Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP)

Schwerer Verlauf von COVID-19

Welche Lungenpatienten besonderen Schutz brauchen

 

Berlin (12. Mai 2020) — Das Risiko, an COVID-19 zu erkranken, ist aktuell aufgrund der fehlenden Immunität für alle Bevölkerungsgruppen hoch. Die meisten Menschen, die sich mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 infizieren, erkranken nicht schwer. Besonders Patienten mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen sind jedoch verunsichert. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) äußert sich in einer aktuellen Stellungnahme dazu, welche dieser Patienten ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Die Experten der Fachgesellschaft beantworten in dem Papier häufig gestellte Fragen zur Risikoabschätzung anhand exemplarischer Fallbeispiele.

Bei der Mehrheit der an COVID-19 erkrankten Patienten verläuft die Erkrankung mild bis moderat und zeigt im Durchschnitt für einen Zeitraum von 11,5 Tagen nach Infektion Symptome. Laut dem Robert Koch-Institut werden in Deutschland acht bis zehn Prozent der COVID-19-Patienten stationär behandelt. „Diese Zahl dürfte den Anteil schwerer Fälle noch überschätzen, da insbesondere am Anfang der Pandemie nicht nur die Erkrankungs-Schwere, sondern teils auch die notwendige Isolierung Aufnahmegrund war“, sagt Professor Dr. med. Torsten Bauer, stellvertretender DGP-Präsident. „Dies zeigt sich am relativ niedrigen Anteil intensivstationärer Behandlungen von lediglich acht Prozent dieser hospitalisierten Fälle.“ Die aktuell geschätzte Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu versterben, liegt nach aktuell verfügbaren Daten bei unter einem Prozent (bezogen auf die geschätzte Gesamtheit aller Infizierten). Je nach Altersgruppe unterscheiden sich die Mortalitätsraten jedoch erheblich. So sind ältere Patienten häufiger betroffen als jüngere.

Viele Patienten mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD sind angesichts der aktuellen Pandemie beunruhigt und befürchten, stärker durch SARS-CoV-2 gefährdet zu sein als Gesunde. „Die Patienten möchten sich optimal vor einer Infektion schützen“, so Professor Dr. med. Marek Lommatzsch, Oberarzt der Abteilung für Pneumologie der Universität Rostock und Sprecher des Deutschen Lungentages. „Doch auch Ärzte, die in der Pflicht sind, ihren Patienten geeignete und sinnvolle Schutzmaßnahmen zukommen zu lassen, sind verunsichert.“ Daher ist die Risikoabschätzung für Patientengruppen mit bereits bestehenden Atemwegs- und Lungenerkrankungen von besonderer Bedeutung.

In dem Papier „Risikoabschätzung bei Patienten mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen im Rahmen der SARS-CoV-2-Pandemie“ schätzen die Experten der DGP das Risiko von bestimmten Patientengruppen (zum Beispiel mit Asthma, COPD, Lungenkrebs oder Schlafapnoe), einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf zu erleiden, und erklären, welche Patientengruppen besonderen Schutz benötigen. So haben beispielsweise gut therapierte Patienten mit Asthma kein erhöhtes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe. Anders sieht es bei Menschen mit COPD aus: „Aus den bislang vorliegenden Daten gibt es Hinweise darauf, dass Patienten mit COPD ein höheres Risiko für schwere COVID-19-Verläufe haben. Bei Vorliegen einer kardiovaskulären Komorbidität ist bei Patienten mit COPD von einem deutlich erhöhten Risiko auszugehen“, erklärt Lommatzsch.

„Allen Patienten mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen empfehlen wir, sich streng an die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zu halten“, so Lommatzsch. „Insbesondere die Abstandsgebote, Hygieneregeln und Impf-Empfehlungen sollten beachtet werden.“

Die vollständigen Empfehlungen der DGP können auf der Website der Fachgesellschaft kostenlos abgerufen werden. Die Empfehlungen werden aufgrund der täglich neuen Erkenntnisse zu COVID-19 regelmäßig aktualisiert. Die Publikation der nächsten Aktualisierung (und Erweiterung um weitere Fallbeispiele) ist für den 27. Mai 2020 auf der Website der DGP geplant.


Originalpublikation

 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP), 12.05.2020 (tB).

Schlagwörter: ,

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung