MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

Herpesgefahr durch Textilien?

 

Herpes-simplex-Viren (HSV 1).Bönnigheim (20. März 2009) – Lippenherpes ist allseits unbeliebt, aber weit verbreitet: Er zählt in Deutschland zu den häufigsten Erkrankungen der Haut. Neben den bekannten Übertragungswegen der Herpeserreger durch den Speichel sowie der Verbreitung der Viren über Schmierinfektionen mit den Händen nach Aufkratzen der Lippenbläschen, legen aktuelle Untersuchungen des Instituts für Hygiene und Biotechnologie (IHB) an den Hohenstein Instituten einen weiteren möglichen Infektionsweg nahe – über Herpes-kontaminierte Textilien.

Mit Hilfe molekularbiologischer Analytik ist es den Hohensteiner Wissenschaftlern gelungen, die starke Haftung von Herpes-simplex-Viren (HSV 1, vgl. Abb. oben) an Textilien nachzuweisen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine Ansteckung beispielsweise also auch über Handtücher, Servietten sowie Geschirr- und Reinigungstücher erfolgen könnte, mit denen sich zuvor ein Herpes-Infizierter abgetrocknet hat.

Im Rahmen des Haftungsversuchs am IHB wurden kleine Textillappen direkt mit Viruspartikeln aus einer HSV 1-Suspension kontaminiert. Wie sich herausstellte, waren die Herpesviren auch noch nach 48 Stunden bei Raumtemperatur auf dem Textil vorhanden. Aufgrund von Untersuchungen, die von einer Dauerhaftigkeit von Herpes-simplex-Viren über acht Wochen auf harten Oberflächen berichten (Mahl und Sadler, 1975), kann man daraus schließen, dass sich vermutlich auch auf dem Textil infektiöse Partikel befanden.

Selbst nach einer 40°C-Wäsche mit einer haushaltsüblichen Maschine unter Verwendung von Haushaltswaschmittel lies sich die Virus-DNA auf den Läppchen nachweisen. Dies unterstreicht die hohe Anhaftung der Herpesviren am Textil, unabhängig davon, ob es sich dabei um infektiöse Partikel handelt oder nicht. Allerdings ist eine Ansteckung mit Herpes durch Textilien nach dem Waschgang aufgrund der empfindlichen Hüllmembran des Virus eher unwahrscheinlich, da diese im Hinblick auf die Infektiosität der Erreger eine wichtige Rolle spielt. Dennoch kann eine Infektionsgefahr anhand dieser ersten Ergebnisse nicht restlos ausgeschlossen werden.

Bei den an den Hohenstein Instituten nun etablierten molekularbiologischen Techniken des IHB erfolgt der Nachweis des Herpes-Erregers anhand seiner Nukleinsäure (DNA) durch eine spezifische Enzymreaktion. Dazu sind zwei Schritte notwendig: Zunächst wird die DNA aus den temperaturanfälligen HSV-Partikeln durch einen einfachen Hitzeschritt gewonnen, welcher die Virushülle aufbricht und die Nukleinsäure zugänglich macht. Anschließend wird bei der so genannten Polymerase-Kettenreaktion (PCR) dann ein definierter DNA-Abschnitt selektiv vermehrt. Dieser spezifische Virus-DNA-Abschnitt ist danach anhand seiner bestimmten Länge nachweisbar (vgl. Abb. 2).

Abb. 2: Spezifischer Virus-DNA-Abschnitt.

Abb. 2: Spezifischer Virus-DNA-Abschnitt.

Ziel der Wissenschaftler am Institut für Hygiene und Biotechnologie ist es, die erarbeiteten molekularbiologischen Techniken künftig neben der Forschung an Viren auch für verbraucherorientierte Dienstleistungen einzusetzen. Die erforderliche Genehmigung für gentechnische Arbeiten der Sicherheitsstufe 1 wurde dem IHB durch das Regierungspräsidium Tübingen erteilt. Die neue Forschungsdisziplin an den Hohenstein Instituten ermöglicht beispielsweise ein umfassendes Screening zur Haftung von unterschiedlichen Viren auf Textilien, um das Übertragungspotenzial durch Bekleidung und Textilprodukte genauer zu untersuchen. Die Erkenntnisse aus der Molekularbiologie könnten in Zukunft dann in die Entwicklung neuer Materialien einfließen, welche die Haftung und Verschleppung human- und tierpathogener Viren verhindern.


 

Quelle: Pressemitteilung der Hohenstein Institute vom 20.03.2009.

MEDICAL NEWS

Perinatal patients, nurses explain how hospital pandemic policies failed them
Johns Hopkins Medicine expert creates comprehensive guide to new diabetes…
An amyloid link between Parkinson’s disease and melanoma
Ultrasensitive, rapid diagnostic detects Ebola earlier than gold standard test
Paranoia therapy app SlowMo helps people ‘slow down’ and manage…

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…
Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…
Neue Studie will Entstehung von Typ-1-Diabetes bei Kindern verhindern
Toujeo®: Ein Beitrag zu mehr Sicherheit für Menschen mit Typ-1-Diabetes
Diabeloops Ziel: Baldige Marktpräsenz mit ​individuellen Lösungen zum Diabetes-Management für​ verschiedene…

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie
Wie neuartige Erreger die Entstehung von Darmkrebs verursachen können
Onkologische Pflegekräfte entwickeln Hörspiel für Kinder: Abenteuer mit Alfons
Krebsüberleben hängt von der Adresse ab

MULTIPLE SKLEROSE

Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung
Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose
Multiple Sklerose: Immuntherapie erhöht nicht das Risiko für schweren COVID-19-Verlauf
Empfehlung zur Corona-Impfung bei Multipler Sklerose (MS)
Fallstudie: Beeinflusst SARS-CoV-2 Infektion die Multiple Sklerose?

PARKINSON

Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit
Neue Studie zur tiefen Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung als Meilenstein der…