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Herzinsuffizienz:

Länger und besser leben mit der Telefonschwester

 

Berlin (18. August 2008) – Eine Telefonschwester trägt dazu bei, die Überlebenschancen und die Lebensqualität von Patienten mit Herzschwäche entscheidend zu verbessern. Die speziell zur Betreuung von Patienten mit Herzinsuffizienz geschulte Krankenschwester ist ein zentrales Element des interdisziplinären Betreuungsprogramms „HeartNetCare HF Würzburg“.

Hausärzte, Klinikärzte, Kardiologen und speziell ausgebildete Telefonschwestern arbeiten in diesem Programm eng zusammen und betreuen Patienten mit Herzschwäche nach festen Standards. Eine Studie hat jetzt die Wirksamkeit des mit finanzieller Unterstützung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) entwickelten Betreuungskonzepts geprüft. „Unsere Studienergebnisse beweisen, dass durch die nicht-medikamentöse Maßnahme eine wesentliche Lebensverlängerung und verbesserte Lebensqualität der Patienten erreicht werden kann“, erklärt Projektleiterin Professor Christiane Angermann von der Uniklinik Würzburg.

 

Lebensqualität über das Telefon

Sechs Monate beobachteten die Würzburger Wissenschaftler in einem Teilprojekt des Medizinischen Kompetenznetzes Herzinsuffizienz den Krankheitsverlauf von rund 700 Patienten mit Herzschwäche. Die Hälfte der Patienten wurde nach dem neuen interdisziplinären Konzept versorgt und bekam eine Telefonschwester zur Seite gestellt, die andere Hälfte der Teilnehmer erhielt die übliche Betreuung. Nach sechs Monaten Beobachtungszeit zeigte das neue Betreuungsprogramm überzeugende Vorteile für die Patienten: Lebensqualität und Herzschwäche besserten sich, die Überlebenschancen waren deutlich höher als bei den Patienten, die auf herkömmliche Weise versorgt wurden. Außerdem hatten die Patienten mit Telefonschwester am Ende des Beobachtungszeitraums im Schnitt vier Tage weniger im Krankenhaus verbracht als die Teilnehmer aus der Kontrollgruppe. Die Studienteilnehmer (29 Prozent Frauen, 71 Prozent Männer) waren im Mittel 68 Jahre alt, bei 40 Prozent war die Krankheit mittelschwer oder sogar schwer ausgeprägt.

 

Regelmäßig ruft die Telefonschwester ihre Patienten zum vereinbarten Termin an, je nach Schweregrad der Erkrankung ein- bis viermal pro Monat. Die 15- bis 20-minütigen Gespräche orientieren sich an mehreren detailliert vorgegebenen Fragebögen. Punkt für Punkt geht sie die Fragen durch: etwa ob der Patient in der letzten Woche zugenommen hat, unter Luftnot leidet oder die Knöchel angeschwollen sind. Neben diesen Symptomen, die auf eine verschlechterte Herzleistung hinweisen, prüft die Schwester, ob der Patient seine Herzmedikamente korrekt eingenommen hat und gibt Tipps zur richtigen Ernährung und körperlichen Aktivität. Bei wichtigen Veränderungen informiert sie den Hausarzt und schaltet bei Bedarf einen Kardiologen ein. Die Patienten nehmen die telefonische Betreuung sehr gut an. Viele haben ein persönliches und vertrauensvolles Verhältnis zu „ihrer“ Telefonschwester entwickelt. Sie fühlen sich sicher und wissen mehr über ihre Krankheit. Das motiviert sie, den Behandlungsplan einzuhalten und sich aktiv an der Krankheitsbewältigung – beispielsweise durch regelmäßiges Blutdruckmessen – zu beteiligen.

 

Eine Schwester für 120 Patienten

Die Telefonschwester unterstützt den Hausarzt bei der Versorgung der Patienten. Etwa 100 bis 120 Patienten kann eine einzige Vollzeit-Schwester mitbetreuen. Im Praxisalltag haben die behandelnden Ärzte meist nur wenig Zeit, ausführlich auf die Patienten einzugehen, sie ausreichend zu informieren und zu motivieren. Gerade Patienten mit Herzinsuffizienz benötigen eine intensive Betreuung. Die Erkrankung betrifft überwiegend ältere Menschen, von denen die Mehrzahl unter weiteren Krankheiten – etwa Nierenschwäche oder Arthrose – leidet. Die Einnahme zahlreicher Medikamente erhöht die Gefahr von Neben- und Wechselwirkungen, was die Therapie zusätzlich erschwert. Die Versorgungslage der herzinsuffizienten Patienten in Deutschland ist trotz geeigneter Diagnose- und Therapieverfahren daher oft unzureichend.

 

Erfahrungen in anderen Ländern haben gezeigt, dass eine individualisierte und interdisziplinäre Betreuung wesentlich zur Lösung dieser komplexen Problematik beitragen kann. Aktuelle Leitlinien empfehlen daher, derartige Programme in die Praxis umzusetzen. Welche Maßnahmen unter den Rahmenbedingungen des deutschen Gesundheitssystems geeignet sind, die Patienten mit Herzschwäche besser zu versorgen, war bislang jedoch unklar, weil dazu keine aussagekräftigen Daten vorlagen. Die Würzburger Forscher sind überzeugt, dass sich ihr Programm auch überregional erfolgreich einsetzen lässt. Angermann: „Mit unserem Betreuungskonzept stehen Wege zu einem im Vergleich zum gerätebasierten Telemonitoring relativ kostengünstigen Krankheitsmanagement bei herzinsuffizienten Risikopatienten offen. Es ist zu hoffen, dass die Kostenträger die Konsequenzen ziehen und die breite Anwendung des Konzepts finanzieren werden.“

 

 

Quelle: HOTLINE-Vortrag auf der Jahrestagung 2008 der Deutschen Gesellschaft für Herz- und Kreislaufforschung 

 

Abb. 1: Die beiden Kurven zeigen die Überlebensrate der Studienpatienten mit Herzschwäche je nach Art der Versorgung: Die blaue Kurve zeigt die Überlebensrate der Patienten mit Telefonschwester, die rote Kurve die der Patienten mit der üblichen Versorgung. Nach einem halben Jahr überlebten 93 Prozent der Patienten mit Telefonschwester im Gegensatz zu 85 Prozent der Patienten mit normaler Betreuung. Quelle: HOTLINE-Vortrag auf der Jahrestagung 2008 der Deutschen Gesellschaft für Herz- und Kreislaufforschung.

 

 

Ansprechpartnerin

 

Prof. Dr. Christiane Angermann
Universitätsklinikum Würzburg
Medizinische Klinik und Poliklinik I
Klinikstraße 6–8
97070 Würzburg
Tel.: 0931 201-70450
Fax: 0931 201-71240
E-Mail: angermann_c@medizin.uni-wuerzburg.de

 


Quelle: Newsletter Nr. 39, August 2008, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (18.08.2008).

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