Erster Preis des „Fine Star“ für Mobile Diabetesschulung Schleswig-Holstein

Bis Nordfriesland fit in Sachen Diabetes

 

Innovatives Modell für wohnortnahe, altersgerechte Schulung und Versorgung diabeteskranker Kinder wird Sieger des Bayer-Preises für kreative Kinderdiabetes-Projekte und gewinnt 10.000 Euro.

 

Die Mobile Diabetesschulung ermöglicht betroffenen Kindern und ihren Familien in Schleswig-Holstein eine wohnortnahe Betreuung und einen einheitlich hohen Therapiestandard. Im Rahmen der 5-tägigen wohnortnahen Schulungen erlernen die kleinen Patienten u.a. alles zum Thema Ernährung. Wiesbaden (31. Oktober 2008) – Nur ein einziges Kinderdiabeteszentrum –  und das ausgerechnet im dezentral gelegenen Lübeck –  gab es bis 1999 im gesamten Flächenland Schleswig-Holstein. Für 500 damals betroffene Kinder und die jährlich rund 70 neu an Diabetes erkrankten jungen Patienten bedeutete das, entweder lange Fahrten oder eine nicht speziell auf Kinder abgestimmte Therapie in Kauf nehmen zu müssen. Kein Wunder also, dass die Diabetes-Arbeitsgruppe im Schleswig-Holsteiner Sozialministerium fieberhaft nach Wegen suchte, die Unterversorgung  im Land zu beheben und allen betroffenen Kindern und ihren Familien eine wohnortnahe Betreuung und einen einheitlich hohen Therapiestandard zu ermöglichen.

 

Zu den wichtigsten Aufgaben der Mobilen Diabetesschulung Schleswig-Holstein (MDSH) gehört die Einstellung der Kinder auf die moderne Insulinpumpentherapie.

 

Abb.: Zu den wichtigsten Aufgaben der Mobilen Diabetesschulung Schleswig-holstein (MDSH) gehört  die Einstellung der Kinder auf die moderne Insulinpumpentherapie.

 

 

Ein innovatives Versorgungsprojekt musste auf die Beine gestellt werden, das altersgerechte Schulungen auch in abgelegenen Gebieten des Landes gewährleistete. Dr. Simone von Sengbusch, Kinderärztin und Diabetologin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, sollte es leiten. Unterstützt von der Diabetesberaterin Nicole Lunow nahm sie die Herausforderung an und hob ein Projekt aus der Wiege, das bis heute in Deutschland einzigartig ist: Die Mobile Diabetesschulung Schleswig Holstein (MDSH).

 

Unzählige Kilometer legen die beiden Expertinnen jedes Jahr in ihrem mit Schulungsmaterialien voll beladenen Privat-PKW zurück, um von Lübeck nach Flensburg , Heide, Itzehoe, Neumünster, Rendsburg und nach Kiel zu gelangen. 24 Schulungen pro Jahr führen sie an insgesamt acht Kliniken durch. Dabei galt es gerade am Anfang, viel Aufbauarbeit zu leisten, denn neben lokalen Schulungsterminen für Kinder und Beratungen für Eltern stand auch die Aus- und Weiterbildung des Klinikpersonals auf dem Programm.

 

Der Erfolg des Projektes ist der schönste Lohn für das MDSH-Team: Nach fast zehn Jahren intensiver Arbeit haben sich Versorgungsstruktur und Behandlungsstandard im ganzen Land deutlich verbessert – eine qualifizierte Therapie der Kinder ist inzwischen fast überall möglich.

 

Diese Leistung hat die Jury des Bayer-Preises für kreative Kinderdiabetes-Projekte überzeugt: Die Mobile Diabetes Schulung Schleswig Holstein gewinnt den mit 10.000 Euro dotierten 1. Preis des „Fine Star“. „Dieses Versorgungsprojekt für diabeteskranke Kinder ist deutschlandweit einmalig“, lobt  Prof. Dr. Thomas Danne, Mitglied der Fine Star Jury und Chefarzt am Kinderkrankenhaus auf der Bult in Hannover das zweiköpfige Team. „Hier wurden neue Wege gegangen, um eine chancengleiche gute Versorgung diabeteskranker Kinder in einer zuvor unterversorgten Region zu sichern“, ergänzt Jörn Oldigs, Leiter Bayer Diabetes Care.

 

Der Arzt kommt zum Patienten

Auch der neunjährige Nis Ove gehört zu den von Dr. Simone von Sengbusch und Nicole Lunow betreuten Kindern. Vor anderthalb Jahren wurde bei dem Jungen Diabetes diagnostiziert  – ein heftiger Einschnitt im Leben der Familie, die in einem kleinen Dorf in Nordfriesland, kurz vor der dänischen Grenze wohnt. Schon bald nach der Ersteinweisung tauchten im Alltag immer wieder Probleme auf, welche die Umstellung auf eine Insulinpumpentherapie nötig machte. Aber der nächste in dieser Therapie erfahrene Kinderdiabetologe war gut 100 Kilometer entfernt und auf einen Schulungsplatz in einer Fachklinik hätte Nis Ove lange warten müssen. Die Mobile Diabetesschulung Schleswig-Holstein“ (MDSH) konnte helfen: Für ihn und ein weiteres Kind kamen Dr. Simone von Sengbusch und Nicole Lunow in die nahe gelegene Kinderklinik Flensburg, um die Kinder vor Ort auf eine Insulinpumpe einzustellen und zu schulen. Nach einer Woche gingen Nis Ove und seine Eltern „glücklich und mit vielen neuen Informationen über Diabetes“ nach Hause, wo sie den Alltag seitdem leichter meistern und auch mit kritischen Situationen besser umgehen können .

 

Interdisziplinärer Austausch

Aber nicht nur für viele Familien, sondern auch für acht Kliniken im Land ist die Mobile Diabetesschulung Schleswig-Holstein mittlerweile unentbehrlich geworden. Thomas Brinkmeier, Diabetologe am Westküstenklinikum Heide, setzte sich mit einer Nominierung für den Fine Star persönlich für die MDSH ein: „Da die meisten Kinderkliniken personell noch nicht in der Lage sind, eigenständig strukturierte Schulungen anzubieten und die MDSH eine feste Institution in der Diabetesversorgung bei Kindern und Jugendlichen in Schleswig-Holstein geworden ist, muss es unser Ziel sein, dieses Projekt zu unterstützen.“ Neben der fachlichen Beratung und Vermittlung von medizinischem Know-how sind Simone von Sengbusch und Nicole Lunow aber auch die menschlichen und sozialen Aspekte ihrer Arbeit wichtig.

 

Gemeinsame Erlebnisse mit Gleichaltrigen fördern

Für sie bedeutet ihre Arbeit auch die Stärkung des Selbstvertrauens chronisch kranker Kinder, die Förderung der Motivation und das Schaffen gemeinsamer Erlebnisse. Doch es ist nicht immer selbstverständlich, dass diabeteskranke Kinder all das erleben können, was einem gesunden, altersgleichen Kind möglich ist. Bereits die Teilnahme an einer Klassenfahrt ist für ein Schulkind mit Diabetes und seine Betreuer eine echte Herausforderung.

 

Wie für den zehnjährigen Jonas aus Wapelfeld  im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Nichts wünschte er sich mehr, als mit seinen Mitschülern auf Klassenfahrt zu gehen. Doch wie sollte das gehen? Eltern und Lehrer sorgten sich um die Gesundheit des Viertklässlers. Wer sollte ihm helfen, wenn es unerwartete Probleme wegen seines Diabetes gab? Konnte dem Lehrer die Verantwortung für ein chronisch krankes Kind zugemutet werden? Die rettende Idee kam von der MDSH: Sie schulte den Lehrer, der Jonas auf der Klassenfahrt betreuen sollte. Was er dabei über seinen Schüler und dessen Erkrankung lernte, gab ihm die nötige Kompetenz und Sicherheit, ihn bedenkenlos mitzunehmen. So konnte Jonas als eines von vielen Kindern eine ganz normale Klassenfahrt erleben. Jonas‘ Mutter ist begeistert: „Dank des Einsatzes von Schulungsteam und Lehrer konnte Jonas ohne ‚lästige Eltern‘ auf Klassenfahrt gehen. Das ist für uns Integration!“

 


 

Quelle: Kirchheim Forum Diabetes der Firma Bayer zum Thema "Diabetes bei Kindern – Die Krankheit beherrschen lernen. Neue Aspekte der Epidemiologie und Therapie. Preisverleihung ‘Fine Star’" am 31.10.2008 in Wiesbaden (Goerke PR).

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung