ASCO 2019

Signifikante Verbesserung der koprimären Endpunkte unter Apalutamid vs. Placebo beim metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom in TITAN-Studie

 

  • Indikationserweiterung beantragt

 

Neuss (28. Juni 2019) – In der Phase-III-Studie TITAN verlängerte Apalutamid in Kombination mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT) bei Patienten mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom (mHSPC) im Vergleich zu Placebo plus ADT die koprimären Endpunkte Gesamtüberleben (OS) und radiographisch progressionsfreies Überleben (rPFS) signifikant [1]. Janssen Pharmaceutical Companies of Johnson & Johnson hat hierauf basierend die Indikationserweiterung für Apalutamid in der EU und den USA beantragt.

Apalutamid verlängerte im Vergleich zu Placebo (jeweils plus ADT) das mediane OS von Patienten mit mHSPC signifikant, das Risiko zu versterben war dabei um 33% reduziert (medianes OS in beiden Armen noch nicht erreicht; Hazard Ratio [HR] 0,67; 95% CI 0,51–0,89; p=0,0053). Auch beim zweiten koprimären Endpunkt, medianes rPFS, ergab sich ein signifikanter Vorteil von Apalutamid vs. Placebo: Das Risiko einen radiographischen Progress zu erleiden oder zu versterben war um 52% reduziert (NR vs. 22,1 Monate; HR 0,48; 95% CI 0,39–0,60; p<0,0001). Die Zweijahres-Überlebensrate betrug im Verumarm 82%, im Placebo-Arm hingegen 74% [1].

Beim sekundären Endpunkt Zeit bis zum Beginn einer zytotoxischen Chemotherapie kam es zu einer 61%igen Risikoreduktion gegenüber Placebo (Median in beiden Armen noch nicht erreicht; HR 0,39; 95% CI 0,27-0,56; p<0,0001). Des Weiteren zeigte sich ein signifikanter Vorteil von Apalutamid bei den exploratorischen Endpunkten Zeit bis zur PSA-Progression (NR vs. 12,9 Monate; HR 0,26; 95% CI 0,21–0,32; p<0,0001) sowie Zeit von der Randomisierung bis zum Fortschreiten der Erkrankung oder Tod unter der ersten Folgetherapie (PFS2; Median in beiden Armen noch nicht erreicht; HR 0,66; 95% CI 0,50–0,87; p=0,0026) [1].

Das Sicherheitsprofil von Apalutamid war vergleichbar mit dem Profil, das bereits in der Zulassungsstudie für das nicht metastasierte kastrationsresistente Prostatakarzinom mit hohem Risiko (M0CRPC; SPARTAN) beobachet worden war [1,2]. Zu Nebenwirkungen von besonderem Interesse, die unter Apalutamid/ADT gehäuft auftraten, gehörten beispielsweise Hautausschläge (alle Grade; 27,1% vs. 8,5%). Die Rate an Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen lag im Apalutamid-Arm bei 8,0%, verglichen mit 5,3% im Placebo-Arm. Nebenwirkungen der Grade 3 und 4 traten in beiden Studienarmen gleich häufig auf (42,2% vs. 40,8%) [1].

Die Daten wurden zeitgleich auch in der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht [3]. Sie bilden die Grundlage für einen Antrag von Janssen auf Zulassungserweiterung für das mHSPC bei der U.S. Food and Drug Administration (FDA) sowie der European Medicines Agency (EMA) [4,5].

Bei Apalutamid handelt es sich um einen neuen oralen selektiven Androgenrezeptor-Inhibitor, der für die Therapie von Männern mit nicht metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom zugelassen ist, die ein hohes Risiko für die Entwicklung von Metastasen aufweisen [6]. Für die Subgruppe der Patienten mit neu diagnostiziertem Hochrisiko-mHSPC gibt es zwar moderne, hocheffektive Therapieoptionen, die Zulassungsstudie TITAN für Apalutamid schließt jedoch alle mHSPC-Patienten ein (d.h. die Erkrankung musste nicht neu diagnostiziert und das Progressionsrisiko konnte auch gering sein) [1,7].

 

Anmerkung

# Apalutamid ist in Deutschland für diese Indikation nicht zugelassen

 

Referenzen

  1. Chi KN et al. First Results From TITAN: a Phase 3 Double-Blind, Randomized Study of Apalutamide Versus Placebo in Patients With Metastatic Castration-Sensitive Prostate Cancer Receiving Androgen Deprivation Therapy. J Clin Oncol 37, 2019 (suppl; abstr 5006) & ASCO 2019,  Oral Presentation: http://abstracts.asco.org/239/AbstView_239_252003.html. Letzter Zugriff: 12.06.2019.
  2. Smith MR, et al. Apalutamide Treatment and Metastasis-free Survival in Prostate Cancer. N Engl J Med. 2018;378(15):1408-18.
  3. Chi KN et al. Apalutamide for Metastatic, Castration-Sensitive Prostate Cancer. N Engl J Med 2019; 10.1056/NEJMoa1903307. www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1903307?query=featured_home. Letzter Zugriff: 12.06.2019.
  4. Presseinformation Janssen Pharmaceutical Companies of Johnson & Johnson. 29. April 2019. www.jnj.com/janssen-submits-application-to-u-s-fda-seeking-approval-of-erleada-apalutamide-for-patients-with-metastatic-castration-sensitive-prostate-cancer; Letzter Zugriff: 11.06.2019.
  5. Presseinformation Janssen Pharmaceutical Companies of Johnson & Johnson. 04. Juni 2019. www.businesswire.com/news/home/20190604005600/en/; Letzter Zugriff: 11.06.2019.
  6. Aktuelle Fachinformation Erleada®, Stand Januar 2019.
  7. S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom. Version 5.1 – Mai 2019. AWMF – Registernummer: 043/022OL: www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/. Letzter Zugriff: 11.06.2019.

 

 


Quelle: Janssen-Cilag GmbH, 28.06.2019 (tB).

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