinavien nur etwa 0,1 Prozent der Menschen mit Hepatitis B infiziert sind, in Ost- und Südeuropa hingegen fast acht Prozent. Auch bei den Infektionen mit Hepatitis C gibt es ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. In ganz Europa sind rund vier Millionen mit dem Hepatitis C Virus infiziert. Wird eine solche Infektion nicht rechtzeitig behandelt, so kann daraus Leberzellkrebs (HCC) entstehen. Der Leberzellkrebs gehört weltweit zu den fünf häufigsten Karzinomen des Mannes. Seit den 70er Jahren hat sich die Zahl der Todesfälle mit dieser Erkrankung in Deutschland mehr verdoppelt, wie Daten aus dem Saarland zeigen. Jährlich erkranken in Deutschland mehr als 5.000 Menschen neu an diesem Tumor. In ganz Europa ist ein dramatischer Anstieg von Leberkrebs zu beobachten. „Deshalb ist es so wichtig, Lebererkrankungen in einem frühzeitigen Stadium zu diagnostizieren“, sagt Prof. Manns.

 

 

Hepatitis B-Virusinfektion bei Migrationshintergrund

 

In Deutschland, so schätzen Experten, haben etwa 50 bis 65 Prozent der chronisch mit einer Hepatitis B infizierten Menschen einen Migrationshintergrund. „Es ist deshalb besonders wichtig, dass die Aufklärungsarbeit und die Informationen über die Erkrankung in der jeweiligen Landessprache geleistet wird“, sagt Prof. Manns. Die Deutsche Leberstiftung verfügt über Informationsfaltblätter zum Thema Hepatitis B und Hepatitis C in unterschiedlichen Sprachen, wie zum Beispiel in Russisch, Spanisch, Türkisch, Arabisch, Griechisch und Italienisch. Ebenso sollten gezielte Impfprogramme besonders Migranten ansprechen, die aus Ländern mit einer hohen Hepatitis B Rate stammen. Dazu gehören unter anderem die Türkei, Italien, Asien und die ehemalige Sowjetunion. Die World Health Organisation (WHO) hat bereits 1991 eine Empfehlung für eine generelle Impfung gegen Hepatitis B für Kinder und Jugendliche und eine freiwillige Impfung für Risikogruppen ausgesprochen. Seit 1995 gehört die Impfung zu den Standardimpfungen, welche die Ständige Impfkomission (STIKO) des Robert Koch-Institutes für alle Säuglinge, Kinder und Jugendliche empfiehlt. Für die Deutsche Leberstiftung ist das noch zu wenig. „Wichtig ist eine noch bessere Früherkennung. So sollte die Bestimmung der Leberwerte, speziell des diagnostisch wichtigen GPT-Wertes beim Hausarzt häufiger in Anspruch genommen werden und zum Beispiel beim Check-Up 35 und in den Krebsvorsorgeuntersuchungen integriert sein“, sagt Prof. Manns. Eine frühe Diagnose einer Lebererkrankung über zu hohe Leberwerte könne die steigende Zahl der Fälle von Leberzirrhose und Leberzellkrebs minimieren.

 

Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der menschlichen Leber, Lebererkrankungen und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch Forschungsförderung sowie Forschungsvernetzung zu verbessern und die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen zu steigern.

 

 


Quelle: Deutsche Leberstiftung, 04.04.2011 (tB).

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