Wie gefährlich ist Covid-19 für Schwangere und Neugeborene?

 

Jena (10. Mai 2021) — Vor einem Jahr etablierten Mitarbeitende des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und Dresden unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) das CRONOS-Register, um Auswirkungen von Covid-19 auf Schwangere und deren Neugeborene zu erfassen. Mittlerweile wurden von mehr als 2.000 Schwangeren in Deutschland Daten erhoben. Die gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen wissenschaftliche Empfehlungen für die Betreuung der Schwangeren, die auf das deutsche Gesundheitssystem abgestimmt sind.

Mehr als 2.000 während der Schwangerschaft positiv auf SARS-CoV-2 getestete Frauen wurden in dem CRONOS-Register der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) erfasst. Bereits sehr frühzeitig haben die Mediziner erkannt, dass für wissenschaftlich fundierte Behandlungsempfehlungen zum Umgang mit einer SARS-CoV-2-Infektion Daten aus Deutschland eine wichtige Voraussetzung sind. Das wenige Monate vorher von Prof. Dr. Ulrich Pecks und Prof. Dr. Mario Rüdiger etablierte Forschungsnetzwerk der DGPM bildete die optimale Voraussetzung. Innerhalb kürzester Zeit wurden ehrenamtlich die Voraussetzungen für das Register geschaffen, in dem mittlerweile mehr als 150 Kliniken in Deutschland registriert sind. In diesen Kliniken kamen 2020 insgesamt mehr als 180.000 Kinder und damit über 25 Prozent aller Neugeborenen in Deutschland zur Welt.

„Wichtig war uns, dass wir als interdisziplinäre Fachgesellschaft nicht nur Daten der Schwangeren erfassen, sondern auch Aussagen zu den Auswirkungen auf das Neugeborene machen können“, so Prof. Dr. Pecks, Leiter der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel. Mittlerweile sind 1619 Neugeborene SARS-CoV-2-infizierter Schwangerer geboren. „Wir können die Frauen, die während der Schwangerschaft positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, etwas beruhigen: Weniger als fünf von 100 Neugeborenen wurden nach der Geburt positiv auf SARS-CoV-2 getestet und nur sehr wenige sind ernsthaft erkrankt”, so Prof. Dr. Rüdiger, Neugeborenenmediziner und Gründungsdirektor des Zentrums für feto-neonatale Gesundheit am Dresdner Universitätsklinikum.

Allerdings zeigen die Daten auch, dass eine Infektion in der Schwangerschaft mit schweren Verläufen von Covid-19 für die Betroffene einhergehen und somit eine Gefahr für die Schwangere darstellen kann. „Aktuelle Presse-Berichte aus dem Universitätsklinikum in Hamburg zu sehr schweren Verläufen haben uns veranlasst, das CRONOS-Register erneut zu bewerten. Wir finden in ganz Deutschland zurzeit einen Anstieg sehr schwerer Verläufe, bei der die schwangeren Frauen beatmet werden müssen“, erklärt Prof. Pecks. In absoluten Zahlen gesprochen sind dies zwar zum Glück wenige betroffene Patientinnen, jedoch im März und April 2021 mit elf Fällen etwa doppelt so viele, wie in den Monaten davor. „Eine schlüssige Erklärung haben wir hierzu noch nicht, aber wir gehen der Sache nach“, so der Geburtshelfer weiter. Zudem wird eine erhöhte Rate an Frühgeburten beobachtet, die dann eine intensivere Beobachtung und ggf. Behandlung des Neugeborenen nach sich zieht.

Daten internationaler Studien weisen nun darauf hin, dass die Impfung gegen Covid-19 während der Schwangerschaft sicher ist und die bei einer SARS-CoV-2-Infektion vermehrt auftretenden Risiken für Mutter und Kind verhindern kann. Daher hat die DGPM, gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften, eine Empfehlung für eine Impfung während der Schwangerschaft ausgesprochen. „Diese schützt nicht nur die Schwangere. Auch bei dem Neugeborenen sind nach einer Impfung der Schwangeren die schützenden Antikörper nachweisbar“, erklärt Prof. Rüdiger.

Aktuell wird das Register um zusätzliche Komponenten erweitert, damit sowohl die psychischen Auswirkungen von Covid-19 beurteilt werden können, aber auch Daten zur Auswirkung der Impfung während der Schwangerschaft und zu den langfristigen Konsequenzen einer Covid-19 Infektion verfügbar sind. Wenngleich das CRONOS-Register flächendeckende Daten für Deutschland liefert, die von großer Bedeutung für die Betreuung von Schwangeren und deren Neugeborenen sind, fand sich bisher keine Möglichkeit einer hinreichenden Finanzierung dieser wichtigen Infrastruktur. „Der enorme Erkenntnisgewinn, von dem die Versorgung Schwangerer in Deutschland enorm profitiert, ist einzig dem ehrenamtlichen Engagement der Beteiligten zu verdanken. Eigentlich ist es eine Blamage, dass unsere Förderanträge immer wieder abgelehnt wurden und wir auf den ehrenamtlichen Einsatz der vielen Beteiligten angewiesen sind“, sagen Prof. Pecks und Prof. Rüdiger.

Prof. Dr. Nicolai Maass, Direktor der Frauenklinik am UKSH, Campus Kiel, ergänzt: „Hier ist jetzt auch mal die Politik gefordert, Wege zu einer dringend notwendigen Finanzierung dieser so wichtigen Studie zu ebnen. Schließlich sind die Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett eine ganz besonders schützenswerte Zeit im Leben einer jungen Familie.“ Zusammen mit Prof. Pecks und dem Kreißsaal-Team des UKSH weiß er, wovon er spricht: Auch das UKSH hat bereits Frauen mit Corona unter Geburt betreut. „Bei uns ging es zum Glück glimpflich für alle Beteiligten aus“, weiß Maass zu berichten.

 

 

Weitere Informationen

 

 


Quelle: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, 10.05.2021 (tB).

Schlagwörter: , , ,

MEDICAL NEWS

Inadequate sequencing of SARS-CoV-2 variants impedes global response to COVID-19
New meta-analysis finds cannabis may be linked to development of…
New guidance on how to diagnosis and manage osteoporosis in…
Starting the day off with chocolate could have unexpected benefits
Better mental health supports for nurses needed, study finds

SCHMERZ PAINCARE

Versorgung verbessern: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin fordert die Einführung des…
Pflegeexpertise im Fokus: Schmerzmanagement nach Operationen
Versorgung verbessern: Bundesweite Initiative der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu…
Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern

DIABETES

„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ gibt…
Toujeo® bei Typ-1-Diabetes: Weniger schwere Hypoglykämien und weniger Ketoazidosen 
Bundestag berät über DMP Adipositas: DDG begrüßt dies als Teil…
Mit der Smartwatch Insulinbildung steuern
Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…

ERNÄHRUNG

Wie eine Diät die Darmflora beeinflusst: Krankenhauskeim spielt wichtige Rolle…
DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren

ONKOLOGIE

Anti-Myelom-Therapie mit zusätzlich Daratumumab noch effektiver
Positive Ergebnisse beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom: Phase-III-Studie zur Radioligandentherapie mit 177Lu-PSMA-617
Lymphom-News vom EHA2021 Virtual. Alle Berichte sind nun online verfügbar!
Deutsch-dänisches Interreg-Projekt: Grenzübergreifende Fortbildungskurse in der onkologischen Pflege
Sotorasib: Neues Medikament macht Lungenkrebs-Patienten Hoffnung

MULTIPLE SKLEROSE

NMOSD-Erkrankungen: Zulassung von Satralizumab zur Behandlung von Jugendlichen und Erwachsenen
Verzögerte Verfügbarkeit von Ofatumumab (Kesimpta®)
Neuer Biomarker bei Multipler Sklerose ermöglicht frühe Risikoeinschätzung und gezielte…
Multiple Sklerose beginnt oft lange vor der Diagnose
Goldstandard für Versorgung bei Multipler Sklerose

PARKINSON

Meilenstein in der Parkinson-Frühdiagnose
Parkinson-Erkrankte besonders stark von Covid-19 betroffen
Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung