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Maßgebend: Wirksamkeit und Sicherheit von Lacosamid

 

Von Dr. med. Günter Krämer, CH – Zürich

 

Köln (5. September 2008) – Für die Zulassung eines neuen Antiepileptikums ist seine durch methodisch aussagekräftige Studien belegte Wirksamkeit und Sicherheit eine selbstverständliche und unabdingbare Vor­aussetzung. Die in den verschiedenen Zulassungsstudien erhobenen Daten zur Wirksamkeit wurden zusammenfassend bereits in dem Referat von Herrn Dr. Arnold vorgestellt und seine eigenen Erfahrungen beschrieben.

 

Für den klinischen Stellenwert spielen neben der Wirksamkeit und Sicherheit Fragen der Ver­träglichkeit eine zentrale Rolle. Kann das Medikament relativ rasch aufdosiert werden, sind die möglichen Nebenwirkungen  oder ist ein „Einschleichen“ über mehrere Wochen erforder­lich, sind die Nebenwirkungen vorübergehend, müssen Wechselwirkungen mit körpereigenen Stoffen (z.B. Geschlechtshormonen) oder anderen Medikamenten bedacht werden und ist das Nebenwirkungsprofil insgesamt so vorteilhaft, dass die behandelnden Ärzte ebenso wie die Patienten eine einmal begonnene Behandlung überwiegend beibehalten? So ist in diesem Zusammenhang von Interesse, dass über 90 % der Patienten aus den Zulassungsstudien das Angebot einer „offenen“ Weiterbehandlung im Rahmen einer offenen Langzeitbeobachtung annahmen und Lacosamid jetzt teilweise schon über acht Jahre einnahmen.

 

Gerade bei zunächst nur zur Zusatzbehandlung schwer behandelbarer Epilepsien zuge­lassenen Medikamenten hat sich die auch als Retentionsrate bezeichnete Beibehaltung eines Medikaments als Maß für den Erfolg einer Behandlung bewährt, auch weil nur selten eine Anfallsfreiheit als das übliche Behandlungsziel erreicht werden kann. Insbesondere auf län­gere Sicht gesehen ist die Retentionsrate auch aussagekräftiger als die für eine kurzfristige Bewertung meist benutzte Responderrate (= Prozentsatz der Patienten mit einer mindestens 50%igen Besserung der Anfallshäufigkeit).

 

Vergleiche der Retentionsraten verschiedener neuer Antiepileptika sind deswegen schwierig, weil sie überwiegend aus verschiedenen Zentren und verschiedenen Zeiträumen stammen und nicht randomisiert durchgeführt wurden. Eine kürzlich erschienene Übersicht aus einem US-amerikanischen Epilepsie-Zentrum lieferte vor Einführung von Lacosamid zumindest Daten aus einem Zentrum (Chung S et al. Seizure 2007; 6: 296-304). Die dort bei 828 Patienten er­hobenen Retentionsraten lagen nach zwei Jahren zwischen 44 und 74%. Der höchste Wert wurde von Lamotrigin erreicht, die Raten der nächsten beiden Substanzen (Zonisamid und Oxcarbazepin) lagen bei 60 bzw. 59%. Im Vergleich dazu konnte für Lacosamid nach zwei Jahren eine Retentionsrate von 61% bestimmt werden, was als ein sehr guter Wert angese­hen werden kann (Abb. 1).

 

Lacosamid hat eine „einfache“ Pharmakokinetik, kann unabhängig von den Mahlzeiten ge­nommen werden und wird nach oraler Gabe vollständig resorbiert. Die pharmakokinetischen Parameter sind dosisabhängig und linear; es stehen verschiedene Zubereitungsformen zur oralen und parenteralen Anwendung zur Verfügung. Lacosamid wird nur wenig an Plas­maprotein gebunden und nur teilweise metabolisiert, hat keine aktiven Wechselwirkungen und der Anteil im Blut wird durch stark enzyminduzierende Antiepileptika nur um ca. 25 % verringert. Die „unkomplizierten“ Eigenschaften der Substanz tragen zu ihrer guten Hand­habbarkeit, Sicherheit und Verträglichkeit bei. Die bisher vorliegenden, an über 1.300 Patien­ten erhobenen Daten zu Lacosamid zeigen, dass die Substanz auch dann die Häufigkeit foka­ler Anfälle verringern kann, wenn die Epilepsie auf andere neuere Antiepileptika einschließlich von Wirkstoffen wie Levetiracetam, Oxcarbazepin oder Topiramat nicht angesprochen hat.

 

 

Lacosamid: Retentionsraten (SP615).

 

 Abb. 1: Lacosamid: Retentionsraten (SP615).

 

 


 

Quelle: 4. Turmgespräch “Epilepsie” der Firma UCB Pharma am 05.09.2008 in Köln (Medizin und PR Gesundheitskommunikation) (tB).

 

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