Jenaer Kardiologie setzt neuartige Spritze als eine der ersten Kliniken in Deutschland ein

Mit einem Pieks gegen Cholesterin

 

Jena (16. April 2021) — Christel Krüger hat zu hohe Cholesterinwerte. Die bisherigen medikamentösen Therapiemöglichkeiten verträgt sie leider alle nicht. Damit ihr LDL-Cholesterin trotzdem gesenkt werden kann, erhielt sie als erste Patientin am Universitätsklinikum Jena (UKJ) und als erste in Thüringen eine neue Therapie, in Form einer Spritze. Die Jenaer Kardiologie gehört damit zu den ersten Kliniken in Deutschland, die sie anwenden.

Die Lipid-Experten der Klinik für Innere Medizin I am UKJ sind begeistert. „Wir können das LDL-Cholesterin damit dauerhaft um mindestens 50 Prozent senken. Das ist fantastisch“, betont Prof Dr. Oliver Weingärtner, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin I. „Das Besondere ist, dass die Wirkung einer Injektion über sechs Monate anhält. Das heißt zwei Spritzen pro Jahr genügen für eine dauerhafte Senkung des Cholesterins. Für unsere Patienten wie Christel Krüger, die bisherige Medikamente wie Statine, Ezetimib und PCSK9-Antikörper nicht vertragen, bedeutet es eine große Erleichterung“, ergänzt er. Christel Krüger litt vor allem an Muskelschmerzen und Schlafproblemen. Diese Nebenwirkungen hat sie seit der Spritze nicht mehr.

Der Experte spricht von einem revolutionären Mechanismus auf zellulärer Ebene: „Das Medikament wirkt ganz gezielt in der Zelle und hemmt dort die Produktion von PCSK9, einem wichtigen Protein des Cholesterinstoffwechsels. Durch die Senkung von PCSK9 kommt es zu einer vermehrten Expression von sogenannten LDL-Rezeptoren auf der Zelloberfläche, die zu einer besseren Aufnahme und Verstoffwechselung von Cholesterin in der Zelle führen.“

Das Heimtückische am LDL-Cholesterin sei laut Weingärtner, dass Betroffene nicht spüren, wenn ihr Cholesterinwert zu hoch ist. „Ab einem LDL-Cholesterin von 4,9 Millimol pro Liter sollte man an eine sogenannte familiäre Hypercholesterinämie denken. Diese Patienten sollten, unabhängig von anderen Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall, alle behandelt werden. Zu viel LDL-Cholesterin führt zur Verstopfung der Gefäße und erhöht das Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Deshalb ist eine möglichst frühzeitige Therapie gefordert.“ Die Spritze ist nicht nur eine Option, wenn medikamentöse Möglichkeiten ausgeschöpft sind, sondern auch, wenn es bereits zum Herzinfarkt oder Schlaganfall kam und die geforderten Zielwerte für LDL-Cholesterin nicht erreicht worden sind.

„Kardiovaskuläre Erkrankungen sind in Thüringen und den neuen Bundesländern häufiger als im Rest der Bundesrepublik. Auch zeigt der Deutsche Herzbericht eine erhöhte Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt in Thüringen. Mit den modernen Methoden der Lipidtherapie wollen wir gemeinsam mit unseren ambulanten Kollegen die kardiovaskuläre Patientenversorgung verbessern“, unterstreicht der Kardiologe Prof. Dr. Christian Schulze, Direktor der Klinik für Innere Medizin I am UKJ.

Patienten mit erhöhtem LDL-Cholesterin müssen laut Weingärtner lebenslang engmaschig behandelt und kontrolliert werden. Nur dann bleibt das LDL-Cholesterin im Griff. „Ein gesunder Lebensstil wirkt sich positiv auf das LDL-Cholesterin aus. Allerdings reicht das meist nicht aus“, betont der Experte für Fettstoffwechselstörungen.

Deshalb appelliert er: „Ein Cholesterintest kann schnell und einfach zeigen, dass das LDL-Cholesterin zu hoch ist. Je früher das passiert, umso besser. Es geht darum, ‚Cholesterinlebensjahre‘ zu verringern. Jeder sollte daher seinen Cholesterinwert kennen. Bei zu hohen Werten sollten konsequent die individuellen Zielwerte angestrebt werden und alle Alarmglocken läuten.“

 

 

Abb. oben: Oberarzt Prof. Dr. Oliver Weingärtner (links) und Prof. Dr. Christian Schulze (mitte), Direktor der Klinik für Innere Medizin I (Kardiologie) am UKJ, klären Patientin Christel Krüger (rechts) über die Cholesterinspritze auf.

 

 


Quelle: Uniklinik Jena, 16.04.202 (tB).

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