MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

DGVS fordert: Höhere Qualitätsstandards bei fäkalen Okkultbluttests

 

Berlin (23. März 2021) – Er ist völlig schmerzfrei, wird zu Hause durchgeführt und richtig angewendet liefert er zuverlässige Ergebnisse: der immunologische fäkale Okkultbluttest, kurz iFOBT. Auf dem Markt sind zurzeit mehr als ein Dutzend Tests, die sich in mehreren Punkten stark unterscheiden. Sie variieren beispielsweise darin, ab welcher Menge okkultem Blut sie reagieren und wie häufig sie nicht auswertbar sind. Hier fordert die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) einheitlich hohe Qualitätsstandards.

Der iFOBT ist Teil der Darmkrebsvorsorge. Dieser von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlte Stuhltest ist von den Anwendern zu Hause durchführbar und als Ergänzung zum Angebot der Vorsorgekoloskopie gedacht. 2017 hat er den bis dahin gebräuchlichen FOBT (fäkaler Okkultbluttest) abgelöst, der weniger sensitiv auf das Adenokarzinom reagiert hat und dessen Testergebnis durch die jeweilige Ernährungsweise des Testenden stark beeinflusst werden konnte. Dennoch gibt es Kritikpunkte: „In Deutschland werden nur zugelassene, also geprüfte Tests von den Krankenkassen bezahlt. Das sollte eigentlich für eine flächendeckend gleiche Qualität sorgen. Doch dem ist nicht so“, erklärt Professor Dr. med. Frank Kolligs, DGVS-Experte und Chefarzt der Inneren Medizin und Gastroenterologie am Helios Klinikum Berlin-Buch. „Im Jahr 2019 waren 12 verschiedene iFOB-Tests zugelassen. Der Schwellenwert für die Detektion von Blut im Stuhl war zwischen 4 und 25µg/g. Die Rate positiver Tests lag zwischen 1,9 und 20,3 Prozent“, führt Kolligs weiter aus.

Demnach kann bei ein und derselben Person ein positives oder negatives Ergebnis vorliegen, je nachdem, welcher Test benutzt wurde. Die große Varianz in der Sensitivität für die Detektion von Blut im Stuhl ist aber nicht der einzige Kritikpunkt: „Die Tests werden von den Anwendern selbst durchgeführt, die Einfachheit in der Anwendung ist daher ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Testes. Denn wird der Test falsch durchgeführt, ist er nicht auswertbar“, führt Kolligs weiter aus. Die Anzahl nicht auswertbarer Tests beträgt je nach Test und Hersteller zwischen 0,6 und 12 Prozent. „Letztlich müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass der Goldstandard der Darmkrebsvorsorge die Koloskopie ist, jeder iFOBT detektiert nur einen Teil aller Adenome und Karzinome. Entscheidend ist daher, dass wir nur die besten Tests einsetzen, um möglichst viele Darmkrebsfälle und Todesfälle an Darmkrebs zu verhindern“, erläutert Kolligs.

„Die Darmkrebsscreening-Strategie steht auf soliden Füßen. Wir brauchen aber ganz dringend weitere Informationen darüber, was die in Deutschland eingesetzten iFOBTs in der Routine leisten. Das bedeutet, dass wir in der Lage sein müssen nachzuvollziehen, wie die Ergebnisse der Koloskopien nach positivem iFOBT sind. Nur so werden wir in der Lage sein zu beurteilen, welche Rolle dem immunologischen fäkalen Okkultbluttest im Darmkrebsscreening zukommt und ob die Strategie, verschiedene Tests zu verwenden, richtig ist. Hier brauchen wir dringend Transparenz, um verlässliche Standards zu etablieren“, fordert Professor Dr. med Heiner Wedemeyer, Mediensprecher der DGVS.

 

 

Quellen

 

 

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten.

 

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) e.V., 23.03.2021 (tB).

Schlagwörter: , ,

MEDICAL NEWS

Perinatal patients, nurses explain how hospital pandemic policies failed them
Johns Hopkins Medicine expert creates comprehensive guide to new diabetes…
An amyloid link between Parkinson’s disease and melanoma
Ultrasensitive, rapid diagnostic detects Ebola earlier than gold standard test
Paranoia therapy app SlowMo helps people ‘slow down’ and manage…

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…
Typ-2-Diabetes: Vorteil mit Toujeo® in der Einstellphase – Geringeres Hypoglykämierisiko…
Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…
Neue Studie will Entstehung von Typ-1-Diabetes bei Kindern verhindern
Toujeo®: Ein Beitrag zu mehr Sicherheit für Menschen mit Typ-1-Diabetes

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie
Wie neuartige Erreger die Entstehung von Darmkrebs verursachen können
Onkologische Pflegekräfte entwickeln Hörspiel für Kinder: Abenteuer mit Alfons
Krebsüberleben hängt von der Adresse ab

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung
Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose
Multiple Sklerose: Immuntherapie erhöht nicht das Risiko für schweren COVID-19-Verlauf
Empfehlung zur Corona-Impfung bei Multipler Sklerose (MS)
Fallstudie: Beeinflusst SARS-CoV-2 Infektion die Multiple Sklerose?

PARKINSON

Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit
Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…