MEDIZIN

DOC-CHECK LOGIN

Fortbildung für Pflegende zum „OncoCoach“

  • Innovationsfond fördert Projekt OnCoPaTh1 zur Verbesserung der Versorgung nicht heilbarer Krebspatienten

Frankfurt am Main (24. Juni 2020) – Bei onkologisch tätigen Ärzten besteht ein hoher und stetig wachsender Bedarf an Unterstützung durch speziell weitergebildete Pflegekräfte. Der Verein Arbeitskreis klinische Studien e. V. (AKS) in Frankfurt am Main bietet daher regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen für Pflegende zum so genannten OncoCoach an. Die Fortbildungen sind von der Landesärztekammer Hessen zertifiziert und immer rasch ausgebucht.

Krebs wird immer mehr zu einer chronischen Erkrankung und es herrscht Konsens darüber, dass Patienten mit einer unheilbaren Tumorerkrankung frühzeitig eine palliative Begleitung angeboten werden sollte. Es ist wichtig, betroffene Patienten in ihrer individuellen Entscheidungsfähigkeit zu stärken und in der Versorgungsorganisation zu unterstützen. Diese Hilfe orientiert sich an der psychischen sowie sozialen Situation des Patienten, was eine umfassende Betreuung und Koordination bedeutet, welche allein von den Onkologen kaum geleistet werden kann. Bei vielen Patienten besteht nach dem Arztgespräch weiterer Klärungsbedarf zu therapeutischen und pflegerischen Maßnahmen.

Die Delegation von Versorgungsleistungen an Pflegekräfte wird in der Onkologie zunehmend wichtiger. Komplexere Therapien, längere Behandlungs- und Überlebenszeiten, steigende Krebs-Inzidenzen und eine Abnahme der onkologischen Versorgungsdichte, vor allem in ländlichen Regionen, bringen Onkologen an ihre Kapazitätsgrenzen.

Werbung

In der PACOCT-Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (WINHO) wurden bereits Vorteile und Verbesserungen der Versorgung der Patienten durch speziell ausgebildete OncoCoaches beschrieben (2).

Um das Projekt OncoCoaching auf wissenschaftliche Beine zu stellen, entschlossen sich die Initiatoren des Projekts, die medizinischen Onkologen Prof. Dr. med. Hans Tesch, Frankfurt und Dr. med. Manfred Welslau, Aschaffenburg, im März 2018 einen Antrag zur Förderung für den innovativen Ansatz des OncoCoaching beim Innovationsfond einzureichen, wobei der AKS als Konsortialführer fungiert. Mit der Projektkoordination und Antragsstellung wurden Dr. Dirk Mohr und Dr. Mike Packheiser (DMMP Vertrieb und Dienstleistungen im Gesundheitswesen GmbH & Co. KG) beauftragt.

„Dieser Weg wird kein leichter sein…“ dachten die Initiatoren Tesch und Welslau zu Beginn der Antragstellung im März 2018. Sie waren sich jedoch sicher, dass sie mit OnCoPaTh auf dem richtigen Weg oder besser gesagt, auf dem richtigen „Pfad, dem OnCoPaTh“ sind.

Fachliche Unterstützung für die Antragsstellung erhielt DMMP neben dem AKS durch speziell für das Projekt ausgewählte Konsortialpartner, wie die Deutsche Krebsgesellschaft e.V., den Fachverband SAPV Hessen e.V., die eHealth-TecGmbH aus Berlin, die Bergische Universität Wuppertal, die PMV-Forschergruppe der Universität zu Köln und das Wissenschaftliche Institut der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (WINHO).

Nach der positiven Förder-Entscheidung des Innovationsausschusses vom 16.10.2019 und dem Förderbescheid vom Dezember2019 konnte das Projekt nun am 01.05.2020 planmäßig an den Start gehen.(3)

Der Arbeitskreis klinische Studien forscht somit zukünftig auf hohem akademischem Niveau. „Wir sind sehr stolz, dass wir als kleiner Verein mit unserem Antrag erfolgreich waren“, so Prof. Hans Tesch, Direktor des onkologischen Zentrums Frankfurt Nordost (Centrum für Hämatologie und Onkologie am Bethanien-Krankenhaus).

Prof. Tesch und seine Kollegen behandeln dort mehr als 2.000 Krebspatienten im Jahr. Dr. Manfred Welslau leitet das onkologische Zentrum am Klinikum Aschaffenburg und behandelt dort über 1.000 onkologische Neuerkrankungen im Jahr.

Es gilt im Rahmen der Studie wissenschaftlich zu zeigen, in wie weit die Begleitung der Patienten durch OncoCoaches und die frühe Einbindung von spezialisierten Palliativpflegefachkräften, Patientenkompetenz steigern, Lebensqualität verbessern und auch Notfallsituationen mit Krankenhauseinweisungen von Patienten mit neu diagnostizierten Fernmetastasen verringern kann. Dreißig Studienzentren aus Hessen und angrenzenden Regionen sollen sich beteiligen und insgesamt 1.800 Patienten einschließen. Hierzu werden rund 60 onkologische FachassistentInnen im Rahmen des Projekts zu OncoCoaches weitergebildet. Die durch den SAPV-Fachverband Hessen unter der Leitung von Michaela Hach hervorragend organisierte und ausgebaute Palliativversorgung in Hessen macht eine flächendeckende Einbindung von Palliativpflegefachkräften möglich.

„Um die sehr hohe Versorgungsqualität aufrecht zu erhalten, müssen neue Wege gegangen werden. Den Pflegekräften soll hierbei eine besondere Bedeutung zukommen,“ sagt Dr. Welslau zur Wichtigkeit des angehenden Projektes.

„Ein besonderes Anliegen ist es uns, Pflegekräfte in ihrer Kompetenz zu stärken und aufzuwerten“, betont Prof. Tesch. „In Zeiten der Corona-Krise, in denen alle nur darüber reden, dass für die Pflegekräfte etwas getan werden muss, handeln wir. Diese Studie wird mit Ergebnissen belegen, was gute Pflege im Gesundheitswesen wert ist“.

Darüber hinaus soll eine gesundheitsökonomische Auswertung zeigen, dass diese neue Versorgungsform kosteneffizient ist. Denn ein wichtiges Ziel des Projektes soll sein, dass die Leistungen von OncoCoaches und Palliativpflegefachkräften zukünftig als Regelleistung abrechenbar werden.

 

 

 

Quellen

(1)OncoCoaching und frühe Palliative Begleitung als patientenzentrierte Versorgungselemente in der Therapie nicht heilbarer Krebserkrankungen. Verfügbar unter www.onkopath.de. Zugriff Juni 2020.

(2)Riese C, Beylich A, Borges U, Klein A, Zamora P, Baumann W, Dengler R, Welslau M (2016). Patientenkompetenz in der oralen Krebstherapie (PACOCT) – Ergebnisse der Kohortenstudie. Onkologische Pflege, Jahrgang 6, Heft 1, W. Zuckschwerdt Verlag, Germering/München Seiten 47-51. DOI 10.4486/j.fop.2016.01.07

(3) Gemeinsamer Bundesausschuss: OnCoPaTh – OncoCoaching und frühe Palliative Begleitung als patientenzentrierte Versorgungselemente in der Therapie nicht heilbarer Krebserkrankungen. Verfügbar unter https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/neue-versorgungsformen/oncopath-oncocoaching-und-fruehe-palliative-begleitung-als-patientenzentrierte-versorgungselemente-in-der-therapie-nicht-heilbarer-krebserkrankungen.366. Zugriff Juni 2020

 

Download

 


Quelle: OncoPath, 24.06.2020 (tB).

Schlagwörter: ,

MEDICAL NEWS

COVID-19 pandemic sees increased consults for alcohol-related GI and liver…
The eyes offer a window into Alzheimer’s disease
Ventilating the rectum to support respiration
Screening for ovarian cancer did not reduce deaths
Fatigue, mood disorders associated with post-COVID-19 syndrome

SCHMERZ PAINCARE

Jedes vierte Kind wünscht bessere Schmerzbehandlung
Lebensqualität von Patienten in der dauerhaften Schmerztherapie mit Opioiden verbessern
Wenn Schmerzen nach einer OP chronisch werden
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: Schmerzmediziner, Politiker und…
Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2021 – ONLINE: COVID-19-Pandemie belastet Schmerzpatienten…

DIABETES

Verbände fordern bessere Ausbildung und Honorierung von Pflegekräften für Menschen…
Minimalinvasive Geräte warnen ungenügend vor Unterzuckerung
Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis treten häufig gemeinsam auf
Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf bei Menschen mit Diabetes
„Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7 PLUS“ meldet…

ERNÄHRUNG

DGEM plädiert für Screening und frühzeitige Aufbautherapie: Stationäre COVID-19-Patienten oft…
Führt eine vegane Ernährungsweise zu einer geringeren Knochengesundheit?
Regelmässiger Koffeinkonsum verändert Hirnstrukturen
Corona-Erkrankung: Fehl- und Mangelernährung sind unterschätze Risikofaktoren
Gesundheitliche Auswirkungen des Salzkonsums bleiben unklar: Weder der Nutzen noch…

ONKOLOGIE

Krebs – eine unterschätzte finanzielle Herausforderung
Cannabidiol gegen Hirntumore
Assistierte Selbsttötung bei Krebspatienten: Regelungsbedarf und Ermessensspielraum
Leberkrebs: Bei welchen Patienten wirkt die Immuntherapie?
Konferenzbericht vom virtuellen Münchener Fachpresse-Workshop Supportive Therapie in der Onkologie

MULTIPLE SKLEROSE

Neue S2k-Leitlinie für Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose
Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose: Stellungnahme zu SARS CoV 2 Impfdaten…
Schwangere mit MS: Schadet Schubbehandlung dem Ungeborenen?
Multiple Sklerose: Ein Sprung sagt mehr, als viele Kreuzchen auf…
Multiple Sklerose: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankung

PARKINSON

Gangstörungen durch Kleinhirnschädigung beim atypischen Parkinson-Syndrom
Parkinson-Agenda 2030: Die kommenden 10 Jahre sind für die therapeutische…
Gemeinsam gegen Parkinson: bessere Therapie durch multidisziplinäre Versorgung
Neuer Bewegungsratgeber unterstützt Menschen mit M. Parkinson durch Yoga
Covid-19-Prävention: besondere Vorsicht bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit