Handeln bevor es zu spät ist:

Integrierte Versorgung – Chance für die Psychiatrie

 

Veranstaltung von AstraZeneca zum Thema Integrierte Versorgung am 14.09.07 in Hannover. Photo: Thomas BackeHannover/Wedel (17. September 2007) – Die Psychiatrie in Deutschland braucht innovative Versor­gungsmodelle, um auch in Zeiten erhöhten Kostendrucks zukunftsfähig zu bleiben. Integrierte Versorgungskonzepte bieten eine gute Möglichkeit, sowohl die Effizienz der psychiatrischen Versorgung als auch ihre Qualität weiter auszubauen. Von den bislang mehr als 4.000 abgeschlossenen Verträgen zur Integrierten Versorgung stammen jedoch nur 86 (laut DGPPN, September 2007) aus dem Bereich der Psychiatrie. Auf Initiative von AstraZeneca diskutierten Vertreter aus Medizin, Politik und Krankenkassen in Hannover über die Chancen, die integrierte Versorgungskonzepte für die Psychiatrie bieten.

 

Die Versorgung psychisch kranker Menschen ist mit hohen Kosten verbunden. Sie erfordert eine intensive und individuelle Betreuung. Durch hohe Rezidivraten und oft lange stationäre Aufenthalte sind viele Patienten zudem dauerhaft vom Erwerbsleben ausge­schlossen. Gebraucht werden deshalb innovative Versorgungsmodelle, die die Qualität der Behandlung weiter verbessern und gleichzeitig die Effizienz erhöhen. „Die medizinische Versorgung der Zukunft wird sich stärker an den unterschiedlichen Bedürfnissen einzelner Patienten oder Patientengruppen ausrichten“, erklärte Professor Volker Amelung von der Medizinischen Hochschule Hannover, Abteilung Epidemiologie, Sozial­medizin und Gesundheitssystem­forschung. „Dies erfordert neue Organisationsstrukturen, die vielfältiger und dadurch auch komplexer sind als heute. Integrierte Versorgungsmodelle sind hierfür ein vielversprechender Ansatz.“

 

Die Integrierte Versorgung (IV) ermöglicht eine bessere Kooperation zwischen den einzelnen Versorgungssektoren. Kurative, rehabilitative und auch präventive Maßnahmen können bes­ser aufeinander abgestimmt werden und der Übergang vom stationären in den ambulanten Bereich verläuft reibungsloser. IV-Verträge organisieren diesen Prozess mittels definierter Behandlungsstrukturen und verbesserter Kommunikation. „Kernpunkte integrierter Versor­gungsmodelle sind die Definition von Versorgungszielen, eine intersektorale Strukturierung durch klinische Behandlungspfade, die Evaluation der Versorgungsabläufe und Ziele sowie ein effektives Qualitäts- und Kostenmanage­ment“, sagte Dr. Frank Bergmann, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN). Obwohl viele der chronisch rezidivie­renden psychiatrischen Erkrankungen für solche sektor­übergreifenden Versorgungsformen geradezu prädestiniert sind, hat die Psychiatrie diese Möglichkeit bisher kaum genutzt. Nur 86 von mehr als 4.000 genehmigten Verträgen stammen aus dem psychiatrischen Bereich.

 

Die derzeitige Situation kann langfristige Folgen für die Versorgung haben, denn nach Abschluss der Modellphase (voraussichtlich Ende 2008) werden die Krankenkassen eine Auswertung aller Projekte vornehmen. Erfolgreiche Modelle können dann im Rahmen der Regelversorgung auf Dauer weiterfinanziert werden und Best Practice Modell für die psychiatrische Versorgung in Deutschland sein. „Die derzeitige Zurückhaltung ist deshalb – neben den finanziellen Einbußen – auch versorgungspolitisch fatal“, so Dr. Werner Kissling, Leiter des Centrums für Disease Management an der Psychiatrischen Klinik der Technischen Universität München. „Die Psychiatrie vergibt dadurch die Chance auf die Etablierung inno­vativer Versorgungsstrukturen.“

 

Dass Integrierte Versorgung in der Psychiatrie funktionieren kann, zeigen beispielhaft zwei Projekte aus München und Hamburg: Der „Arbeitsbereich Psychosen“ am Universitäts­klinikum Eppendorf in Hamburg stellt über die Sektorengrenzen hinweg sicher, dass Patienten möglichst früh erkannt und schnell behandelt werden. Ziel des „Münchner Modells“ ist es, die Compliance von Schizophrenie-Patienten in der Langzeittherapie zu verbessern. Die Evaluation beider Projekte wird von AstraZeneca gefördert. „Integrierte Versorgungs­modelle haben in der Psychiatrie ein großes Potential. Mit unserem Engagement in diesem Bereich möchten wir einen Beitrag für die Zukunft der psychiatrischen Versorgung leisten“, erklärte Dr. Michael Lange, Mitglied der Geschäftsleitung von AstraZeneca Deutschland.

 

Weiterführende Informationen

 

Arbeitsbereich Psychosen“ und „Münchner Modell“ – zwei Beispiele aus der Praxis

Der „Arbeitsbereich Psychosen“ am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg zielt auf eine möglichst frühzeitige Diagnose und ein schnelles Einsetzen individueller Therapien. An dem Projekt beteiligt sind ambulante und stationäre Einrichtungen der Erwachsenenpsychiatrie, niedergelassene Psychiater und Psychotherapeuten sowie weitere an den Arbeitsbereich Psychosen angegliederte Institutionen. Jeder Patient wird von einem eigens für ihn zusam­mengestellten Team aus Ärzten und festen Bezugspersonen fachspezifisch und über die Sektorengrenzen hinweg betreut. 24 Stunden täglich und 7 Tage die Woche stehen sozial­psychiatrische und psychotherapeutische Hilfen zur Verfügung.

Mit dem „Münchner Modell“ wird die Compliance von Schizophrenie-Patienten in Bezug auf die Rückfallprophylaxe verbessert. Auf Basis einer genauen Evaluierung der Ursachen für noncompliantes Verhalten wird mit jedem Patienten ein individuell abgestimmtes Comp­liance-Programm vereinbart. Dazu gehören Psychoedukation für Patienten und Ange­hörige, ein Frühwarnzeichentraining, ein Krisenplan, Hausbesuche, sozialpädagogische Maß­nahmen, Sport- und Freizeitaktivitäten sowie Erinnerungssysteme und Bonusanreize. Der Übergang von der Klinik in die Nervenarztpraxis wird den Patienten u. a. dadurch er­leichtert, dass sie sich kurz vor ihrer Entlassung bereits bei ihrem weiterbehandelnden Ner­venarzt vorstellen, der dafür auch ein angemessenes Honorar erhält.

 

Welche konkreten Vorteile diese beiden Modelle – der „Arbeitsbereich Psychosen“ in Hamburg und das „Münchner Modell“ – den Patienten und Leistungserbringern bieten, wird zurzeit wissenschaftlich umfassend ausgewertet. Diese Evaluierungsmaßnahmen werden von der AstraZeneca GmbH gefördert. Für das „Münchner Modell“ konnte in der bisher zweijährigen Laufzeit bereits ein Rückgang der stationären Wiederaufnahmen und der dabei anfallenden Krankenhaustage um mehr als 50 Prozent verzeichnet werden.

 

Quelle: Presse-Roundtable der Firma AstraZeneca zum Thema „Integrierte Versorgung – die ewige Zukunft? Wege zu mehr Lebensqualität für psychiatrische Patienten durch IV-Modelle“ am 14.09.07 in Hannover (GCI HealthCare).

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