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Escitalopram – effektiv in einem breiten Indikationsspektrum

 

Von Prof. Dr. med. Hans-Peter Volz

 

Frankfurt am Main (17.November 2005) – Im Jahr 2003 wurde Escitalopram, das pharmakologisch aktive S-Enantiomer des Razemats Citalopram, in Deutschland zur Behandlung depressiver Störun­gen zugelassen. Escitalopram ist der selektivste aller selektiven Serotonin-Wie­deraufnahme-Hemmer (SSRI), d. h. die Substanz hemmt nahezu aus­schließlich den Serotonin-Transporter.

Neben dieser Selektivität als besonderes Charakteristikum weist Escitalopram eine ausgeprägte antidepressive Effektivität auf: In Vergleichsuntersuchungen zu Citalopram, das doppelt so hoch dosiert wurde, war es effektiver, d. h. es ver­minderte die depressive Symptomatik schneller und ausgeprägter (z. B. Gorman et al., 2002; Abb. 1, Tab. 1), besonders bei schwer depressiven Patienten.

 

 

Abb. 1 

 

Abb. 1: Meta-analytischer Vergleich Escitalopram, Citalopram und Placebo bei depressiven Pati­enten (CIT=Citalopram, ESC=Escitalopram) (nach Gorman et al., 2002).

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Diese sehr gute und anderen SSRI überlegene antidepressive Wirksamkeit zeigte sich auch in Vergleichsstudien mit dem dual-wirksamen Venlafaxin: So­wohl in mittleren als auch in hohen Dosen war Escitalopram Venlafaxin bei deutlich besserer Verträglichkeit zumindest ebenbürtig, bei den schwer Depres­siven zeigte sich wiederum ein Wirkvorteil des neuen SSRIs (Montgomery et al., 2004; Bielski et al., 2004).

 

 

Tab. 1 

 

Tabelle 1: Zeitpunkt bis zum Auftreten eines ersten signifikanten Unterschiedes gegenüber Plazebo (ESC=Escitalopram; CIT=Citalopram; MADRS=Montgomery-Åsberg-Depression-Rating Scale; CGI-I=Clinical Global Impression-Improvement) (nach Gorman et al., 2002).

 

 

Diese starke antidepressive, dem razemischen Gemisch Citalopram überlegene Wirksamkeit, zeigte sich auch in tierpharmakologischen Untersuchungen. In sol­chen Modellen konnte auch nachgewiesen werden, dass die Wirkung von Esci­talopram durch Zugabe von R-Citalopram immer stärker gehemmt wird. Es wird heute angenommen, dass reines Escitalopram am Serotonin-Transporter eine deutlich ausgeprägtere Hemmung hervorruft als Escitalopram und R-Citalopram (z. B. als razemisches Gemisch Citalopram) gemeinsam verabreicht, da R-Cita­lopram an einer zweiten Bindungsstelle des Transporters bindet und die blockie­rende Eigenschaft von Escitalopram abschwächt. Wird ausschließlich Escita­lopram gegeben, so bindet dieses anstatt R-Citalopram an dieser zweiten Bin­dungsstelle und verstärkt die Blockade.

 

In der Bevölkerung noch häufiger auftretend als Depressionen sind die Angststö­rungen, die nach ICD-10 in zwei Gruppen eingeteilt werden können: Angst tritt nur in bestimmten Situationen auf (Phobien), die Angst tritt losgelöst von solchen spezifischen Umständen auf (Panikstörung und generalisierte Angststörung) (Abb. 2). Escitalopram ist in einem breiten Spektrum der Angststörungen erwie­senermaßen wirksam. Bereits früh wurde die Substanz für die Behandlung der Panikstörung zugelassen, im Frühjahr 2004 auch für die Pharmakotherapie der sozialen Phobie, aktuell für die Behandlung der generalisierten Angststörung.

 

 

 

Abb. 2 

 

Abb. 2: Klassifikation der Angststörungen nach ICD-10.

 

 

 

Somit können die häufigen psychiatrischen Erkrankungen, die Depression und weite Teile der Angststörungen, mit Escitalopram effektiv und nebenwirkungsarm behandelt werden. Dies stellt einen entscheidenden Vorteil dieses hochselekti­ven SSRIs dar, nicht zuletzt da Depressionen und Angststörungen häufig komor­bide auftreten.

 

 

Literatur

 

  1. Bielski RJ; Ventura D; Chang CC: A Double-blind comparison of Escitalopram and Ven­lafaxine Extended Release in the treatment of major depressive disorder. J Clin Psy­chiatry 65: 1190-1196 (2004)
  2. Gorman JM; Korotzer A; Su G: Efficacy comparison of Escitalopram and Citalopram in the treatment of major depressive disorder: pooled analysis of placebo-controlled tri­als. CNS Spectrums 7 (Suppl 1): 40-44 (2002)
  3. Montgomery SA; Huusom AKT; Bothmer J: A randomised study comparing Escitalopram with Venlafaxine XR in primary care patients with major depressive disorder. Neu­ro-psychobiology 50: 57-64 (2004)

  

Verfasser

 

Prof. Dr. med. Hans-Peter Volz
Krankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie
Schloss Werneck
Balthasar-Neumann-Platz 1
97440 Werneck

 


 

Quelle: Vortrag, gehalten auf einer Pressekonferenz der Firma Lundbeck zum Thema „Cipralex® – die neue Kraft bei Depression und generalisierter Angststörung“ am 17. November 2005 in Frankfurt am Main (Gianni Public Relations) (tB).

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