MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

IQWiG veröffentlicht „Leitliniensynopse“ zu Versorgungsstandards bei Depression

Neues Produkt stellt Kernempfehlungen aus Leitlinien zusammen

IQWiGBerlin (21. Juli 2009) – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat ein Vorgehen entwickelt, mit dem sich in kurzer Zeit die Versorgungsstandards in einem Indikationsgebiet darstellen lassen. Basis sind evidenzbasierte Leitlinien, deren Empfehlungen von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu "Kernaussagen" zusammengefasst werden. Erstmals angewendet wurde die sogenannte Leitliniensynopse bei der unipolaren Depression. Die am 21. Juli vorgelegte Synopse bietet einen Überblick über die bestehenden Versorgungsstandards bei dieser Erkrankung im internationalen Vergleich und gibt Hinweise auf mögliche Lücken und Diskrepanzen in der Versorgungskette.

Vorgehen bildet Versorgungsqualität ab

Medizinische Leitlinien gelten als Schlüsselinstrumente um die Versorgungsqualität zu verbessern und zu sichern. Durch konkrete Handlungsempfehlungen sollen unangemessene Unterschiede reduziert und die Versorgung der Patienten verbessert werden. Leitlinien werden jedoch auch als Basis für Entscheidungen im Gesundheitswesen, wie z.B. bei der Formulierung von Anforderungen an Disease-Management-Programme genutzt und beeinflussen so zunehmend Strukturentscheidungen im Gesundheitswesen.

Werbung

Die neu vom Institut entwickelte "Leitliniensynopse", die Empfehlungen aus aktuellen evidenzbasierten Leitlinien zusammenstellt und synthetisiert, schafft einen Überblick über bestehende Versorgungsstandards zu einer Erkrankung – und zwar über die gesamte Versorgungskette hinweg. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um Aussagen über die Versorgungsqualität in einem Gesundheitssystem treffen zu können.

Schneller Überblick für politische Entscheider

Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der vorliegenden Leitliniensynopse war vor allem, dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) schnell ein übersichtliches Bild der vorhandenen Empfehlungen für die Versorgung von Patienten mit schwerer unipolarer Depression (einschließlich Prävention, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation) zu geben. Die Ergebnisse der Synopse dienen dem G-BA als Grundlage dafür, spezifische Arbeitsthemen zu priorisieren oder gezielte Qualitätsbewertungen durch das Qualitätsinsititut nach §137 SGBV zu initiieren.

Strenge Kriterien für Recherche und Auswahl

Für die Synopse hat das IQWiG eine fokussierte Recherche nach Leitlinien durchgeführt. Bei der Auswahl der Leitlinien legten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter strenge Kriterien an. Sie nahmen nur aktuelle und evidenzbasierte Leitlinien (publiziert ab 2005) auf, die in den Sprachen Deutsch oder Englisch vorlagen. Untersucht wurden nur Leitlinien, die sich auf Männer und Frauen im Alter von 18 bis 65 Jahren mit unipolarer Depression beziehen.

Im Gegensatz zu den Nutzenbewertungen des IQWiG erheben und bewerten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einer Leitliniensynopse keine Primärliteratur.

Kernaussagen fassen die wichtigsten Empfehlungen zusammen

Die wichtigsten Empfehlungen der Leitlinien wurden in Form von "Kernaussagen" zu einzelnen Versorgungsaspekten zusammengefasst. Die den Empfehlungen zugrundeliegenden Evidenz- bzw. Empfehlungsstärken wurden ebenfalls aggregiert und diesen Kernaussagen zugeordnet. So ist schnell nachvollziehbar, ob es Bereiche gibt, in denen die Standards auf schwacher Evidenz basieren oder in denen sich die Empfehlungen in einzelnen Ländern unterscheiden.

Einen Konzeptentwurf für dieses Verfahren hatte das Institut im Juni 2008 veröffentlicht. Nun liegt der vollständige Bericht vor.

Versorgungsstandards im internationalen Vergleich

In der vorliegenden Synopse konnten insgesamt 7 Leitlinien aus Deutschland, den USA, Kanada, Großbritannien und Neuseeland miteinander verglichen werden.

Die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) zur Depression sowie die Leitlinie des National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) befanden sich bei Abschluss des Arbeitspapiers in der Be- bzw. Überarbeitung und konnten nicht mit in den Vergleich aufgenommen werden.

Weitere Forschung zu einigen Versorgungsaspekten notwendig

Für viele Aspekte der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit unipolarer Depression gibt es bereits Standards, die auf hochwertiger Evidenz beruhen. Das gilt insbesondere für den Bereich der Pharmakotherapie. Allerdings wird bei der Synopse auch deutlich, dass es Versorgungsaspekte gibt, für die nur schwache oder gar keine Standards formuliert sind. Dies liegt häufig daran, dass keine Evidenz vorliegt oder dass die Evidenz unzureichend ist. Betroffen sind davon zum Beispiel einige Aspekte der pharmakologischen Behandlung (z. B. Suizidalität, Behandlung leichterer Depressionsformen) sowie der psychotherapeutischen und psychosozialen Behandlung (z. B. computergestützte kognitive Verhaltenstherapie, Bewegungstherapie). Gezielte Recherchen und weitere Studien könnten helfen, diese Lücken oder Unterschiede in der Versorgung zu beheben.

Für die Versorgungsbereiche "medizinische, soziale und berufliche Rehabilitation bzw. Wiedereingliederung", "Koordination von Maßnahmen und Kooperation der Versorger" sowie "Implementierung und Qualitätssicherung" gibt es zwar international evidenzbasierte Standards. Es sollten aber speziell auf das deutsche Gesundheitssystem anwendbare Modelle und Behandlungs- bzw. Implementierungskonzepte (weiter-) entwickelt und evaluiert werden.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Der vorliegende Bericht wurde in Form eines Arbeitspapiers im Rahmen des Generalauftrags erstellt. Um die wissenschaftliche Unabhängigkeit des Institutes zu verstärken, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Dezember 2004 einen Generalauftrag erteilt. Dieser ermöglicht es dem IQWiG, eigenständig Themen aufzugreifen und wissenschaftlich zu bearbeiten. Im Unterschied zu anderen Berichtsformen gibt es keine Fristen für die Publikation von Arbeitspapieren.


Quelle: Pressemitteilung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vom 21.07.2009.

MEDICAL NEWS

Perinatal patients, nurses explain how hospital pandemic policies failed them
Johns Hopkins Medicine expert creates comprehensive guide to new diabetes…
An amyloid link between Parkinson’s disease and melanoma
Ultrasensitive, rapid diagnostic detects Ebola earlier than gold standard test
Paranoia therapy app SlowMo helps people ‘slow down’ and manage…

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf
Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf bei Menschen mit Diabetes
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…
Typ-2-Diabetes: Vorteil mit Toujeo® in der Einstellphase – Geringeres Hypoglykämierisiko…
Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes gehören nicht zur Risikogruppe und…

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Assistierte Selbsttötung bei Krebspatienten: Regelungsbedarf und Ermessensspielraum
Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie
Wie neuartige Erreger die Entstehung von Darmkrebs verursachen können
Onkologische Pflegekräfte entwickeln Hörspiel für Kinder: Abenteuer mit Alfons

MULTIPLE SKLEROSE

Schwangere mit MS: Schadet Schubbehandlung dem Ungeborenen?
Multiple Sklerose: Ein Sprung sagt mehr, als viele Kreuzchen auf…
Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung
Erste tierexperimentelle Daten zur mRNA-Impfung gegen Multiple Sklerose
Multiple Sklerose: Immuntherapie erhöht nicht das Risiko für schweren COVID-19-Verlauf

PARKINSON

Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit