Photo: Gilead SciencesTherapie der chronischen Hepatitis B

Add-on-Strategie gegen virale Resistenzen

 

München (12. Juli 2007) – Die meisten Patienten mit einer chronischen Hepatitis B benötigen eine Langzeitbehandlung mit Nukleos(t)idanaloga. In der Monotherapie ist dabei Adefovirdipivoxil (Hepsera®) aufgrund seiner Effektivität, seiner Verträglichkeit und seines vorteilhaften Resistenzprofils eine wichtige Therapieoption. Darüber hinaus wird Adefovirdipivoxil in den neuen Konsensus‑Leitlinien der DGVS 2007 (2) als Add-on-Therapie bei Lamivudin‑resistenten Patienten empfohlen. Mit dieser Strategie lässt sich die Entwicklung von Mehrfach‑Resistenzen weitgehend verhindern, betonten PD Dr. Holger Hinrichsen, Kiel, und Dr. Florian van Bömmel, Berlin, auf einem Workshop des Unternehmens Gilead am 12. Juli 2007 in München.

 

Ziel der Therapie einer chronischen Hepatitis B ist eine zuverlässige und anhaltende Suppression der Virusvermehrung, denn die Höhe der Viruslast ist ein wichtiger Marker für die Langzeitprognose der Betroffenen.

 

Gute Langzeitergebnisse mit Adefovirdipivoxil‑Monotherapie

Da alfa‑Interferon nur bei wenigen Patienten indiziert ist, wird in der Regel mit einer Nukleos(t)idanaloga‑Monotherapie begonnen. Diese kann ‑ solange die Viruslast bei regelmäßiger Kontrolle unter der Nachweisgrenze bleibt ‑ über Jahre beibehalten werden. Aufgrund seiner Wirksamkeit und Verträglichkeit ist Adefovirdipivoxil (Hepsera®) dafür besonders gut geeignet, denn sowohl HBeAg-positive als auch HBeAg-negative Patienten profitieren unter Adefovirdipivoxil von steigenden Ansprechraten mit zunehmender Therapiedauer.(3,4)

 

Nur wenige Resistenzen unter Adefovirdipivoxil

Da das Hepatitis-B-Virus ähnlich wie das HI‑Virus eine hohe Mutationsrate aufweist, spielen Arzneimittelresistenzen bei der Behandlung einer chronischen Hepatitis B eine wichtige Rolle. Virusmutanten, die gegen eine bestimmte Substanz resistent sind, können aufgrund des Selektionsdrucks unter der Be­handlung mit diesem Arzneimittel stärker replizieren. „Wird das Therapieregime jetzt unverändert beibehalten, kommt es zu einem Wiederanstieg der Viruslast, dem virologischen Breakthrough und zum Fortschreiten der Erkrankung“, erläuterte PD Dr. Holger Hinrichsen.

 

Besonders häufig sind Resistenzen gegen das Nukleosidanalogon Lamivudin: Hier sprechen nach fünf Jahren fast 80 Prozent der Patienten nicht mehr auf die Therapie an.(5,6) Unter der Behandlung mit Adefovirdipivoxil sind Resis­tenzen dagegen vergleichsweise selten. Hier profitierten auch nach fünf Jahren immer noch 70 Prozent der Patienten von einer anhaltenden Verbesserung ihrer Leberfibrose.(7)

 

Add‑on statt sequenzieller Monotherapie

Kann mit der initialen Monotherapie keine komplette Suppression der Virus­vermehrung erreicht werden, wird heute nicht mehr auf ein anderes Nukleos(t)idanalogon umgestellt, sondern ein zusätzliches Virostatikum verabreicht (Add-on-Strategie). Dabei werden Substanzen kombiniert, die unterschiedliche Resistenzprofile aufweisen oder die aus verschiedenen Wirkstoffklassen stammen, betonte van Bömmel. So sollte gemäß der aktuellen DGVS-Leitlinie bei einer Lamivudin‑Resistenz möglichst frühzeitig zusätzlich Adefovirdipivoxil verabreicht werden.

 

Abb.: Abb.: Algorithmus zur Nukleos(t)id-Analoga-Therapie. Quelle: Berg T., Gastroenterologe 2006, 1:117-125

 

Abb.: Algorithmus zur Nukleos(t)id-Analoga-Therapie. Quelle: Berg T., Gastroenterologe 2006, 1:117-125

 

Studiendaten unterstützen diese neue Strategie: So trat in einer aktuellen Untersuchung von Lampertico et al. nach Addition von Adefovirdipivoxil zu einer fortlaufenden Lamivudin-Therapie im Laufe von drei Jahren keine Resistenz gegen Adefovirdipivoxil auf (0 % in 3 Jahren). Je früher im Verlauf einer Lamivudin-Resistenzentstehung Adefovirdipivoxil addiert wurde, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, dass die Viruslast unter der Nachweisgrenze blieb bzw. unter die Nachweisgrenze sank.(8,9)

 

Quellen

 

  1. Interaktives Medienseminar „Basiswissen für Journalisten zu Resistenzen und Hepatitis B", München, 12. Juli 2007
  2. M. Cornberg et al. Z Gastroenterol 2007 ;45 : 1‑50 
  3.  Marcellin et al. N Engl J Med 2003; 348: 808‑816 
  4.  Marcellin et al. Hepatology 2004; 40 (Suppl. 1),655 A :1135
  5. Lai et al. Clin Inf Dis 2003
  6. Man Fun Yuen et al. Hepatology 2005 42, Suppl. 1, 583A :985
  7. Hadzyannis et al. Hepatology 2005 (Suppl. 2), LB 14
  8. Lampertico P et al. Hepatology 2005; Vol 42, No. 6 
  9.  Lampertico P et al. Hepatology 2006, 44 (Suppl. 2): 38

 

Chronische Hepatitis B ist eine schwerwiegende Erkrankung, die durch eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) verursacht wird. Bei etwa 5 Prozent der Infizierten kommt es zu einer chronischen Verlaufsform. Etwa 30 Prozent der chronisch HBV-infizierten Patienten entwickeln unbehandelt eine Leberzirrhose, etwa 5‑10 Prozent ein hepatozelluläres Karzinom. Eine chronische Hepatitis‑B‑Infektion ist weltweit die häufigste Ursache für ein Leberkarzinom. Weltweit sind Schätzungen zufolge mehr als 350 Millionen Menschen chronisch mit dem HBV­Virus infiziert, in Deutschland sind etwa 500.000 Menschen betroffen.

 

Hepsera® enthält 10 mg Adefovirdipivoxil pro Tablette und wird einmal täglich oral verabreicht. Das Nukleotidanalogon hemmt die viruseigene DNA-Polymerase, ein Enzym, das zur Replikation des Virus nötig ist. Das Präparat ist in Deutschland und 16 weiteren Ländern der Europäischen Union zugelassen zur Behandlung der chronischen Hepatitis B bei Erwachsenen mit kompensierter Lebererkrankung mit nachgewiesener aktiver Virusreplikation, kontinuierlich erhöhten Serum-Alanin-Aminotransferase-(ALT)-Werten sowie histologischem Nachweis einer aktiven Leberentzündung und Fibrose. Außerdem bei dekompensierter Lebererkrankung. Adefovirdipivoxil (Hepsera®) erreicht eine anhaltende Suppression der Virus-DNA-Spiegel, eine Normalisierung der GPT-Werte, histologische Verbesserung und bei H13eAg‑positiven Patienten eine HBeAg‑Serokonversion.

 

Gilead Sciences (Nasdaq: GILD) ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das Therapeutika erforscht, entwickelt und vertreibt, die weltweit einer Verbesserung der Behandlung von Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen dienen. Das Unternehmen vertreibt derzeit fünf Produkte und konzentriert sich in Forschung und klinischer Entwicklung auf den Bereich der Infektiologie. Gilead Sciences Inc., mit Firmenhauptsitz in Foster City, Kalifornien, unterhält Niederlassungen in den USA, Europa und Australien. Der deutsche Firmensitz befindet sich in Martinsried bei München.


Quelle: Interaktives Medienseminar der Firma Gilead Sciences zum Thema „Basiswissen für Journalisten zu Resistenzen und Hepatitis B“ am 12. Juli 2007 in München (3K-Agentur für Kommunikation).

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