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Überraschende Ergebnisse:

Neue Studie zum Gestationsdiabetes auf Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft vorgestellt

 

  • Gynäkologen empfehlen GDM-Screening für jede Schwangere
  • Umsetzung im Praxisalltag jedoch nicht ausreichend etabliert

 

Schwangerschaftsdiabetes. Photo: Bayer Vital GmbHLeipzig (20. Mai 2009) – 90 Prozent aller niedergelassenen Gynäkologen empfehlen bei jeder Schwangeren ein Screening auf Gestationsdiabetes (GDM). So lautet die überraschende Kernaussage einer Studie, die zwischen Juni und November 2008 von der Forschergruppe Diabetes der TU München mit Unterstützung von Bayer Diabetes Care durchgeführt wurde. „Es ist positiv zu werten, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit durchgängig vorhanden ist“, kommentiert Studienleiter Priv.Doz. Martin Füchtenbusch das Ergebnis, „dennoch wissen wir, dass das Screening in der Realität zu selten durchgeführt wird“. Auch Dr. Helmut Kleinwechter, Sprecher der AG Diabetes und Schwangerschaft der DDG sagt: „Die Perinatalstatistik der Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung (BQS) zeigt, dass der Schwangerschaftsdiabetes in Deutschland noch immer in mehr als 50 Prozent aller Fälle übersehen wird – mit teils gravierenden Folgen für Mutter und Kind“. Gründe sehen die Experten vor allem in der unklaren und uneinheitlichen Vergütungs­situation: In den meisten Bundesländern ist das Screening eine IGeL Leistung, die den Patientinnen mit 10 bis 30 Euro berechnet wird. „Sozial schwächer gestellte Frauen verzichten deshalb häufig auf den Test – und das, obwohl gerade sie ein hohes Risikopotential haben“, so Kleinwechter. Die Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Schwangerschaft der DDG fordert deshalb, das GDM-Screening als Kassenleistung für alle Patientinnen anzubieten.



Diagnostik verbesserungswürdig

Wird ein Screening tatsächlich durchgeführt, so verwenden dafür nur etwa 71 Prozent der Gynäkologen den empfohlenen vollständigen oralen Glukosetoleranztest (oGTT) mit 75 g Glukose. Die restlichen 29 Prozent wenden zunächst den 1h-Challenge-Test an, der unabhängig von der Tageszeit durchgeführt werden kann, aber nach Meinung der Experten nicht die erforderliche Präzision bietet. Zu bemängeln sei auch, so Studienleiter Füchtenbusch, dass fast die Hälfte der Gynäkologen den Blutzucker im Belastungstest mittels Handblutzuckermessgerät erfasst, anstatt die empfohlene qualitätskontrollierte Laborbestimmung durchzuführen. „Blutzuckermessgeräte eignen sich hervorragend zur Selbstkontrolle im Rahmen der Therapie, nicht jedoch für die Erstdiagnose“, so Füchtenbusch.

 

Unsicherheit hinsichtlich der anzuwendenden Grenzwerte

Mehr als 80 Prozent der befragten Gynäkologen gaben an, die Leitlinien-Grenzwerte für den oGTT (Nüchternwert 90 mg/dl, 1-Stundenwert 180 mg/dl, 2-Stundenwert 155 mg/dl, kap.Vollblut) zu verwenden. Fast jeder Fünfte jedoch würde niedrigere Werte ansetzen. Studienleiter Füchtenbusch: „Leider konnte auch die HAPO-Studie (Hyperglycemia and Adverse Pregnancy Outcomes, Erstveröffentlichung: New England Journal of Medicine 2008, May 8;358(19):1991-2002) bis zum jetzigen Zeitpunkt keine verbindliche Antwort auf die Grenzwert-Frage geben, weil sie zeigte, dass das Risiko linear mit den Blutzuckerwerten ansteigt. Ein Schwellenwert, der die Grenze zum Gefährdungsbereich eindeutig markiert, war nicht erkennbar“. Helmut Kleinwechter erwartet dennoch, dass in Kürze eine verbindliche Leitlinie herausgegeben wird.

 

Diabetologen gut vorbereitet

Wird ein GDM diagnostiziert, überweist die große Mehrheit der niedergelassenen Gynäkologen die Patientin an einen Diabetologen. Privatdozent Dr. Martin Füchtenbusch: „Unsere Studie zeigt, dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit bereits sehr gut etabliert ist“. Auch im Falle eines generellen Screenings für alle Schwangeren und einer daraus resultierenden höheren Prävalenz sehen sich die Diabetologen gut vorbereitet: „Auf die deutschlandweit etwa 10.000 niedergelassenen Gynäkologen kommen rund 1.100 diabetologische Schwerpunktpraxen, die sich der diagnostizierten Fälle annehmen und eine gute Versorgung gewährleisten könnten“, so Kleinwechter.

 

Bayer Diabetes Care bietet Praxis-Infomaterial für Gynäkologen

Mit einem Info- und Servicepaket rund um das Thema Gestationsdiabetes will Bayer Diabetes Care dazu beitragen, Schwangere für ein Screening zu sensibilisieren. Niedergelassene Gynäkologen können das Material kostenlos unter der Service Hotline 0180 5103085 (8.00 Uhr bis 18.00 Uhr, 0,14 € pro Minute aus dem Festnetz) oder per Fax unter 0180 2030500 bestellen. Zur Verfügung stehen  Praxisposter, Patientinnenflyer in deutscher und türkischer Sprache, oGTT-Anleitungen, Blutzuckertagebücher und Mutterpassaufkleber.

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Gestationsdiabetes-Screening in Deutschland

Füchtenbusch M, Wentzel A,
Schumann N. Petruschke Th, Ziegler A-G, abstract DDG 2009

 

Zusammenfassung der wichtigsten Studienergebnisse

 

  • 90,3 % der niedergelassenen Gynäkologen (NG) empfehlen bei jeder Schwangeren ein GDM-Screening. Wie häufig das Screening tatsächlich durchgeführt wird, beantwortet die Studie nicht.

 

  • 9,7 % empfehlen ein Screening nur bei Verdacht. Diejenigen, die ein Screening nur bei Verdacht und dann in der eigenen Praxis durchführen würden, gaben als Indikation hierfür an:

 

     – Risikopatienten: Übergewicht, fam.Disposition etc. (60 %)

     – Glukosurie (40 %)

     – Auffällige fetale Entwicklung (8 %)

 

  • 71,1 % der NG verwenden im Falle eines Screenings immer den oGTT mit 75g Glukose
  • 28,5 % verwenden zunächst den 1h Challenge-Test

 

  • 82% der NG gaben an, die Leitlinien-Grenzwerte für den oGTT (90-180-155mg/dl, kap.Vollblut) anzuwenden
  • 18 % würden niedrigere Grenzwerte ansetzen

 

  • 45,5 % messen den Blutzucker im Belastungstest mittels Hand-Blutzuckermessgerät
  • 46 % machen immer eine qualitätskontrollierte Laborbestimmung
  •   8 % gaben ein, beides zu verwenden

 

  • Wird ein GDM diagnostiziert, überweisen

 

      – 83 % an einen Diabetologen

      –  4 % an einen Internisten

      –  4 % in eine Klinik

      –  1 % an den Hausarzt

 

  • 8 % der NG behandeln ihre Patientinnen mit GDM selbst

 

Methodik: Repräsentative, explorative Querschnittsuntersuchung mittels telefonischer Interviews. n=2.605 Ärzte, entspricht 24 % aller niedergelassenen Gynäkologen.

 


Download

 

Vortrag von Dr. med. Helmut Kleinwechter zum Thema: Gestationsdiabetes.pdf Gestationsdiabetes.pdf (4.16 MB)

 

 

Über Bayer Vital

Die Bayer Vital GmbH vertreibt in Deutschland die Produkte der in der Bayer HealthCare AG zusammengeführten Divisionen Animal Health, Consumer Care, Diabetes Care und Bayer Schering Pharma. Bayer Vital konzentriert sich auf das Ziel, in Deutschland innovative Produkte in Zusammenarbeit mit den Partnern im Gesundheitswesen zu erforschen und Ärzten, Apothekern und Patienten anzubieten. Die Produkte dienen der Diagnose, der Vorsorge und der Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin. Damit will das Unternehmen einen nachhaltigen Beitrag leisten, die Gesundheit von Mensch und Tier zu verbessern. Mehr über Bayer Vital steht im Internet: http://www.bayervital.de

 


Quelle: Pressegespräch der Firma Bayer am 20.05.2009 in Leipzig (Goerke PR).

 

 

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