2. Deutscher Ambulanztag in Frankfurt

Ambulante Versorgung von schwer psychisch Kranken

 

Frankfurt (27. Oktober 2007) – Psychiatrische Institutsambulanzen (PIAs) haben sich seit rund 30 Jahren zum unverzichtbaren Bestandteil der Versorgung von schwer psychisch kranken Patienten entwickelt. Über 200 Mitarbeiter von Psychiatrischen Institutsambulanzen und niedergelassene Fachärzte trafen sich am 26. und 27. Oktober in Frankfurt auf dem 2. Deutschen Ambulanztag. Unter dem Titel „Versorgungssituation schwer psychisch Erkrankter. Auftrag – Kosten – Chancen der ambulanten Behandlung“ bot die Veranstaltung mit wissenschaftlichen Vorträgen Gelegenheit zur Weiterbildung und zum fundierten, interkollegialen Austausch zwischen PIA-Mitarbeitern und mit niedergelassenen Kollegen.

Mit mittlerweile 418 PIAs besteht heute in Deutschland ein flächendeckendes Angebot zur ambulanten Versorgung schwer psychisch Kranker. Durch multiprofessionelle Behandlungs­teams und multimodale Therapiekonzepte können die Patienten hier auch längerfristig stabi­lisiert werden. „Durch die sehr gute Betreuung in den Ambulanzen und durch die niederge­lassenen Fachärzte können z.B. im Bereich Schizophrenie ca. 97 Prozent der Patienten 93 Prozent des Jahres ambulant versorgt werden“, erklärte Privatdozent Dr. Michael Riedel, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Etwa 30 Prozent der Patienten mit Schizophrenie werden in PIAs betreut.

Die Behandlung in den PIAs ist nicht in erster Linie in bestimmten Diagnosen begründet, sondern richtet sich nach der Schwere der Erkrankungen. Diese zeigt sich z.B. durch eine eingeschränkte Compliance der Betroffenen, Therapieabbrüche, therapierefraktäre Verläufe, häufige oder lange andauernde stationäre Krankenhaus-Aufenthalte und Multimorbidität.

Trotz der wichtigen Rolle, die PIAs in der ambulanten Versorgung spielen, wurde von vielen PIA-Ärzten ein Mangel an konsequent auf den Arbeitsbereich der PIAs ausgerichteten Fort­bildungen beklagt. Dies hat AstraZeneca im vergangenen Jahr zum Anlass genommen, die Initiative PlusPunkt PIA zu gründen, in deren Rahmen einmal jährlich der Deutsche Ambu­lanztag stattfindet. „Die Initiative bietet den PIA-Ärzten die Gelegenheit, im Sinne eines ‚Best-Practice-Sharing‘ voneinander zu lernen“, erklärte Professor Göran Hajak, Klinik und Polikli­nik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität am Bezirksklinikum Regensburg. „Dies geschieht zum einen hier auf dem Ambulanztag in den Vorträgen und im gemeinsamen Gespräch, aber auch durch die weiteren Elemente der Initiative.“ Neben dem jährlich stattfindenden Ambulanztag sind die Fortbildungsreihe „AmbulanzKolleg“ sowie das Internetportal www.pluspunkt-pia.de Kernelemente der Initiative.


Versorgung von psychisch Schwerkranken in PIAs

Psychiatrische Institutsambulanzen haben ihren Versorgungsauftrag in der ambulanten Ver­sorgung schwer psychisch Kranker. Die PIAs behandeln Patienten, die im niedergelassenen Bereich aufgrund der Schwere der Erkrankung nicht mehr ambulant versorgt werden könn­ten. Zu den häufigsten Krankheitsbildern zählen Schizophrenie, affektive Störungen, schwere Persönlichkeitsstörungen und Suchtkrankheiten mit Komorbiditäten und geronto-psychiatrische Krankheiten. Die Behandlung in den PIAs ist jedoch nicht in erster Linie in be­stimmten Diagnosen begründet, sondern richtet sich nach der Schwere der Erkrankungen.

Für ihre Arbeit stehen den PIAs verglichen mit dem niedergelassenen Bereich deutlich hö­here Budgets zur Verfügung. Die Vergütung der PIAs erfolgt außerhalb der vertragsärztli­chen Gesamtvergütung und wird direkt mit den Landesverbänden der GKV vereinbart. Auf­grund des wachsenden Kostendrucks im Gesundheitswesen ist auch der Handlungsspiel­raum der PIAs durch Rationierungseffekte und Einschränkung der Leistungskataloge zu­nehmend gefährdet. Eine weitere Verbesserung der Behandlungsqualität und der Effizienz in den PIAs ist deshalb wichtig, um die Erfolge, die in der ambulanten Versorgung von schwer psychisch Kranken erreicht worden sind, für die Zukunft zu sichern.


Initiative PlusPunkt PIA

Um die therapeutische Arbeit noch effektiver gestalten zu können, besteht bei den PIAs gro­ßes Interesse an Fortbildungen und dem Austausch untereinander und mit den niedergelas­senen Fachärzten. Aus diesem Grund hat AstraZeneca im Jahre 2006 die Initiative „Plus­Punkt PIA“ ins Leben gerufen. Diese Initiative möchte den Austausch zwischen Mitarbeitern von psychiatrischen Institutsambulanzen (PIAs), aber auch mit niedergelassenen Fachärzten und der Bevölkerung fördern.

Ziel der Initiative ist es, die Behandlungsqualität und die Effizienz an den PIAs sowie in der Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kollegen weiter auszubauen und die psychiatri­sche Versorgung psychisch Schwerkranker so für die Zukunft zu sichern. Auch will sich die Initiative dafür einsetzen, die Stigmatisierung und Ausgrenzung Erkrankter weiter abzu­bauen. „Pluspunkt PIA“ richtet sich in erster Linie an Fachärzte und Mitarbeiter der 418 deut­schen Institutsambulanzen sowie an die niedergelassenen Fachärzte.

  • Kernelemente der Initiative sind der jährlich stattfindende Ambulanztag, die Fortbildungsreihe „AmbulanzKolleg“ sowie das Internet-Portal www.pluspunkt-pia.de

 


Quelle: Pressekonferenz von AstraZeneca zum Thema „Zukunft PIA“ am 27.10.2007 in Frankfurt am Main (tB).
Schlagwörter: ,

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung