Inhalator Adasuve. Photo: TrommsdorffNeue Therapieoption im psychiatrischen Akutfall

Inhalatives Loxapin ermöglicht rasche Deeskalation bei agitierten Patienten

 

Frankfurt am Main (21. Juni 2013) – Akute Agitation tritt bei Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenie und bipolaren Störungen auf. Ohne rasche und effektive deeskalierende Intervention birgt sie die Gefahr einer unkontrollierten Zunahme der Erregtheit und kann den Patienten selbst, aber auch seine Umgebung gefährden. Die nicht-invasive Gabe eines rasch wirkenden Antipsychotikums ist die Therapie der ersten Wahl, um eine Eskalation zu vermeiden. Mit Adasuve® (Loxapin) ist jetzt erstmals eine inhalative Akuttherapie verfügbar. Die neue Therapieoption wurde auf einer Pressekonferenz der Firma Trommsdorff Arzneimittel in Frankfurt am Main vorgestellt [1].

 

Agitation beeinträchtigt Motorik, Affekte, Kognition und physiologische Parameter, erklärt Professor Dr. Dr. Michael Bauer aus Dresden. Ihr Verlauf ist dynamisch und zeitlich variabel und sie kann ohne frühzeitige Intervention zu unkontrolliertem gewalttätigem Verhalten eskalieren. Die frühe Deeskalation dagegen führt zur Entlastung des Patienten, der Ärzte und der Pflegekräfte. Typische motorische Symptome agitierter Patienten sind etwa Rastlosigkeit, motorische Unruhe oder wiederholtes Zupfen an der Kleidung. Kognitive Anzeichen finden sich in feindseligem oder aggressivem Verhalten, inadäquater verbaler Aktivität wie Beschimpfungen oder Bedrohungen sowie sozial unangepasstem Verhalten wie z.B. dem Ausziehen der Bekleidung. Affektive Störungen zeigen sich in veränderter Lautstärke und Stimmdynamik sowie in ängstlicher, wütender oder gereizter Stimmung. Aber auch Vitalparameter wie Puls, Blutdruck und Körpertemperatur der Patienten können gesteigert sein.

 

Primär sollten bei agitierten Patienten schwere und bedrohliche organische Komplikationen wie neurologische Läsionen, Kopfverletzungen, internistische Erkrankungen oder Intoxikationen ebenso ausgeschlossen werden wie nichtpsychotische Störungen, etwa posttraumatische Belastungen oder akuter Stress. Verhalten sich Patienten streitsüchtig, unkooperativ oder potenziell gewalttätig, sind zunächst deeskalierende Maßnahmen wie Reizabschirmung, ruhige Gesprächsführung sowie die Entfernung potenziell gefährlicher Gegenstände angezeigt. Führen diese nicht zum Erfolg, sollten agitierte Patienten durch eine geeignete Medikation zurück in die Therapiefähigkeit gebracht und anschließend umgehend mit der Standardtherapie weiterbehandelt werden („rapid tranquilisation“). „Ein ideales Medikament für die Akutsituation sollte eine schnelle, beruhigende, aber nicht stark sedierende Wirkung haben, bei gutem Sicherheitsprofil nicht-invasiv und möglichst oral applizierbar sein und zugleich die Grunderkrankung positiv beeinflussen“, so Bauer.

 

 

Schnelle Freisetzung des Wirkstoffs

 

Diesem Anforderungsprofil entspricht inhalatives Loxapin (Adasuve®). Es wirkt als Antagonist mittelpotent auf Dopamin D2- und hochpotent auf 5HT2A-Rezeptoren und vereint damit Eigenschaften typischer und atypischer Antipsychotika, wie Professor Dr. Hans Peter Volz aus Werneck berichtet. Das innovative Staccato® Inhalationssystem ist ein Einzeldosis-Inhalator. Das heißt, der Inhalator bewirkt mit einem einzigen Atemzug eine rasche Verdampfung der Wirksubstanz und damit die Applikation einer wirksamen Einzeldosis eines Loxapin-Aerosols. Binnen zwei Minuten – ähnlich rasch wie bei intravenöser Gabe – werden maximale Plasmaspiegel erzielt. Oral oder intramuskulär verabreichte Antipsychotika benötigen hierfür zwischen zwölf und über 60 Minuten. Nach rascher Elimination aus Plasma und Gewebe wird die Substanz überwiegend in der Leber metabolisiert und bei einer terminalen Eliminationshalbwertzeit von 6-8 Stunden binnen 24 Stunden im Urin oder den Faeces ausgeschieden. Die Pharmakokinetik wird dabei weder durch Alter, Geschlecht, Rasse, Körpergewicht noch durch Rauchen beeinflusst.

 

 

Signifikante Reduktion der Agitation

 

Im Mittelpunkt des klinischen Studienprogramms zu Adasuve® mit über 1.000 Patienten stehen zwei zulassungsrelevante Phase-III-Studien bei insgesamt 658 Patienten mit jeweils langjährig bestehender Schizophrenie [2] (n=344) bzw. bipolarer Störung Typ I [3] (n=314), so Professor Dr. Georg Juckel aus Bochum.

 

Randomisiert, doppel-blind und Placebo-kontrolliert wurde hier die Wirkung von inhalativem Loxapin in zwei Dosierungen (5/10 mg) untersucht. Ausgeschlossen waren Patienten mit COPD und Asthma, bekannten Risikofaktoren für respiratorische Ereignisse. Primärer Endpunkt war in beiden Studien die Änderung des PANSS-EC (PEC)-Scores (Positive and Negative Syndrome Scale/Excitement Component) zwei Stunden nach Inhalation versus Baseline. Wichtigster sekundärer Endpunkt war die Veränderung im CGI-I (Clinical Global Impression-Improvement).

 

In beiden Studien wurde die akute Agitation im PANSS-EC (PEC)-Score durch Verum schon nach zehn Minuten, aber auch zu allen anderen Zeitpunkten im Vergleich zu Placebo dosisabhängig und statistisch hochsignifikant reduziert. Zu einer klinisch relevanten Abnahme des PANSS-EC (PEC)-Scores um mindestens 40 Prozent kam es unter Verum in beiden Studien bei etwa 70 Prozent der Patienten.

 

Die Schizophrenie-Patienten hatten zu 57 Prozent (5 mg) bzw. zu 67 Prozent (10 mg) eine starke oder sehr starke Verbesserung im CGI-I im Vergleich zu Placebo (36 Prozent). Bei Patienten mit bipolaren Störungen besserte sich der CGI-I bei 66 Prozent (5 mg) bzw. 74 Prozent (10 mg) stark oder sehr stark, unter Placebo dagegen nur bei 28 Prozent der Studienteilnehmer. Die höhere Dosierung erwies sich dabei in allen Punkten als stärker wirksam.

 

 

Adasuve®: Sicher und gut verträglich

 

Häufigste Nebenwirkungen unter inhalativem Loxapin waren Geschmacksstörungen und Sedierung bzw. Somnolenz. Dagegen wurden Blutdruck und kardiologische Parameter (QTc-Intervall) nicht beeinflusst. Die von klassischen Neuroleptika bekannten extrapyramidalen Symptome waren sehr selten und traten bei weniger als zwei Prozent der Patienten auf. Patienten ohne Atemwegserkrankungen hatten, selbst wenn sie Raucher waren, nur ein sehr geringes Risiko von Bronchospasmen, die zudem mit kurzwirksamen Bronchodilatatoren sicher behoben werden konnten. Dank des schnellen Wirkeintritts und der guten Verträglichkeit sieht Juckel damit in inhalativem Loxapin einen neuen Standard in der Aggressionstherapie bei psychiatrischen Erkrankungen. Er erwartet sich davon ein deutlich erleichtertes Management akuter Agitation für die Patienten und für das gesamte therapeutische Umfeld.

 

 

Die Markteinführung von Adasuve® ist für das dritte Quartal 2013 geplant. Adasuve 9,1 mg einzeldosiertes Pulver zur Inhalation wird dann in Packungsgrößen mit je einem Einzeldosis-Inhalator zur Verfügung stehen. Adasuve® ist eine neue Therapieoption zur schnellen, nicht-invasiven und einfach anwendbaren Behandlung agitierter Patienten bei einfacher Einmalgabe. Photo: Trommsdorff

 

Die Markteinführung von Adasuve® ist für das dritte Quartal 2013 geplant. Adasuve 9,1 mg einzeldosiertes Pulver zur Inhalation wird dann in Packungsgrößen mit je einem Einzeldosis-Inhalator zur Verfügung stehen. Adasuve® ist eine neue Therapieoption zur schnellen, nicht-invasiven und einfach anwendbaren Behandlung agitierter Patienten bei einfacher Einmalgabe.

 

 

Quelle

 

[1] Pressekonferenz der Trommsdorff GmbH & Co. KG Arzneimittel: „Agitationstherapie im Umbruch: ADASUVE® – erstes und einziges inhalatives Antipsychotikum“. Frankfurt am Main, 21. Juni 2013.

 

 

Literatur

 

[2] Lesem MD et al. Rapid acute treatment of agitation in individuals with schizophrenia: multicentre randomised placebo-controlled study of inhaled loxapine. Brit J Psychiatry 2011, 198:51-58

[3] Kwentus J et al. Rapid acute treatment of agitation in patients with bipolar I disorder: a multicenter, randomized, placebo-controlled clinical trial with inhaled loxapine. Bipolar Disord 2012; 14; 31-40

 


 

Quelle: Trommsdorff GmbH & Co. KG Arzneimittel, 21.06.2013 (tB). signum[pr .

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